Kapitel 79: run

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Das hätte Jonas mir erzählt.", erklärte er überzeugt. „Außerdem kann ich mir absolut nicht vorstellen, wie und in was für einer Art und Weise du Recht gehabt haben solltest. Mia, hör mal. Jonas hat mir erzählt, was du ihm an den Kopf geworfen hast, obwohl er ewig damit rumgedruckst hat und ich ihn ständig damit nerven musste. Aber das hat ja wohl ein Blinder mit Krückstock gesehen, dass da was zwischen euch beiden nicht mehr in Ordnung ist."

Irgendwie versetzte es mir einen kleinen Stich, dass Jonas Tom alles von unserem Streit erzählt hatte, obwohl ich mir dessen ja irgendwie schon bewusst war und ich im Grunde genommen das gleiche getan hatte. Schließlich wussten Lina und Greta auch Bescheid. Na toll, jetzt hatte ich doch den gesamten Freundeskreis mit reingezogen, obwohl genau das das komplette Gegenteil von dem gewesen war, was ich gewollt hatte. Irgendwie hatte ich einfach gehofft, die ganze Sache würde zwischen Jonas und mir bleiben.

"Du kannst mir glauben, dass Jonas die letzten Tage bevor er gefahren ist echt wirklich fertig war und ich glaub auch nicht, dass das besser geworden ist, als er dann wieder zurück im Internat war.", erklärte Tom und zu Beginn des Satzes hatte sich fast ein minimaler Anfall von sowas wie schlechtem Gewissen eingeschlichen, aber der zweite Teil von Toms Aussage erinnerte mich dann wieder daran, dass ich meine Emotionen mal wieder in den Griff kriegen sollte, denn ich wusste es schließlich besser.

Unwillkürlich musste ich anfangen zu grinsen. Einfach, weil das, was Tom da erzählte absoluter Schwachsinn war. Ich wusste schließlich ganz genau, dass es Jonas alles andere als schlecht gegangen war.

"Ich weiß jetzt nicht, was daran so lustig sein soll, Mia.", erklärte Tom und klang plötzlich ziemlich angepisst, obwohl er es so gut es ging versuchte zu verbergen. Er versuchte sich wirklich zusammenzureißen, das hatte ich ihm schon vorher angemerkt. Ich glaubte, ich wollte lieber gar nicht erst wissen, was er mir alles an den Kopf geworfen hätte, wenn er sich einfach all seinen Frust frei von der Leber weg geredet hätte. Aber wahrscheinlich war ihm ebenso bewusst, dass er damit nichts bei mir erreichen würde. Das ganze würde mich zu sehr hoher Wahrscheinlichkeit nur noch mehr aufregen und ich würde irgendwann einfach gar nicht vernünftig antworten, entweder wild mit irgendwelchen Argumenten um mich werfen oder mich irgendwann einfach umdrehen und weggehen, weil ich mir das nicht mehr antun wollen würde.

Also merkte ich wie Tom seine aufkommende Aggression mir gegenüber so gut wie möglich versteckte. Doch ich kannte ihn auch schon viel zu lange, um das nicht zu bemerken.

"Wir wissen beide, dass das nicht wahr ist.", sagte ich wie selbstverständlich und grinste immer noch. Die ganze Sache wurde doch auch nur lächerlich hier. Tom kräuselte die Stirn und ich hatte das Gefühl, ich sollte seinem Gedächtnis mal ein bisschen auf die Sprünge helfen. "Naja, Tom. Also ich seh das so. Bevor du hier jetzt noch mehr nicht verstehst. Stell dir vor, du hast nen guten Freund von dir beschuldigt mit Drogen zu dealen oder irgendsoeinen Scheiß. Er streitet natürlich alles ab und du fühlst dich mega mega schlecht, weil du ihn zu unrecht beschuldgt hast und du weisst und weil du auch gesehen hast, wie sehr es ihn verletzt, dass du von ihm denkst, dass er so etwas machen würde. Du nimmst also nach Tagen all deinen Mut zusammen und fährst zu deinem Freund nach Hause, um dich bei ihm, für das, was du gesagt hast, zu entschuldigen. Aber dann kommst du ins Haus mit einem mega schlechten Gewissen, aber du triffst deinen Freund und er ist total bekifft und verkauft gerade irgendeinen Kram an was weiß ich wen. Wie fühlt sich das an?"

Tom schwieg für einen Moment, senkte kurz den Blick, um seinen Kopf danach wieder zu heben und mir direkt in die Augen zu sehen, um mir klar zu machen, wie ernst und ehrlich er das gerade meinte. "Scheiße."

Ich nickte wie selbstverständlich und wollte gerade ein: "Na, siehst du.", hinterherlegen, doch Tom hielt mich davon ab. "Ich weiß nur beim besten Willen nicht, was das mit Jonas zu tun haben soll.", erklärte er mir ratlos und krauste angestrengt die Stirn.

Der Junge schien ja entweder wirklich total auf dem Schlauch zu stehen, oder schlichtweg einfach nicht zu wissen, worauf ich hinaus wollte.

„Naja, ich glaube, dass, wenn Jonas das wirklich so sehr beschäftigt hätte, er nicht eine Woche nach unserem „Streit" schon irgendeine Freundin gehabt hätte.", erklärte ich wie selbstverständlich mit vor der Brust verschränkten Armen und wartete darauf, was Tom nun dazu zu sagen hatte.

„Bitte was?", prustete Tom schon fast fassungslos. „Jonas und ne Freundin? Das glaubst du doch selbst nicht, Mia."

Kurz brachte mich Toms Aussage aus der Fassung, weil sie mich ziemlich verwirrte. Was meinte er damit? Und warum wusste er nichts von Jonas vermeintlicher Flamme? Aber egal, was es war. Ich musste mir hier ganz sicher nicht bieten lassen, dass ich als dumm hingestellt wurde. Und als ich das realisierte, kehrte meine Selbstsicherheit zurück. Schließlich hatte ich selbst mit ihr gesprochen, beziehungsweise sie hatte mit mir gesprochen und ich hatte aufgelegt, aber so genau musste Tom das ja jetzt nicht wissen.

Ich brüstete mich innerlich auf und wahrscheinlich strotzte ich mittlerweile vor Selbstbewusstsein, zumindest sah Tom schon fast so aus, als fühlte er sich eingeschüchtert von mir. Und das, obwohl er mich eben noch als doof bezeichnet hatte. Wo waren wir denn hier? Im Kindergarten?

„Nur fürs Protokoll, ich hab am Mittwoch, nachdem Jonas wieder ins Internat ist bei ihm angerufen und wollte mich entschuldigen. Weil ich eben gedacht hatte, dass ich Mist gebaut hätte. Hätte ich mal bloß gewusst, dass ich doch Recht gehabt hatte. Zumindest habe ich dann angerufen und wollte das klären, aber statt Jonas ist irgendsone Tusse an sein Handy gegangen und dann hab ich aufgelegt, denn das muss ich mir echt nicht geben. Ich ruf da an, weil ich mich dafür entschuldigen will, dass ich Jonas unterstellt hab, dass wir ihm egal sind oder nein, warte, dass wir ihm irgendwann egal werden und dann geht da so ne halbe Woche, nachdem wir uns gestritten haben und in der es mir echt richtig scheiße ging, einfach sonst wer an sein Handy. Ich entschuldige mich hier für nichts mehr, Tom.", erklärte ich aufgebracht und obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, einen halbwegs vernünftigen Ton beizubehalten und möglichst unbeteiligt zu klingen, gelang mir das wirklich alles andere als auch nur annähernd in Ordnung. Es strotzte nur so aus mir heraus und ich spürte wie mir ein dicker Kloß im Hals wuchs und Tränen in die Augen stiegen, die ich nicht mehr lange zurück halten konnte, also drehte ich mich einfach um und rannte weg.

Ich wusste zwar, dass weglaufen nicht die richtige Lösung war, aber ich wollte mir einfach nicht die Blöße geben, jetzt deswegen auch noch vor Tom zu weinen.


Long time, no see, hahha.

Es kommt mir irgendwie vor wie Ewigkeiten, dass ich das letzte Mal unter nem Kapitel geschrieben haben. Aber there we go:))

Ich muss ehrlich sagen, seitdem ich seit August hier in den USA bin ist das mit den Kapiteln ein bisschen komplizierter geworden, weil ich hier wirklich immer sehr viel zu tun habe. Deswegen muss ich nochmal gucken, wie ich es dann ab dem neuen Jahr mit dem hochladen schaffe.

Ansonsten ist das hier außerdem auch mein Geburtstagskapitel für dieses Jahr. Zwar zwei Tage zu spät, aber was soll's 😂

Mittlerweile ist es sogar schon das dritte und ich kann einfach gar nicht glauben, dass ich diese Geschichte angefangen habe, als ich vierzehn war und mittlerweile einfach schon 17🤷🏼‍♀️ Wo ist die Zeit geblieben? 😂

Aber naja, falls wir uns vor Weihnachten nicht mehr voneinander hören (oder lesen :)) wünsche ich euch allen schonmal ein ganz tolles Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr (obwohl bestimmt vorher nochmal ein Kapitel kommt)

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt