Kapitel 92: Trikot

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Am nächsten Samstag trafen wir uns alle bei Tom, da er der einzige war, der Pay-TV hatte und die Bundesliga nicht im normalen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Wenn es jetzt jedoch so weiterging, dass Jonas' Spiele öfter gezeigt wurden, weil er auf diesem Niveau weiterspielen konnte, würde ich irgendwann wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und mir Bezahlfernsehen zulegen müssen. Und das obwohl ich sogar für Netflix zu geizig war und mich in Felix' Account gehackt hatte.

Leo, Tom, Lina, Greta und ich hatten es uns schon in Toms übermäßig großem Wohnzimmer gemütlich gemacht und warteten auf den Pizzaboten, der bald unser Essen liefern sollte. Aus irgendeinem Grund war ich total nervös und hatte nicht einmal bei dem Gedanken an meine sonst so heiß geliebte Pizza Appetit. Mittlerweile war es kurz vor achtzehn Uhr und wir warteten gespannt darauf, dass es los gehen sollte. Gerade wurde im Fernsehen noch das Studio gezeigt, in dem sich zwei Reporter gerade über die Aufstellung diskutierten. Wie erwartet war Jonas nicht in der Startelf gelandet. Jedoch wäre das natürlich auch schon ziemlich utopisch gewesen, wenn man daran dachte, dass er erst vor gut einem halben Jahr erst auf die Sportschule gekommen war und vorher nur ein bis zweimal die Woche überhaupt trainiert hatte.

Auf einmal vibrierte mein Handy. Gespannt schaute ich auf die Benachrichtigung, die ich gerade bekommen hatte. Ich hatte zwar vorhin mit Jonas geschrieben, doch da er sich gerade eigentlich darauf konzentrieren müsste, dass das Spiel gleich losgehen sollte, hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet, dass er mir noch antwortete. Gerade, wenn man bedachte, dass wir vorhin eigentlich noch eine kleine Auseinandersetzung gehabt hatten. Es war zwar nichts Großes gewesen, da wir nur darüber diskutiert hatten, wer von uns beiden besser aussah, wobei ich natürlich ganz klar der Meinung gewesen war, dass es wohl außer Frage stand, dass das ja wohl ich wäre, während Jonas die ganze Sache etwas anders sah. Wie es zu dieser Art Diskussion gekommen war, war eigentlich auch schon wieder ziemlich lustig. Er hatte mir ein Bild von sich in seinem Trikot geschickt, auf dem also ganz offiziell sein Name stand. Um ehrlich zu sein, hatte ich das Foto schon ziemlich gut gefunden, weil es auf der einen Seite natürlich absolut unglaublich war, dass Jonas heute wirklich in der ersten Liga spielen würde und somit natürlich auch sein eigenes Trikot mit eigener Nummer bekam, also quasi in den Kader aufgenommen worden war. Andererseits konnte ich nicht leugnen, dass er auch ziemlich, ziemlich heiß aussah in diesem Shirt. Man musste zugeben, dass man schon sehen konnte, dass er nun mehr Sport machte als vorher und sein sonst zwar auch schon ziemlich trainierter Körper noch definierter geworden war.

Um Jonas jedoch ein wenig zu reizen, hatte ich nur ein kurzes "Nettes Trikot, das du da trägst", geantwortet und es hatte keine zwei Sekunden gedauert, bis Jonas mir wieder zurückgeschrieben hatte.

"Nett?!"

"Also das Trikot ist schon n bisschen mehr wert als nett, findest du nicht"

"Nö🤔"

"Nicht so frech, junge Dame" Ich hasste es, wenn er mich so nannte. Ich war vielleicht ein halbes Jahr jünger als er und es gefiel mir nicht, wenn er versuchte, über mich zu bestimmen. Das tat Felix schon zu viel für meinen Geschmack. Dafür genoss ich es umso mehr, Jonas zur Weißglut zu bringen, indem ich mich jedes Mal dagegen widersetzte.

"Bin nicht frech, nur ehrlich"

"Solange ich besser ausseh als nur nett😉"

"Mmh, hab schon bessere Typen gesehen🤔" Ich wusste genau, dass das nicht stimmte.

"Man soll nicht lügen, Mialein", mahnte er.

"Ist ja aber natürlich schwer zu beurteilen, ich seh ja nichts"

Jonas hatte die Nachricht gelesen, es wurde jedoch nicht angezeigt, dass er eine neue tippte, also sperrte ich mein Handy und legte es beiseite, um mir mein Outfit für heute rauszusuchen, das ganz unspektakulär aus einer schwarzen Jeans mit Löchern auf den Knien und einem grauen T-Shirt bestand. Als ich mich umgezogen hatte, guckte ich noch einmal auf mein Handy und sah, dass Jonas mir vor zwei Minuten ein weiteres Foto geschickt hatte. Verwirrt entsperrte ich mein Handy.

Damit hatte ich beim besten Willen nicht gerechnet, doch trotzdem musste ich sofort breit grinsen und biss mir kurz darauf auf die Lippe, um meine unanständigen Gedanken zu unterdrücken. Das zweite Bild sah fast genau so aus wie das erste, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Jonas sein Trikot ausgezogen hatte und ich so freie Sicht auf seinen Oberkörper hatte. "Besser?" hatte er unter das Bild geschrieben und ich musste mir ein Lachen verkneifen. Oh ja, und wie viel besser das war.

Doch ich schrieb nur: "Da ist jemand aber ziemlich selbstverliebt, was?"

"Bei dem Aussehen ja wohl kein Wunder" Wo er Recht hatte, hatte er Recht. Ich grinste.

"Das Trikot würde mir besser stehen."

"Kein Zweifel.", kam prompt die Antwort. „Du kriegst eins von meinen"

Ich wusste noch genau, wie ich daraufhin triumphierend gelächelt hatte. Vielleicht aber auch nicht nur, weil ich damit unsere kleine Diskussion gewonnen hatte, sondern auch, weil ich mich über das wenn auch kleine Kompliment gefreut hatte. Und auch, dass Jonas mir eins von seinen Trikots geben wollte, ließ meinen Herzschlag kurz beschleunigen. Ich würde mit ziemlicher Sicherheit durchdrehen, wenn er mir wirklich eins von ihnen schenken würde.





Ich seufzte leise, aber passte auf, dass die anderen es nicht mitbekamen und sich nicht fragten, was nun schon wieder mit mir los war.

Deswegen war es also kein Wunder, dass Jonas mir nicht geschrieben hatte, sondern mir nur mitgeteilt, dass irgendein Influencer ein neues Bild auf Instagram gepostet hatte. Wobei es glaubte ich, eher daran lag, dass Jonas gerade keine Zeit hatte, um am Handy zu sein, sodass er mir logischerweise auch nicht schrieb und nicht daran, dass er vielleicht noch leicht verärgert über mich war. Schließlich schluckte ich aber meinen Stolz herunter und schrieb Jonas wieder an, um ihm viel Glück fürs Spiel zu wünschen, obwohl ich nicht erwartete, dass er es noch vor dem Spiel lesen würde. Desto überraschter war ich, als er direkt zurückschrieb.

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