„Glaubst du das denn?", fragte er nun.
Neugierig drehte ich meinen Kopf wieder zu ihm. „Was?"
„Dass wir nie wieder miteinander klarkommen.", erklärte er. Doch anstatt zu antworten wendete ich meinen Blick wieder ab und starrte diesmal auf die dunklen, kalten Pflastersteine, auf denen wir saßen.
Ich ging nicht auf seine Frage ein. Stattdessen stellte ich eine neue, die mich ziemlich viel Überwindung kostete und von der ich versuchte, dass ich sie nicht mit so viel Bitternis in der Stimme stellte, die ich eigentlich dabei empfand. „Was sagt deine Freundin eigentlich dazu, dass du ein Foto von uns beiden in deiner Jackentasche hast?"
„Welche Freundin?", fragte er nun und schien dabei ehrlich verwirrt.
„Na die, die an dein Handy geht, wenn man dich anrufen will.", entgegnete ich mit einem dieser künstlichen Lacher, um zu übertönen, wie unangenehm mir diese Situation gerade war und wie sehr das ganze mich damals verletzt hatte.
„Du wolltest mich anrufen?", wollte er nun verblüfft wissen. Wahrscheinlich um meiner eigentlichen Frage aus dem Weg zu gehen.
„Ich wollte dich nicht nur anrufen, ich hab dich auch angerufen.", korrigierte ich mit fester Stimme und steigerte mich wieder ein bisschen zu sehr in dieses verletzte Gefühl rein, von dem ich dachte, dass es längst vergessen wäre. „An dem Mittwoch, nachdem wir uns gestritten haben. Aber deine Freundin hat abgenommen und dann hab ich aufgelegt. Wollte ja mit dir reden, nicht mit ihr."
"Welche Freundin denn bitte überhaupt?", gab Jonas ahnungslos, fast schon fassungslos von sich.
"Also nach ihrem Namen hab ich jetzt nicht gefragt, das müsstest du doch eigentlich ganz gut selbst wissen, wie sie heißt.", entgegnete ich fast schon eine Spur zu pampig, denn ich konnte mittlerweile schon fast nicht mehr so tun, als fände ich das alles furchtbar lustig und total okay. Denn das war es ganz und gar nicht für mich.
Ich sah Jonas an, dass er sich sein Lachen wirklich verkneifen musste. Was auch immer an dieser Situation jetzt so furchtbar lustig sein sollte. "Ich hab keine Freundin, Mia.", erklärte er mir, während er nun doch in schallendes Lachen ausbrach. Ich sah ihn nur perplex an. Was sollte das denn jetzt heißen? Ich konnte im ersten Moment erst einmal gar nichts erwidern. Die letzten paar Monate war ich immer wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass das Mädchen, das an Jonas' Handy gegangen war auch gleichzeitig seine Freundin war. Wie sollte sie sonst an sein Handy kommen?
"Aber gut zu wissen, dass ich dir doch nicht egal bin.", ließ Jonas nun mit fast schon aufgesetzter guter Laune anklingen.
Meine Lippen ließen mir gar keine Gelegenheit über eine passende Antwort nachzudenken. Irgendwie kam es, dass ich schneller sprach, als ich denken konnte.
"Du könntest mir niemals egal sein.", erwiderte ich leise, den Blick auf den Boden gerichtet, doch Jonas hatte mich trotzdem gehört. Das erkannte ich an dem breiten Grinsen, das sich auf seinem Gesicht ausbreitete und das ich aus dem Augenwinkel gerade so bemerkte.
"Ach, warst du also eifersüchtig?", vermutete er mit neckendem Unterton.
"Gar nicht", gab ich fast schon beleidigt von mir und verpasste Jonas nach viel zu langer Zeit mal wieder einen meinen Schläge auf seinen Oberarm.
"Aggressiv wie immer", lachte er und auch ich konnte mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Aber eine Frage brannte mir noch immer auf der Zunge.
"Wer war sie denn dann?", wollte ich nun wissen und klang dabei wieder ernster. Ich wollte diese Sachen nun für ein und alle mal klären. "Also das Mädchen, meine ich. An deinem Handy."
Jonas zuckte kurz ratlos die Schultern. "Kann eigentlich nur Jana gewesen sein."
„Jana?", sah ich ihn fragend an, schließlich kannte ich niemanden, der so hieß.
„Die Freundin von Matze.", erklärte er mir und ich nickte verstehend. Auf so eine simple Erklärung hätte ich auch selbst kommen können.
Jonas antwortete nichts darauf und auch ich richtete meine Aufmerksamkeit nun auf den von den Sternen erleuchteten Himmel, bevor ich auf einmal ein unterdrücktes Lachen neben mir vernahm. Ich konnte nicht deuten, was dieses Lachen zu bedeuten hatte.
"Was ist denn jetzt so lustig?", fragte ich verwirrt, musste dabei aber doch lächeln, einfach, weil sein Lachen so ansteckend war und ich es so sehr vermisst hatte.
Doch Jonas antwortete gar nicht erst, sondern lachte einfach weiter, während ich ihn einfach dabei beobachtete und von Sekunde zu Sekunde immer verwirrter wurde.
"Hey, jetzt hör mal auf damit!", mahnte ich und schlug ihm erneut auf den Oberarm, um ihn wieder zur Besinnung zu rufen, damit er mir endlich erklären konnte, weshalb er auf einmal begonnen hatte so zu lachen.
"Als ob du wirklich dachtest, sie wäre meine Freundin.", meinte Jonas nun, während er zwar immer noch lachte, aber wenigstens schonmal etwas ernster klang als zuvor.
Einerseits war ich froh, dass er wenigstens endlich mit mir redete, aber andererseits fühlte ich mich schon ein bisschen verarscht. "Klar, hab ich das gedacht!", erklärte ich todernst. "Sie ist an dein Handy gegangen."
"Eben, nur weil irgendjemand an mein Handy geht, heisst das doch noch lange nicht, dass das meine Freundin sein muss.", meinte Jonas wie selbstverständlich und hörte zwar auf zu lachen, lächelte aber noch amüsiert.
Er hatte Recht, es war ziemlich dumm von mir gewesen, anzunehmen, dass irgendein Mädchen, das einfach so an sein Handy ging, automatisch seine Freundin sein musste.
"Das war aber auch ne außergewöhnliche Situation, okay.", schmollte ich. Jetzt, wo mir die ganze Situation wie Schuppen von den Augen fiel, wurde mir erst bewusst, wie kindisch ich mich eigentlich verhalten hatte. Aber mein Vertrauen war irgendwie verletzt gewesen, ich hatte mich entschuldigen wollen, nur um dann so enttäuscht zu werden. Da hätte doch wohl jeder überreagiert.
"Du kleines eifersüchtiges Ding, du.", schmunzelte Jonas, während er mich in die Seite pickst und ich ebenfalls kurz lachen musste. Ein bisschen Wahrheit war an der Sache wohl schon dran.
"Du widersprichst ja gar nicht.", bemerkte er. Ich zuckte nur die Schultern und konnte aus dem Augenwinkel beobachten wie Jonas diesen unfassbar arroganten und selbstgefälligen Gesichtsausdruck aufsetzte. "Jaja, ich bin schon ziemlich heiß, was?", doch es klang eher wie eine Frage als eine Feststellung.
Ich prustete los. "Immer diese arroganten Fußballspieler.", schüttelte ich lachend den Kopf. "Kaum in der Bundesliga sind sie viel zu sehr von sich selbst überzeugt."
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Der letzte Sommer
Novela Juvenil"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
