Kapitel 26: fuck(boys)

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"Freunde! Ich hab Essen mitgebracht!", verkündete Leo als er schwungvoll die Tür zu Toms Zimmer aufstieß und zwei McDonalds Tüten in die Luft hielt, die er mitgebracht hatte. Doch niemand schenkte ihm Beachtung, da Jonas und Tom noch immer damit beschäftigt waren sich kaputt zu lachen und ich damit sie dabei verwirrt anzuglotzen.

"Leute, kann mich mal bitte jemand aufklären? Ich versteh echt garnichts mehr.", sagte ich. Langsam kotzte es mich echt an, dass sie mich da gerade auslachten.

"Hallo? Ich hab Essen!", wiederholte Leo und hielt die Tüten wie zur Bestätigung in die Luft. Doch erneut interessierte sich niemand für ihn und seine, nebenbei bemerkt, ziemlich gut riechende McDonalds Ausbeute. Aber bevor wir essen konnten, wollte ich das klären. Die sind doch vollkommen übergeschnappt.

Mit einem Mal stoppte das Gelächter und Tom und Jonas sahen Leo nun an wie einen Gott. "Du hast uns Essen gebracht.", stellte Tom mit einem verliebten Blick auf eine der Tüten fest.

"Jop", antwortete Leo nur, warf Tom und Jonas jeweils eine der Tüten zu und gesellte sich zu den beiden auf die schwarze Designercouch, während er ihnen von seinem Besuch bei McDonalds erzählte: "Jungs ich sags euch, Leonardo, der Gott, schreibt gerade ein neues Evangelium. Die Bedienung bei Mecces war ja mal sowas von scharf, ne richtige Sahneschnitte, sag ich euch. Dann fragt sie mich ja was ich haben will, aber ich hab der nicht zugehört, wie denn auch, bei der Oberweite, Doppel D mindestens, Jungs. Ein richtig heißes Gerät."

"Hallo! Das hatten wir doch gerade. Ich bin auch noch da! Könnt ihr das nicht später besprechen? Ich will das echt nicht hören.", unterbrach ich Leo.

"Ach, deshalb habt ihr so gelacht. Ist Miachen etwa eifersüchtig?", lachte Leo nur als Antwort.

"Miachen", ich betonte dieses Wort besonders, "ist überhaupt nicht eifersüchtig. Sie hat nur keine Lust sich sonen Mist anzuhören.", antwortete ich. "Vielleicht tut es euch gut, wenn ihr in der Schule mal aufpasst und damit meine ich nicht nur in Bio, dann wüsstet ihr nämlich, dass Gott die Evangelien nicht selber geschrieben hat, ihr Trottel."

"Ist ja schon gut, Mia. Stell uns doch nicht immer dar wie schwanzgesteuerte Idioten!", kam es nun von Jonas.

"Dann hört doch mal auf euch wie solche zu verhalten!", wetterte ich zurück. "Ist ja schlimm mit euch."

"Wir sind Kerle. Wir haben auch nur unsere Bedürfnisse.", warf Leo ein. Der Typ war der größte Macho, der mir je untergekommen war. Manchmal fand ich ihn dafür echt ekelhaft, auch wenn ich wusste, dass nicht alles was er sagte, zu hundert Prozent ernst gemeint war.

"Da, genau das meine ich. Aber lasst uns nicht weiter streiten. Denn ich hab auch meine Bedürfnisse und wenn ihr mich nicht gleich was vom Essen abgebt, sterbe ich vor Hunger.", sagte ich nun, da ich keine Lust auf großen Streit hatte. Ich war ihnen ja nicht böse. Sie konnten ja reden über was sie wollten, aber bitte nicht, wenn ich dabei bin. Danke.

"Miiiaaa, was sind das denn für Bedürfnisse?", fragte Jonas belustigt und zog eine Augenbraue hoch.

"Ich meine das Bedürfnis nach Essen, ihr perversen Schweine, also gebt mir jetzt mal was von euren beschissenen Pommes ab.", forderte ich die drei auf. "Warum hast du mir eigentlich nichts mitgebracht, Leo? Manchmal seid ihr echt scheiße."

"Weißt du, Mialein, eigentlich bist du schon fett genug.", klärte Leo mich auf und wenn ich auch Essen gehabt hätte, hätte ich es locker auf ihn geworfen, aber da ich ja leider keins abbekommen hatte, erübrigte sich der letzte Teil dann auch. Schade.

Ich wollte gerade mein nächstes Argument zurückwettern, als Jonas aus der Ecke schmunzelte: "Wir haben dich auch lieb, Mia."

"Ach, haltet die Klappe, ich will jetzt was essen.", gab ich bekannt und drängte mich unter Protest der Jungs auf das Sofa, zwischen Jonas und Tom. Als ich einigermaßen passabel saß, nahm ich Jonas kurzerhand seinen Burger aus der Hand und biss genüsslich hinein.

"Hey Fettsack! Das ist mein Essen!", rief Jonas aufgebracht.

"Nicht mehr.", antwortete ich grinsend mit vollem Mund.

"Mia, manchmal hasse ich dich.", gab Jonas zu.

"Ich dich auch, keine Sorge.", antwortete ich, obwohl ich immer noch Essen im Mund hatte. Schon ziemlich unhöflich von mir.

Als die Jungs später auf dem riesigen Fernseher, der eher an eine Kinoleinwand erinnerte als einen Fernseher, irgendein Ballerspiel zockten, weil ihnen nichts besseres eingefallen war, vergammelte ich langsam aber sicher auf dem kalten und ungemütlichen Ledersofa. Gelangweilt tippte ich auf meinem Handy herum, während meine halbe Aufmerksamkeit auf die Jungs vor mir auf dem Boden gerichtet war, die sich im Spiel gerade gegenseitig die Köpfe einschlugen und hochkonzentriert auf den Bildschirm starrten.

Eigentlich hatte ich vorgehabt mich wieder ganz meinem Handy zu widmen, doch irgendwie gelang es mir nicht, den Blick von Jonas zu wenden. Was machte ich eigentlich hier? Der sah nichtmal gut aus. Nun gut er hatte vielleicht ganz schöne Haare und war schon besser gebaut, als die anderen beiden, da er eindeutig mehr Sport machte und härter trainierte. Und obwohl ich seine Augen gerade nicht sehen konnte, brauchte ich von denen garnicht erst anfangen. Okay, vielleicht sah er doch ganz gut aus. Sogar ziemlich. Okay Mia, wir wollen jetzt mal nicht übertreiben.

Von mir selbst verwundert, schüttelte ich heftig den Kopf und zwang mich ab jetzt nur noch auf mein Handy zu gucken, was ganz gut passte, da ich gerade eine Nachricht von Greta bekommen hatte.

"Mia..."

"Was ist passiert?"

"Wir haben ein Problem. Und zwar ein ganz gewaltiges."

"Jetzt mach es doch nicht so spannend. Was ist los?"

"Ich hab Alex gesehen..."

"Linas Alex?"

"Genau den."

"Und?"

"Er war nicht alleine..."

"Hatte er ein paar Freunde dabei, oder wie?"

"So ungefähr..."

"Also doch keine Freunde?"

"Mensch Mia, ich hab ihn mit einem Mädchen gesehen"

"Na und? War doch bestimmt eh nur seine Schwester, oder so."

"Küsst man seine Schwester? Und zwar so leidenschaftlich, dass die Passanten einen drei Kilometer langen Umweg um einen herumlaufen, weil sie Angst haben gleich live einen Reallife Porno mitzuerleben?"

"Fuck"

"Das kannst du laut sagen"


Und ehe ich auch nur einen Moment nachdenken könnte, hatte ich es schon so laut ausgesprochen, dass die Jungs sich mitten im Spiel verwirrt zu mir umdrehten.

"Das ist aber kein Wortschatz für ein kleines Mädchen wie dich, Miachen.", lachte Jonas mir entgegen.

"Halt die Klappe, mein Freund. Wir haben ein Problem."

"Hat sie dich gerade ihren Freund genannt?", fragte Tom während er scherzhaft mit den Augenbrauen wackelte.

"Ewwwl", kam es von mir, während Jonas und ich gleichermaßen das Gesicht verzogen und Tom angewidert ansahen.

"Was soll das denn überhaupt für ein Problem sein? Ist dir ein Fingernagel abgebrochen? Soll Onkel Leo mal pusten?", schlug Leo nun vor und obwohl ich ihm dankbar für den Themawechsel war, hätte er sich diesen Spruch nun wirklich sparen können.

Ich ging nicht auf seinen geschmacklosen Kommentar ein, sondern schenkte ihm nur einen altbekannten "Ernsthaft?"-Blick und begann den Jungs von Gretas Vermutung zu berichten.

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt