Kapitel 55: erster Schultag und morning calls

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Montagmorgen. Das Grauen hatte einen Namen. Schlecht gelaunt und viel zu müde saß ich in der Küche und versuchte mich davon abzuhalten auf der Stelle wieder einzuschlafen und meinen Kopf womöglich noch in der Müslischale zu versenken.

Ben rannte seit gefühlten Stunden aufgeregt im Haus umher und freute sich wie ein Bekloppter auf seinen ersten Schultag in der zweiten Klasse. Achja, in der zweiten Klasse wäre ich auch gerne nochmal. Damals, als es in der Schule noch darum ging Zahlen zu schreiben und nicht textgebundene Analysen. Okay, nein. Dann müsste ich mir den ganzen Mist ja nochmal antun.

Missmutig erhob ich mich schließlich vom Küchentisch und nahm meinen Rucksack, da ich, solange ich noch kein neues Fahrrad hatte, wohl oder übel zur Schule laufen musste und so noch früher losmusste als ohnehin schon.

Ich wünschte Ben, der gerade die kleine Schultüte, die meine Mutter ihm gemacht hatte, auspackte, einen ganz tollen ersten Schultag und machte mich schließlich auf den Weg.

Sobald ich die Tür geschlossen hatte, zückte ich mein Handy und tippte darauf herum, bis Jonas endlich ran ging.

„Naaa, Miachen. Freust du dich denn schon auf deinen letzten ersten Schultag?", fragte er neckend und es kam mir fast so vor, als könnte ich sein amüsiertes Grinsen durch das Handy hören.

„Natürlich. Ganz furchtbar doll.", erklärte ich mit triefender Ironie in der Stimme.

„Ich hoffe mal du hast wenigstens deinen Kater ausgeschlafen.", lachte Jonas.

„Komm schon, das ist Tage her.", beteuerte ich etwas peinlich berührt. Als ich mir am nächsten Morgen durchgelesen hatte, was für einen Mist ich da geschrieben hatte, hätte ich mich am liebsten von der nächsten Klippe gestürzt. Wie traurig konnte das Leben denn noch werden?

„Wie war das Training heute Morgen?", erkundigte ich mich nun, um Jonas endlich dazuzubringen mit dem Lachen aufzuhören. Dieser furchtbare, furchtbare Idiot.

„Gut. Wie immer eigentlich.", versicherte er und begann mir bis ins kleinste Detail zu erzählen, was sie heute alles trainiert hatten. Und das war erst das Training vor der Schule. Nach der Schule ging es nochmal genau so weiter und einige an Jonas' Schule trainierten sogar zusätzlich noch bei der Mannschaft, zu der das Nachwuchszentrum gehörte. Ich konnte echt nicht sagen, ob ich das alles so durchhalten würde. Wahrscheinlich würde ich regelmäßig genug Nervenzusammenbrüche erleiden, um eine ganze Psychatrie damit zu versorgen.

„...und jetzt sitzen wir gerade beim Frühstück.", beendete Jonas seine Erzählung.

„Warte", stockte ich kurz. „Du telefonierst beim Frühstück? Jonas, weißt du wie unfreundlich das ist?", regte ich mich fast schon auf.

„Hier sind eh alle am Handy und jeder isst, wann er will.", erklärte er in gelassenem Tonfall.

Ich hatte eigentlich etwas erwidern wollen, doch plötzlich hörte ich Stimmengewirr und ein merkwürdiges Nuscheln am anderen Ende der Leitung.

„Ey Jonas. Ich hab gesagt, du sollst mal auf laut machen, wenn Mia dran ist. Hast du jetzt auf Lautsprecher?", ertönte plötzlich eine mir unbekannte Stimme.

„Ja, hat er.", lachte ich in den Hörer und hoffte, dass es auch bei dem Typen auf der anderen Seite ankam.

„Du bist Mia, oder?", fragte er nun. „Ja, wieso?", erklärte ich leicht verwundert, aber der Kerl am anderen Ende der Leitung hatte gar keine Möglichkeit meine Verwirrung überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn zu kommentieren, denn es meldete sich direkt der nächste.

„Telefoniert er da mit Mia?", rief dieser durch den Raum und somit auch in den Hörer.

„Ja, komm her hier. Wir haben sie live am Telefon!", antwortete einer, dessen Stimme ich noch gar nicht kannte.

„Wie viele seid ihr denn da überhaupt?", wollte ich nun wissen.

„Mit Jonas fünf.", meinte der Typ von eben.

„Du bist doch die mit der er abends immer noch so lange schreibt, oder?", erkundigte sich nun ein ganz anderer.

„Ja, das bin ich dann wohl.", gab ich leicht verlegen zu und lachte dabei etwas unbeholfen. „Aber was weiß ich denn mit wem Jonas sonst noch so schreibt.", erklärte ich mit einem Augenzwinkern, das außer der alten Dame, die gerade über die Straße lief, niemand sehen konnte. Irgendwoher kam mir die Frau bekannt vor.

„Wenn du nicht so gut aussehen würdest, hätte ich ihm schon längst sein Handy weggenommen, Mia. Das Licht nervt echt, wenn ich schlafen will.", erklärte er nun wie selbstverständlich.

„Ähm Danke?", entgegnete ich eher verwirrt als geschmeichelt. Was ich darauf jetzt antworten sollte, wusste ich auch nicht. „Warte, du bist Matze oder?", fragte ich nun. „Du wohnst mit Jonas zusammen.", stellte ich fest.

„Oh, ich wusste, dass er dir von mir erzählt hat. Und ich wusste, dass du mich in Erinnerung behältst. Natürlich tust du das, Baby.", kam es aus dem Hörer und spätestens, als er mich doch tatsächlich „Baby" nannte, lag ich vor Lachen auf dem Gehweg. Aber zum Glück nur im metaphorischen Sinne.

Doch den restlichen Jungs schien es nicht anders zu gehen als mir, denn auch aus meinem Handy dröhnte schallendes Gelächter.

„Keine Sorge, der ist immer so.", brachte einer von ihnen unter Lachen hervor.

„Du weißt doch nichtmal, wie ich aussehe.", sagte ich immer noch lachend.

„Oh, das glaubst auch nur du, Baby.", erklärte er mysteriös, wobei er das „Baby" jetzt besonders betonte und ich seinen versucht verführerischen Blick förmlich durchs Telefon sehen konnte.

„Klar weiß er wie du aussiehst, wissen wir doch alle.", kam es nun wieder von einem anderen.

„Woher das denn?", kam es nun ungläubig von mir.

„Das Bild in seinem Zimmer. Du bist doch doch die auf Jonas' Schultern.", meinte nun ein anderer.

„Das hat er wirklich aufgestellt?", stellte ich etwas überrascht fest. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Jonas uns in spätestens ein paar Monaten vergessen hatte und wir ihm komplett egal sein würden. Aber das konnte ja noch kommen. Er war grad ein paar Tage weg.

„Natürlich hab ich das in meinem Zimmer stehen. Also ein bisschen mehr kannst du schon von mir erwarten, Miachen.", meldete sich nun auch Jonas mal wieder zu Wort, der in den letzten paar Minuten doch recht ruhig gewesen war.

„Also Mia, was denkst du denn von deinem Jonas? Der braucht doch was zum angeben.", kam es entrüstet von Matze, so weit ich das unter dem aufgebrachten Stimmengewirr zuordnen konnte.

„Eigentlich ist das gar nicht mein Jonas.", gab ich nun zu bedenken.

„Das glaubst auch nur du.", antworte Matze, der scheinbar mehr wusste als ich.

„Doch, eigentlich schon.", hörte ich Jonas' Stimme durch den Hörer und musste augenblicklich beginnen zu schmunzeln.

„Kann einer von euch ihn schlagen?", fragte ich belustigt und bekam mit, wie auf einmal ein gewaltiges Tumult auf der anderen Seite der Leitung losbrach.

„Fick dich, Mia. Fick dich.", rief Jonas in den Hörer, bevor er ohne ein weiteres Wort auflegte und ich mich nicht mehr halten konnte, vor Lachen.

„Was ist mit dir falsch gelaufen, du Nashorn?", grüßte Leo mich, der auf seinem Fahrrad an mir vorbeifuhr. Na toll, wenn ich doch bloß eins hatte.

„Na", begrüßte mich Greta, die direkt hinter Leo gefahren war und im Gegensatz zu ihm nicht so asozial war und einfach weiterfuhr, sondern abgestiegen war, sobald sie mich gesehen hatte und anschließend mit mir zusammen zur Schule lief.

Vollkommen übermüdet trafen wir Lina, Tom und auch Leo im Klassenzimmer. „Ein Jahr noch, Leute.", kam es von einer komplett fertigen Lina. Als Antwort erhielt sie von uns nur ein vereintes zustimmendes Grummeln, bevor wir uns mit ihren Satz von eben im Ohr durch unseren letzten ersten Schultag schleppten.

Hey Freunde💕

Wie geht es euch so? Ich hoffe ihr habt eine schöne Woche😅😘

Bei mir ist momentan meine Austauschschülerin aus Frankreich zu Gast, die drei Wochen bleibt😉💗

Habt ihr auch schonmal bei einem Austausch mitgemacht und wenn ja, wie fandet ihr das so? 🤔

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt