Kapitel 54: batman

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Nach ein paar Stunden, in denen Lina und ich ausgelassen getanzt und vielleicht etwas zu viel getrunken hatten, saßen wir nun mit ein paar Studenten auf der Couch im Wohnzimmer. Lina unterhielt sich angeregt mit einem Studienkollegen von Anton, Toms großem Bruder, während ich daneben saß und ein bisschen verloren meinen Blick schweifen ließ.

Tom hatten wir nicht mehr gesehen, seitdem er in der Menge verschwunden war. Auch Greta und Leo waren nicht mehr in der Küche gewesen, als Lina und ich uns etwas Neues zu trinken besorgt hatten.

Irgendwie kam es mir plötzlich total merkwürdig vor, dass Jonas nicht da war. Obwohl ich selbst nicht wusste, warum, war ich mir auf einmal irgendwie sicher, dass dieser Abend anders gelaufen wäre, wenn Jonas hier gewesen wäre. Fast so, als würde er unsere Gruppe zusammenhalten, ohne dass wir es jemals gemerkt hatten.

„Hey Mia, was sitzt du denn hier so alleine rum?", begrüßte mich eine Stimme, die ich irgendwoher kannte.

Überrascht drehte ich mich in die Richtung, aus der sie kam. „Jan!", rief ich freudig. „Was machst du denn hier?"

Jan hatte früher zu Felix' besten Freunden gehört. Er hatte mit seinen Eltern ein paar Häuser weiter gewohnt. Als diese sich jedoch scheiden ließen, war Jan nicht nur umgezogen, sondern irgendwie auch die Freundschaft zwischen ihm und Felix in die Brüche gegangen.

„Tja, ich bin dieses Jahr mit der Schule fertig geworden und da dachte ich mir: Gehst du doch zum studieren wieder in deine Heimatstadt zurück.", erzählte er freudestrahlend, bevor er fortfuhr: „Aber los Mia, erzähl doch mal. Was ist so passiert, als ich nicht da war? Wie geht's dir, und Felix und deiner Mutter? Ich hätte dich ja fast nicht erkannt, so wie du dich verändert hast.", bemerkte er und fuhr sich fast verlegen durch die Haare.

„Ja, was ist so passiert? Alles eigentlich. Und irgendwie auch nichts. Wir sind halt älter geworden.", begann ich, woraufhin er kurz auflachte. Auch Jan war älter geworden. Natürlich war er älter, das letzte Mal, dass ich ihn gesehen hatte, musste fast zehn Jahre her sein. Seine früher so blonden Haare, waren mittlerweile braun geworden. Von dem kleinen Jungen, den ich damals gekannt hatte und für den ich heimlich geschwärmt hatte, war so gut wie nichts mehr übrig. Wenn mir seine markanten braunen Augen nicht aufgefallen wären, hätte ich ihn womöglich gar nicht erst erkannt.

„Ja, aber sonst. Alles wie immer irgendwie.", führte ich schulterzuckend fort. „Mama arbeitet immer noch wie eine Verrückte und Felix fängt jetzt auch bald an, zu studieren.", erzählte ich.

Jan und ich unterhielten uns noch etwas länger   über alte Zeiten und erzählten uns, was in der Zwischenzeit in unseren Leben alles passiert war. Ich erfuhr, dass Jan im nächsten Semester anfangen würde, Biologie und Chemie auf Lehramt zu studieren. Warum man freiwillig Lehrer wurde, wenn man schon 13 Jahre in der Schule verbracht hatte, war mir zwar auch ein Rätsel, aber wenn er das unbedingt wollte, bitte.

„Mensch Mia, wo ward ihr denn auf einmal?", fragte Greta kichernd, die auf einmal leicht schwankend hinter mir aufgetaucht war.

Bevor ich überhaupt die Möglichkeit gehabt hätte zu antworten, fiel Greta, die sich auf meiner Schulter abstützen musste, um nicht umzufallen, Jan auf.

