Kapitel 51: alleine

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Tom und Lina winkten dem Auto, als es davon fuhr. Greta heulte, Leo versuchte sie zu trösten und ich stand, um ehrlich zu sein, ein bisschen verloren daneben.

Marie, die das ganze Spektakel vom Türrahmen aus beobachtet hatte, seufzte kurz, bevor sie wieder ins Haus ging und die Tür schloss, ohne noch ein weiteres Wort mit uns zu wechseln.

Und nun standen wir da so ein bisschen verlassen in Jonas' Auffahrt rum, während er auf dem Weg in ein neues Leben war.

„Oh sorry Leo, das wollte ich nicht.", entschuldigte sich Greta schluchzend bei ihm, als sie den nassen Fleck auf Leos Shirt bemerkte. Peinlich berührt wischte sie sich über die Augen und sah Leo reumütig an, der jedoch nur amüsiert das Gesicht verzog und ihr beruhigend über den Kopf strich.

Wir übriggebliebenen verabschiedeten uns voneinander und gingen allesamt nach Hause. Doch irgendwie war es ein komisches Gefühl zu wissen, dass ab jetzt immer jemand fehlen würde. Wenn wir in die Schule gingen, wenn wir uns trafen. Bei allem eigentlich.

Ich fühlte mich ein bisschen leer, als ich nach Hause lief. Ein Fahrrad hatte ich immer noch nicht, weshalb ich nun durch die ganze Stadt zurück laufen durfte. Zu allem Überfluss fing es nun auch noch an zu regnen. Dabei schien es vor einer Stunde noch ein schöner Sommertag zu werden.

Als ich schließlich zuhause ankam, war ich komplett durchnässt und meine Laune dementsprechend noch schlechter als ohnehin schon.

Mit einem lauten Poltern ließ ich genervt die Tür ins Schloss fallen. Meine Schuhe schmiss ich unachtsam in die Ecke und wollte gerade nach oben in mein Zimmer poltern, um mich für den Rest des Tages mit Schokolade, Netflix und missmutiger Stimmung in meinem Bett zu verkrichen.

Doch die Rechnung hatte ich ohne meinen Bruder gemacht, der mit neckendem Gesichtsausdruck und vor der Brust verschränkten Armen in der Küchentür stand und mich wissend anblickte. „Wer hat denn da so schlechte Laune?", fragte er mit einem ironischem Unterton.

Bevor ich überhaupt dazu kam, ihm einen Todesblick als Antwort zuzuwerfen, mischte sich mein anderer Bruder ein, der sich nun in der exakten Haltung des einen neben ihm im Türrahmen aufbaute. Man, wie die beiden da so nebeneinander standen könnte man fast meinen Ben wäre sowas wie die Miniversion von Felix. Gott, die beiden verbrachten eindeutig zu viel Zeit miteinander. Ben wurde ihm wirklich immer ähnlicher.

„Ich denke, das war Mia.", erklärte Ben im gleichen Tonfall wie Felix eben und ich wurde mir in meiner Vermutung immer sicherer. Die beiden verbrachten ganz eindeutig zu viel Zeit miteinander.

Klatschnass wie ich war grunzte ich einmal verächtlich in Richtung meiner nervenaufreibenden Brüder, bevor ich nach oben in mein Zimmer stapfte und genau das tat, was ich schon davor vorgehabt hatte. Was ist schlimmer als ein Bruder? Genau, zwei Brüder.

Missmutig schmiss ich mich auf mein Bett und stellte mir Netflix auf meinem Fernseher an. Gerade als ich mir die 300g Tafel Nusschokolade, die ich von unseren Nachbarn George und Mary zu Ostern bekommen und seitdem für besonders schwere Notfälle aufgehoben hatte, aus der Süßigkeitenschublade unter meinem Bett holen wollte, vibrierte mein Handy. Reflexartig griff ich danach und entsperrte es. Ich hatte eine Nachricht von Jonas.

Jonas: Und, vermisst du mich schon?💔

Mia: Na klar, die eine Stunde, die du weg bist war wirklich nicht auszuhalten🙄

Jonas: Ich wusste doch, dass du es nicht lange ohne mich aushältst😉

Also manchmal war der Kerl an Selbstbewusstsein ja wirklich nicht zu übertreffen.

Der letzte SommerGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt