Ich fühlte die tanzende, feiernde Menge um mich herum und stand mitten drin. Irgendwie fühlte es sich gut an, Teil des großen Ganzen zu sein und nicht aufzufallen, sondern sich einfach treiben lassen zu können. Einerseits genoss ich dieses unbeschwerte Gefühl einfach nur tanzen zu können und mir heute nicht sonderlich viele Gedanken um irgendetwas machen zu müssen, doch andererseits merkte ich zunehmend, wie ich mich nach mehr sehnte und es mir so vorkam, es würde etwas fehlen. Obwohl mir die Vorstellung gefiel, dass heute niemand besonders auf mich achten würde, ich also frei war, in dem was ich tun wollte, so vermisste ich doch das blaue Augenpaar, das sonst immer mit ziemlicher Gewissheit auf mir lag. Glücklicherweise war ich ziemlich selbstbewusst und versuchte dementsprechend also auch, mir einzureden, dass ich eine solche Bestätigung durch andere nicht brauchte und mich außerdem auf keinen Fall davon abhängig machen wollte. Doch ich konnte nicht leugnen, dass mir Jonas' Anwesenheit in diesem Moment doch ein wenig fehlte. Vielleicht auch ein wenig mehr.
Ich beschloss nicht weiter darüber nachzudenken, sondern mich für heute einfach im Bad der Menge von meinen Gedanken zu befreien. Aber irgendwie fühlte sich das auch nicht richtig an. Es wäre fast so, als würde ich etwas verdrängen. Vielleicht dass ich mir dann eingestehen müsste, dass ich Jonas vermisste und wünschte, dass er hier wäre und nicht auf irgendeinem Fußballinternat in Norddeutschland, viel zu weit weg von hier. Gott, was machte der Alkohol nur mit mir.
Anstatt also weiter mit viel zu vielen Menschen auf viel zu engem Raum zu tanzen, quetschte ich mich durch die Masse in die Küche, wo ich mir etwas zu trinken holen wollte. Vielleicht sollte ich meine Freunde suchen, die ich jetzt schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatte. Generell war ich aber auch noch viel zu nüchtern. Und wieso war es eigentlich so unerträglich heiß hier drin?
Nachdem ich nach einigem Gedränge endlich die Küche erreicht hatte, griff ich mir einen der herumstehenden Plastikbecher und mischte einfach schnell irgendetwas zusammen. Skeptisch nahm ich einen Schluck von dem durch die Cola noch leicht süßlichen Getränks. So schlecht schmeckte es eigentlich gar nicht. Unauffällig kramte ich mein Handy aus der hinteren Hosentasche und warf einen kurzen Blick darauf. Keine Mitteilungen. Ich steckte es zurück und nahm einen weiteren, diesmal größeren Schluck. Mitsamt meinem Becher drängelte ich mich wieder durch das immer noch völlig überfüllte Wohnzimmer durch die Terassentür nach draußen.
Sofort atmete ich tief durch und genoss für einen Moment, dass ich einfach normal atmen konnte. Irgendwie musste ich jetzt doch an Jonas denken, obwohl ich mir vorgenommen hatte, heute einfach den Abend mit meinen Freunden zu genießen. Seitdem Jonas vor ein paar Tagen wieder ins Internat zurückgekehrt war, hatte ich nicht mehr sonderlich viel von ihm gehört. Das letzte Mal hatten wir kurz geschrieben, als er nach dem Training noch kurz Freizeit hatte, bis er schließlich einfach vor dem Handy eingeschlafen war. Doch auch dort hatte er mir eigentlich nur von seinem doch schon ziemlich ziemlich harten Trainingsplan erzählt. "Ich weiß nichtmal, wie er Silvester feiert.", schoß es mir plötzlich durch den Kopf. Der Gedanke daran betrübte mich. Ich hoffte einfach nur, dass er einen halbwegs tollen Start ins neue Jahr verbrachte, wenn er schon nicht hier sein konnte. Ich seufzte kurz, nahm einen Schluck aus meinem Becher und wollte mich eigentlich gerade wieder umdrehen und zurück ins Haus gehen, da es hier draußen langsam echt ziemlich kalt wurde, als die Terassentür ein weiteres Mal geöffnet wurde und meine zwei besten Freundinnen heraustraten.
"Hier bist du, Mia.", stellte Greta freudig fest und umschlang mit ihren Armen meinen Hals, sodass ich augenblicklich schmunzeln musste. Ein bisschen angetrunken schien sie also schon zu sein. "Wir haben dich schon gesucht.", erklärte Greta mir nun, woraufhin auch Lina mich umarmte, jedoch von der Seite, und wir für einen kurzen Moment einfach nur so dastanden. Die Dankbarkeit, die ich für meine Freunde empfand, ließ sich nicht in Worte fassen. Die einfache Tatsache, dass sie mit mir hier waren, half mir schon, mich daran zu erinnern, wie glücklich ich war, sie zu haben.
"Nicht so viel nachdenken, Mia", nuschelte Lina gegen meinen Hals. Sie hatte Recht. Nachdenken konnte ich auch noch im nächsten Jahr, aber den Rest von diesem wollte ich jetzt noch in vollen Zügen genießen. Auf meinem Gesicht breitete sich ein frohes Grinsen aus und ich zog meine beiden Freundinnen hinter mir zurück ins Haus, um dort ausgelassen mit ihnen zu feiern.
„5,4,3,2,1", grölte die gesamte Menge im Chor, bis wir uns bei 0 alle in den Armen lagen und gemeinsam „Frohes Neues Jahr" riefen. Lina, Greta und ich waren nach draußen gegangen, um nun die Feuerwerke beobachten zu können, die von hier und der ganzen Stadt aus in die Luft geschossen wurden. Meine Augen leuchteten vor Begeisterung. Jedes Jahr aufs Neue verliebte ich mich in den hell erleuchteten Silvesterhimmel. Obwohl es auf Fotos nie so schön aussah, wie in der Realität, wollte ich diesen besonderen Moment festhalten. Ich zückte also mein Handy und noch bevor ich es entsperre, sah ich eine neue Nachricht.
„Frohes neues Jahr, Mia", stand dort. Sofort muss ich kurz lächeln und ein Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus, das schnell wieder zu einem kleinen Lächeln wird. Er hatte also auch an mich gedacht, was auch immer er gerade machte, wo auch immer er gerade war.
Hallo!!
Ich glaub ich hab mich so schon relativ lange nicht mehr bei euch gemeldet.
Ich hoffe es geht euch allen gut und, dass ihr brav zuhause bleibt ;)
Da ich jetzt in der Quarantänzeit ein bisschen mehr Zeit habe als sonst, beschäftige ich momentan wieder recht intensiv mit dieser Geschichte und habe angefangen, sie ein bisschen zu überarbeiten.😊
Als ich angefangen habe die Geschichte von Jonas und Mia aufzuschreiben war ich 14 und mittlerweile schon 18. Fühl mich fast alt hahah😅😂 Aber ihr könnt euch sicher vorstellen, wie ich mich in dieser Zeit verändert habe und wie auch mein Schreibstil (hoffentlich) ein bisschen besser geworden ist.
Bevor ihr jedoch die überarbeitete Version zu lesen bekommt, möchte ich das ganze Projekt erst einmal beenden.
Meine Frage ist jetzt aber: Würde euch eine neue, um einiges realistischer und in sich schlüssigere Fassung von „Der letzte Sommer" interessieren? Ich denke momentan darüber ob und wie ich diese veröffentlichen soll:)
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Der letzte Sommer
Teen Fiction"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
