Zum wahrscheinlich ersten Mal in meinem Leben betrat ich also völlig alleine eine Party. Soweit ich mich erinnern konnte, war ich bis jetzt immer in Begleitung meiner Freunde oder meines Bruders auf Partys gegangen. Aber einmal war schließlich immer das erste Mal.
Lina und Greta hatten mir zwar erzählt, dass sie sich zusammen bei Leo fertig machen würden, während die Jungs unten irgendwelche Videospiele spielten, und mich gefragt, ob ich nicht auch kommen wollte, aber ich war nicht besonders begeistert von der Idee gewesen. Meine mehr oder weniger ziemlich schlechte Ausrede, nämlich, dass ich nicht wusste, ob ich es rechtzeitig schaffen würde, weil ich noch wahnsinnig viel zu tun hatte, hatten die beiden ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert. Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit hatten sie genau kapiert, dass es wohl ziemlich heikel werden würde, wenn Jonas und ich bei einem normalen Treffen unserer eben immer noch gemeinsamen Freundesgruppe aufeinandertreffen würden. Ihrer Reaktion nach zu urteilen war ich mir sogar ziemlich sicher, dass sie eher erleichtert waren, dass ich kein großes Interesse daran zeigte, mit ihnen rumzuhängen und eine merkwürdige Stimmung erzeugen würde. Es würde sowieso niemand wissen, wie er mit der Situation umgehen sollte und im Endeffekt wäre es eh nur eine blöde Gegebenheit für alle Seiten. Da ich meinen Freunden nicht ihre wenige Jonaszeit, die sie hatten, verderben wollte, ging ich also alleine auf diese Party. Ich würde das schon rocken.
Ich stand direkt vor Toms Haus, aus dem schon laute Musik und bunte Lichter drangen, hielt noch einen kurzen Moment inne, bevor ich mir einen Ruck gab und mich wieder in Bewegung setzte. Diesmal direkt auf die Haustür zu, die wie zu erwarten natürlich nicht abgeschlossen war. Augenblicklich kam mir ein Hitzeschwall entgegen, sodass ich wahrscheinlich wie verrückt geschwitzt hätte, wenn ich meine dicke Winterjacke noch einen Moment länger angelassen hätte.
Sobald ich diese also ausgezogen hatte, versuchte ich mich so gut wie möglich durch die Menge an Menschen, die bis jetzt schon anwesend waren, zu manövrieren und es irgendwie in Toms Zimmer zu schaffen, wo ich meine Jacke einfach in irgendeine Ecke schleudern würde. Die Hauptsache war, dass ich mir sicher war, dass ich sie später wiederfinden würde und das bitte weder vollgekotzt noch mit irgendwelchem Gemisch aus Alkohol übergossen. Toms Zimmer schien mir dafür der geeignetste Ort zu sein.
Absichtlich hielt ich mich davon ab, nach rechts und links zu gucken und die Menschen um mich herum wahrzunehmen, sondern so schnell wie möglich nach oben zu kommen. Oh Gott, ich Schisser hatte ja wirklich fast schon Angst davor Jonas zu begegnen. Was machte ich dann eigentlich auf dieser Party? Ich brauchte dringend Alkohol. Das würde sicherlich das erste sein, was ich tun würde, sobald ich meine Jacke losgeworden war.
Ohne überhaupt darüber nachzudenken, anzuklopfen, öffnete ich schwungvoll die Tür zu Toms Zimmer, wo ich wider Erwarten auf zwei bekannte Gesichter traf.
Die beiden unterbrachen ihr Gespräch und sahen mich an, wie ich da so plötzlich ganz unbeholfen in der Tür stand. Meine Hände begonnen zu zittern, ich bekam einen Kloß im Hals und versuchte mit all meiner Selbstbeherrschung nicht anzustarren, wen ich dort sah.
Doch auch wenn ich versuchte, diese Situation so normal wie möglich zu behandeln und demonstrativ in eine ganz andere Richtung zu schauen, Jonas tat das nicht. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich auch aussehen müsste, wie jemand, der gerade einen Geist gesehen hatte, zumindest tat Jonas das. Obwohl ich es zwar wirklich nicht wollte, ich schaute ihm einen Monat zu lange in die Augen. Es war fast so als würden all die Gefühle von vor ein paar Monaten wieder hochkommen und es kam mir so vor, als würde ich erst jetzt richtig realisieren, wie sehr er mir tatsächlich gefehlt hatte.
Doch bevor ich irgendetwas unüberlegtes tat, Tom, der neben Jonas stand, etwas bemerkte oder dieser sowieso schon mehr als merkwürdige Moment noch merkwürdiger wurde und ich Jonas zu lange anstarrte, versuchte ich mich zusammenzureißen und wandte meinen Blick möglichst unauffällig ab, damit ich mich konzentrieren konnte.
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Der letzte Sommer
Teen Fiction"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
