Am Freitag hatten wir endlich die letzte Arbeit für dieses Schuljahr hinter uns gebracht, weil wir am Morgen eine Englischklausur schreiben mussten. Nun konnten wir mit bester Laune ins Wochenende starten, denn heute sollte unser Campingausflug stattfinden.
Zum Glück war der Himmel, im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, strahlend blau und wolkenlos. Die ganze Woche hatte es nur gewittert, sodass meine Mutter das Regenwetter genutzt hatte, um das Gästezimmer für Ben, der nächsten Mittwoch zu uns kommen sollte, herzurichten. Wirklich kinderfreundlich sah es noch immer mit aus, aber wenigstens machte es nun einen bisschen freundlicheren Eindruck. "Wenn Ben da ist, fahren wir irgendwann mit ihm ins Möbelhaus und er darf sich Sachen für sein Zimmer aussuchen. Er soll sich schließlich bei uns zuhause fühlen.", hatte sie gesagt. Meinen Freunden hatte ich immer noch nichts von meinem Bruder erzählt und langsam fing ich an mich dafür zu hassen sie anzulügen.
Als ich von der Schule nach Hause kam, hörte ich aus dem ersten Stock schon laute Musik, die wahrscheinlich aus der Stereoanlange meines Bruders kam. Felix war also zuhause.
"Hallo", rief ich ins Haus hinein. Wie zu erwarten erhielt ich keine Antwort meines Bruders und auch von meiner Mutter hörte ich nichts. Als ich in die Küche kam, bemerkte ich den Grund dafür: Sie schien das gute Wetter zu nutzen und war draußen mit Gartenarbeit beschäftigt.
Nachdem ich sie begrüßt und Mittag gegessen hatte, ging ich in mein Zimmer. Da ich heute lange Schule gehabt hatte, musste ich mich beeilen meine Sachen fürs Campen zu packen. Meine Tasche war schnell fertig. Für die eine Nacht, die ich weg war, brauchte ich nicht viel.
Doch nun ging es darum das Zelt und die Isomatte irgendwo in den Tiefen unseres Kellers zu finden. Als ich nach über einer halben Stunde Suche noch immer nicht fündig geworden war, wollte ich die Hoffnung schon fast aufgeben, denn trotz Sonnenschein draußen, war es ziemlich kalt und finster in unserem Keller. Seit ich denken konnte, hatte ich Angst im Dunkeln gehabt. Natürlich gab es auch diese nächtliche Dunkelheit, die durch das Licht der Sterne und des Mondes eine magische, gemütliche Stimmung erzeugte. Diese Dunkelheit liebte ich, doch wenn es tiefschwarz war und man die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen konnte, fürchtete ich mich. In unserem Keller herrschte diese kalte, graue Finsternis, die ich ebenfalls nicht mochte. Angsteinflösend und unheimlich.
Ich leuchtete mit der mitgebrachten Taschenlampe noch einmal durch den Raum, bevor ich den Keller endlich verlassen wollte, als ich etwas Blaues in der hintersten Ecke entdeckte. Was war es? Etwa das Zelt? Ich musste es finden, denn wir hatten das Mitbringen der Zelte so eingeteilt, dass wir zwei hatten und es somit eins für die Mädchen und eins für die Jungen gab. Wenn ich also keins mitbrachte, mussten wir entweder zu sechst gequetscht in einem Zelt für zwei bis drei Personen liegen, worauf ich verzichten konnte, oder draußen schlafen, was ich ebenfalls nicht ganz so ansprechend fand.
Also zog ich an dem blauen Plastikstoff, der sich später wirklich als Zelt entpuppte, bis er mit großem Gepolter das Regal hinunterfiel und die Sachen, zwischen denen er eingeklemmt war, gleich mitnahm.
Auf dem Boden herrschte nun ein furchtbares Chaos. Doch in der Unordnung entdeckte ich etwas. Einen braunen Schuhkarton, der durch seine Unauffälligkeit auffiel.
Meine Mutter, die den Krach oben wohl gehört haben musste rief hinunter: "Mia, ist irgendwas passiert?"
"Nein Mama, alles in Ordnung. Mir ist nur was runter gefallen.", antwortete ich ihr schreiend.
Ich kniete mich auf den Boden, um den Krempel ein bisschen zu ordnen. Doch ich räumte um den braunen Schuhkarton herum. Meine Neugier war geweckt. Was war da wohl drin? Ich wollte es wissen. Jetzt. Ich rätselte und rätselte, bis ich endlich alle heruntergefallenen Dinge mehr oder weniger in das Regal geschmissen hatte, weil ich so furchtbar gespannt war, was in diesem Karton zu finden war.
Doch gerade als ihn öffnen wollte, hörte ich, wie jemand die Kellertreppe hinunter stieg. Ich wusste nicht warum, aber instinktiv beschloss ich die Pappschachtel zu verstecken und niemandem etwas davon zu erzählen.
Es war meine Mutter. "Ist wirklich alles in Ordnung bei dir hier unten?", fragte sie.
"Jaja, ich bin sowieso fertig. Das Zelt und die Isomatte liegen da.", antwortete ich und zeigte auf die Campingsachen, die noch am Boden lagen.
"Na dann ist ja gut. Komm mit, es ist viel zu kalt hier.", forderte sie mich auf und war schon im Inbegriff nach oben zu gehen.
Ich nahm das Zelt und die Isomatte und griff im letzten Moment zu dem braunen Karton, den ich geschickt unter dem Zeltstoff versteckte.
Als ich die Kellertreppe hoch gegangen war, wurde ich von der Uhr im Flur begrüßt. Mist, ich hatte nur noch zehn Minuten, bis ich losmusste, um pünktlich zu sein. Ich würde es auf keinen Fall mehr schaffen die Box durchzustöbern. Rasch rannte ich nach oben in mein Zimmer, um diese an einem sicheren Ort zu verstecken und meine Tasche zu holen.
In der Garage spannte ich den alten Fahrradanhänger, in dem Mama Felix und mich früher, als wir noch klein waren, immer in der Gegend herumkutschiert hatte, an meinen halbwegs auseinanderfallenden Drahtesel, um mein Gepäck besser verstauen zu können. Das Fahrrad hatte vorher meiner Mutter gehört und da sie nie radfuhr, durfte ich es benutzen, seitdem ich aus meinem Kinderfahrrad herausgewachsen war.
Als ich all meine Sachen in dem Anhänger verstaut hatte, machte ich mich auf den Weg zu Tom, bei dem meine Freunde und ich uns treffen wollten, um dann gemeinsam zu dem kleinen verlassenen See zu fahren, der ungefähr zwölf Kilometer von Toms Zuhause entfernt war.
Bei Tom angekommen warteten alle schon auf mich. Ich war zu spät, obwohl ich es furchtbar fand nicht rechtzeitig zu einem Treffpunkt zu erscheinen. Normalerweise kam ich immer rechtzeitig. Nicht zu früh, weil ich warten hasste und nicht zu spät, weil ich nicht wollte, dass andere auf mich warten musste, weil ich es eben so sehr verabscheute.
"Hey Mia", wurde ich von Tom begrüßt. Er wohnte in dem großen Haus, das seine Eltern vor ein paar Jahren gebaut hatten, den meisten Teil der Zeit alleine mit seinem 22 Jahre alten Bruder Anton, der vor ein paar Jahren sein Abitur gemacht hatte und seitdem, bis auf ein paar Praktika, zu denen sein Vater ihn gezwungen hatte, nur im Haus seiner Eltern chillte und sich keine Gedanken über seine Zukunft machte. Jedes Mal, wenn ich bei Tom war, sah ich Anton mit einer Tüte Chips vor dem riesigen Fernseher im Wohnzimmer sitzen und Videospiele spielen. An den Wochenenden schmiss er meistens Partys, zu denen Tom oft auch seine Freunde einladen durfte, weil Anton anscheinend Angst hatte, dass er ihn sonst verpetzen würde.
Bei diesen Feiern ging meistens nie jemand nüchtern nach Hause, gerade weil sie bekannt für ihre heftigen Trinkspiele waren. Einmal waren Leo, Jonas und ich so mutig oder eher vollkommen durchgeknallt gewesen und hatten bei einem mitgemacht, obwohl Tom uns vorher eindringlich gewarnt hatte. Wie befürchtet hatten wir kläglich versagt und am nächsten Morgen wachte ich mit einem Filmriss in meinem Bett auf und wusste garnichts mehr. Nicht, was ich gesagt, was ich getan, was und wie viel ich getrunken hatte und schon garnicht wie ich wieder nach Hause gekommen war und um ehrlich zu sein, wollte ich es auch garnicht wissen.
Es war Anton natürlich nur möglich diese ganzen Partys zu feiern, weil seine Eltern so gut wie nie zuhause waren. Matthias und Annika Breuninger waren irgendwelche Unternehmer, die mit viel unterwegs sein viel Geld verdienten und dementsprechend wenig Zeit für ihre Söhne hatten. Die perfekte Gelegenheit für diese, oder zumindest für einen von beiden, in ihrem jugendlichen Leichtsinn diese Freiheit voll und ganz auszunutzen.
Nächstes Kapitel :)
Ich freue mich so krass auf diesen Campingausflug, weil nun die "richtige Handlung" langsam aber sicher beginnt.
Seid auf jeden Fall gespannt.
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Der letzte Sommer
Ficção Adolescente"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