„Ohh Mia", wandte sie sich nun an mich, während sie ihren Blick über Jans Körper fahren ließ. „Kaum ist Jonas weg, hast du den nächsten heißen Kerl an der Angel. Wer ist das denn überhaupt?"

Ich seufzte kurz auf: „Greta, das ist Jan, ein ehemaliger Nachbar von mir. Jan, das ist meine Freundin Greta. Normalerweise ist sie nicht so.", stellte ich die beiden vor, während ich mich für Greta entschuldigte und ihr gleichzeitig den Arsch rettete.

„Ne, ich bin nicht immer so.", erklärte Greta lachend. „Ich hab heute nur n bisschen viel getrunken."

„Naja, ihr beiden hübschen.", lenkte Jan nun ein. „Ich muss dann auch mal.", sagte er und hob zum Abschied die Hand.

„Oh nein", begann Greta nun bedauernd, als er weg war. „Ich hab ihn jetzt aber nicht vergrault, oder?"

„Ach was", winkte ich ab, doch Greta schien das schon gar nicht mehr zu interessieren, denn nun legte sie einen Arm um mich und verkündete: „Weißt du, was ich finde, Mia? Ich finde, du bist eindeutig noch nicht betrunken genug!"

Sofort musste ich loslachen, doch erneut beachtete Greta mich nicht, sondern zog mich hinter sich her in die Küche und ehe ich mich versah, war mein Becher wieder aufgefüllt, aber beschweren konnte ich mich nicht.

Mit dem neuen Getränk in der Hand machten wir uns auf den Weg zurück ins Wohnzimmer, wo wir Lina mit Schwung von der Couch hoch zogen und sie mit uns zusammen nach draußen schleppten.

Dort setzten wir uns zu Leo und Tom, die schon länger an der Hauswand zu lehnen schienen.

Das Wetter war schön heute. Die Sterne schienen um die Wette zu scheinen. Es war eine laue Spätsommernacht und natürlich war ich glücklich, dass ich jetzt gerade in diesem Moment betrunken inmitten meiner betrunkenen Freunde saß. Doch obwohl ich gerade zwischen Greta und Tom saß und Leo und Lina gleich daneben waren, überkam mich ein mulmiges Gefühl, fast schon eine Traurigkeit. Etwas, oder eher jemand, fehlte.

Doch wir würden wohl nicht im 21.Jahrhundert leben, wenn mir dazu nichts einfallen würde. Reflexartig griff ich in meine Hosentasche und holte mein Handy heraus.

Mia: Jonas

Obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, dass er noch wach war, antwortete er mir schon wenige Sekunden später.

Jonas: ja?

Mia: ich muss dir was erzählen

Jonas: es ist 2Uhr nachts

Mia: du musst das erst nehmen!

Jonas: was denn?

Mia: ich bin Batman

Jonas: du bist betrunken oder?

Mia: Jaa...

Jonas: du bist doch bescheuert

Mia: nur betrunken

Jonas: und bescheuert

Mia: fick dich

Jonas: du dich auch😏😏

Mia: weißt du was echt nicht sein kann

Jonas: dass ihr euch gerade ohne mich die Birne wegschießt? Find ich auch!

Mia: nein

Jonas: trinkt wenigstens einen für mich mit
Jonas: was denn dann?

Mia: dass du gerade mal ne halbe Woche weg bist, ich meine ne fucking halbe Woche, und ich einfach durchgehend schlecht drauf bin deswegen! Das geht so nicht weiter. Ich will, dass das aufhört

Jonas: oh Miachen

Mia: ja ok du wolltest es unbedingt hören und ich es hasse es. Man, das ist so kacke, echt.

Jonas: du solltest echt öfter mal was trinken
Jonas: ich glaub mir gefällt die betrunkene Mia

Mia: wenn du neben mir stehen würdest, würde ich dich so hart verprügeln, Jonilein

Da hat wohl jemand ein bisschen viel getrunken, was?😏😉

Frohen Freitag wünsche ich euch an dieser Stelle!😂🍾

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt