"Was hast du denn da alles drin?", fragte Leo erstaunt und zeigte auf Gretas riesige Tasche. Es war der Tag des Color Runs und wir hatten uns am Bahnhof getroffen, damit wir den Zug in die nächste große Stadt nehmen konnten, wo der Lauf stattfinden sollte.
"Hey, ich hab nur das nötigste eingepackt.", erklärte Greta, die sich scheinbar angegriffen fühlte. Leo hob nur beschwichtigend die Hände, um sie von seiner Unschuld zu überzeugen.
"Miachen, kannst du dir erklären, warum unser liebes Gretalein heute so gereizt ist?", wandte er sich nun an mich.
"Vielleicht ist sie einfach von deiner Anwesenheit genervt.", murrte Lina, die alles andere als eine Frühaufsteherin war. Vor neun Uhr morgens war sie generell nicht zu gebrauchen. Wenn man aber sichergehen wollte, dass sie einen nicht umbrachte, sprach man am besten erst nach dem Mittagessen mit ihr.
"Oder, was ich eher glaube...", begann Leo breit grinsend seine Vermutung. "Die gute Greta war gestern mit ihrer Schwester ein Brautkleid aussuchen und hat jetzt einen Kater von dem ganzen teuren Sekt, den sie dabei getrunken haben. Hab ich nicht recht, mein Gretalein?"
Anscheinend hatte er direkt ins Schwarze getroffen, denn Greta gab einen trotzigen Laut von sich.
"Sie hat jetzt erst ihr Kleid ausgesucht? Aber die Hochzeit ist doch schon nächste Woche. Das ist doch viel zu spät.", mischte sich nun Lina verwundert.
"Sie hat ja vorher niemandem davon erzählt und sie wollte ihre Trauzeuginnen ja unbedingt dabei haben.", erklärte Greta.
"Wer auch immer von Sekt einen Kater bekommt.", lachte Leo nun, der wohl nochmal über die ganze Sache nachgedacht hatte. "Halt einfach deine scheiß Fresse.", beschwerte sich Greta mürrisch.
"Wer wird denn gleich so angepisst?", amüsierte er sich. "Das passt doch garnichts zu dir."
Sie drehte nur kurz ihren Kopf zu ihm und schenkte ihm einen genervten Blick. "Wohoo.", wandte Leo sich nun an Jonas und Tom. "Habt ihr den Blick gesehen? Das ist ja mal eine Stimmung hier, Freunde. Eiszeit ist nichts dagegen."
Nachdem jedoch niemand auf Leos Äußerung eingegangen war, hielt er zum Glück die Klappe. Bald kam auch schon der Zug, indem schon viele andere bunt gekleidete Menschen saßen, die ungefähr in unserem Alter sein mussten und scheinbar auch auf dem Weg zum Color Run waren.
Zuerst unterhielten wir uns einige Zeit lang über diverse Dinge, aber als uns schließlich die Themen ausgingen, nahm ich mein Handy raus und beschloss ein bisschen Musik zu hören.
Später, als ich total in meine Musik versunken war, rammte Lina, die neben mir saß, mir ihren Ellenbogen in die Seite. Fragend sah ich sie an: "Was ist denn?"
Aufgeregt zeigte sie auf Greta und Leo, die eine Reihe vor uns saßen. "Ist das nicht süß?", quietschte sie.
Lächelnd betrachtete ich die beiden. Greta war eingeschlafen und hatte ihren Kopf an Leos Schulter gelehnt, was Leo nichts auszumachen schien, denn dieser war genauso in seine Musik vertieft, wie ich es bis eben noch gewesen war.
"Awwww", antwortete ich und sah Lina entzückt an.
"Jonas", rief ich leise. Er und Tom saßen eine Reihe vor Leo und Greta.
"Mia", antwortete er ebenso leise.
"Mach mal ein Foto von den beiden!", wies ich ihn an und deutete auf die zwei Plätze vor mir.
Verstehend nickte er verschwörerisch, nahm sein Handy, hielt es hoch und drückte auf den Auslöser.
Grinsend zeigte ich ihm einen Daumen nach oben, bevor er sich wieder umdrehte.
Es kam mir vor, als wären nur ein paar Sekunden vergangen, als wir schließlich mitten in der Menge standen und auf das Startsignal warteten. Nachdem der Zug gehalten hatte, hatten wir uns von der Menge der Leute zu der Veranstaltung treiben lassen. Ihre riesige Tasche hatte Greta in einem der Schließfächer verstaut.
Gerade standen wir mittendrin und warteten auf den Startschuss, der in circa fünf Minuten gegeben werden sollte.
"Und Mia, bist du bereit von mir fertig gemacht zu werden?", fragte Jonas, der neben mir stand und mich überheblich ansah.
"Oh, wir werden schon noch sehen, wer hier wen fertig macht, mein Lieber.", entgegnete ich selbstsicher und freute mich darauf ihm zu beweisen, dass ich mindestens genauso schnell laufen konnte, wie er. Ich hatte in den letzten Wochen ziemlich hart dafür trainiert, da ich mir die Blöße zu verlieren, einfach nicht geben wollte.
Der Veranstalter informierte über diverse Sicherheitsmaßnahmen, die zu beachten waren und erklärte das System, dass man bei jedem Kilometer mit Farbbomben abgeworfen wurde, noch ein letztes Mal, bevor es endlich losgehen konnte und der Bürgermeister die Startpistole gen Himmel hielt, um mit einem lauten Knall den Beginn der Zeitzählung zu verkünden.
Nun ging alles sehr schnell. Zu Anfang ließen viele Läufer sich noch vom Tempo der anderen mitziehen und versuchten die jubelnden Menschen am Straßenrand als Motivation zu sehen so schnell wie möglich zu sein. Dass sie mit dieser Taktik spätestens nach einem Kilometer vollkommen fertig sein würden schienen sie entweder zu ignorieren oder schlichtweg nicht zu wissen.
Doch die anderen Menschen interessierten mich heute überhaupt nicht. Für mich zählte nur mein Ziel und das war klar. Ich musste mindestens genauso schnell sein wie Jonas und ich würde alles geben, um das hinzubekommen.
Die ersten vier Kilometer vergingen ohne großartige Geschehnisse. Lina und Greta hatten wir schon gleich am Anfang hinter uns gelassen und waren dann eine ganze Zeit lang mit Tom und Leo gelaufen, die sich schließlich jedoch auch nach und nach verabschiedet hatten. Als mir klar wurde, dass ich schneller war als die Jungs, wurde ich schon mit einer enormen Welle an Stolz übermannt. Nun hieß es nur noch Jonas' Tempo zu halten und ich würde alles tun, um das zu schaffen.
Pünktlich bei jeder Kilometermarkierung waren wir mit bunten Farben beworfen worden, sodass wir nun aussahen wie ein explodierter Kindergeburtstag. Ich persönlich fand die Idee mit den Farben sehr lustig und blickte freudestrahlend an mir herunter. Ich musste automatisch lächeln, als ich die verschiedenen Neontöne auf meinem weißen T-Shirt erblickte.
"Was dagegen, wenn ich die letzten fünf hundert Meter mit dir laufe?", fragte ich Jonas während des Laufens, um ihm klar zu machen, dass ich diese Wette gewinnen würde, ob er wollte oder nicht. Mittlerweile war ich schon einigermaßen erschöpft, aber ich spürte, dass ich noch nicht am Ende meiner Kräfte angelangt war.
"Wenn du mit mir mithalten kannst.", antwortete er kämpferisch und legte einen Gang zu. Augenblicklich erhöhte ich mein Tempo ebenfalls. Ich war schon so kurz vorm Ziel. Jetzt wusste ich, dass ich es schaffen konnte.
Mittlerweile hatten wir die letzten hundert Meter erreicht und ich setzte zum Sprint an, um einen kleinen Vorsprung zu haben, weil Jonas mich dort sonst auf jeden Fall abhängen würde.
Doch er machte keine Anstalten, mir auch nur einen Zentimeter zu schenken. Ich hatte jedoch auch nicht vor, ihm einfach so den Sieg zu überlassen, weshalb ich schneller rannte, als ich in Erinnerung hatte es jemals getan zu haben.
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Der letzte Sommer
Fiksi Remaja"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
