„Jonas?", stellte ich verblüfft fest, während mir fast die Augen aus dem Gesicht fallen mussten. Zumindest war ich mir sicher, dass ich so aussah, denn Jonas kratzte sich sichtlich nervös am Hinterkopf. Fast so, als hätte er irgendwas Unangenehmes vor sich und als ich ihn so sah, hatte ich um ehrlich zu sein fast Angst, vor dem, was nun kommen würde, obwohl ich keinen blassen Schimmer hatte, um was es eigentlich ging.
„Hi", sagte er nur kurz und wirkte immer noch ziemlich nervös. „Alles gut bei dir?", fragte ich nun sicherheitshalber nach. Irgendwas schien ihn schließlich zu bedrücken. Das war ziemlich offensichtlich.
„Nicht wirklich", gab er nun also mit fester Stimme zu. Immerhin war er ehrlich und versuchte gar nicht erst, mir irgendetwas vor zu machen. Ich wollte ihm gerade anbieten, hereinzukommen, als Jonas mir förmlich das Wort abschnitt. „Ich muss wieder ins Internat."
Ich blickte ihn unverständlich an und nickte dann. „Ich weiß. Das war doch von Anfang an klar."
„Die haben irgendein Freundschaftsspiel Anfang Januar eingeschoben und der Trainer sieht bei mir noch Defizite. Ich bekomme Einzeltraining bis die anderen wiederkommen."
Mir stand der Schock wohl ins Gesicht geschrieben. "Wie, wann musst du zurück?", wollte ich nun sichergehen, dass ich alles richtig verstanden hatte.
"Naja, so ziemlich. Jetzt. Mein Zug geht in 'ner Stunde.", erklärte er mit zerknirschten Zähnen und fuhr sich nervös durch die Haare.
"Also wollen die, dass du alleine Silvester feierst, so ganz ohne deine Familie? Ich meine im Internat ist doch auch keiner da. Oder?"
Er schüttelte den Kopf. "Naja, die Feiertage sind vorbei und eigentlich ist es auch eher ne Chance für mich. Das wäre mein erstes Spiel mit der Bundesligamannschaft ." Unweigerlich musste ich bei dem Gedanken daran Jonas wirklich in der Bundesliga spielen zu sehen, lächeln.
"Was grinst du denn jetzt so blöd?", fragte er mit diesem altbekannten verschmitzten Lächeln. Es war erstaunlich, wie schnell seine Stimmung sich ändern konnte. „Du hast dir mich in diesem Trikot vorgestellt, was?", mutmaßte er und zog eine Augenbraue nach oben, woraufhin mir nichts anderes einfiel, als ihm wieder einmal einen Schlag auf den Oberarm zu verpassen.
"Wann kommst du wieder?", fragte ich nach einem kurzen Moment der Stille. Doch Jonas zuckte nur die Schulter. "Deswegen bin ich hier.", gab er zu. "Ich hab noch keine Ahnung, wann ich wiederkomme. Vielleicht zu Ostern, vielleicht vorher. Vielleicht aber auch erst später. Das kann ich alles noch nicht sagen."
"Dann bist du ja nichtmal zu meinem 18. hier", stellte ich vielleicht ein bisschen zu unbeschwert fest. Ich ließ das ganze so klingen , als wäre es keine große Sache, aber jetzt nichtmal mehr zu wissen, wann ich Jonas wiedersehen würde, jagte mir fast ein wenig Angst ein. Gerade jetzt, wo irgendwie alles zwischen uns wieder einigermaßen normal geworden war, war die Vorstellung daran, dass er jetzt erstmal auf unbestimmte Zeit wieder aus meinem Leben verschwinden würde, irgendwie richtig scheiße.
Jonas antwortete nicht gleich. Eigentlich antwortete gar nicht, zumindest nicht wirklich. Er wendete seinen Blick nur dem Boden zu und schüttelte langsam den Kopf. Ich nickte nur perplex. Die Situation überforderte mich irgendwie total, weil ich zwar damit gerechnet hatte, dass Jonas bald wieder verschwinden würde, aber nicht erwartet hatte, dass es von jetzt auf gleich wieder soweit sein würde.
"Ja gut", sagte ich schließlich tief ausatmend. "Dann verabschiede ich mich wohl wieder mal von dir.", erklärte ich leise und klang dabei irgendwie so unendlich traurig und irgendwie war ich das auch, wenn ich ganz ehrlich sein sollte. Meinen Kopf senkte ich und richtete meinen Blick auf den Boden, weil ich unsicher war, wie ich mich verhalten sollte. Etwas in meiner Brust fühlte sich auf einmal so unsäglich schwer an und ich spürte einen unfassbaren Druck im Inneren meines Körpers, den ich noch nie vorher gefühlt hatte. Es kam mir so vor, als hätten alle meine Gliedmaßen plötzlich ein untragbares Gewicht.
„Hey", flüsterte Jonas schon beinahe beruhigend. Er legte seine Hand an mein Kinn und hob es langsam an, damit ich ihm in die Augen sah.
Ich versuchte mir das Blau genau einzuprägen, denn wieder würde ich es für eine längere Zeit nicht mehr sehen. Und so absurd wie es auch klang, auf irgendeine merkwürdige Weise beruhigte es mich. Vielleicht lag das aber auch einfach nur an Jonas' ruhiger Ausstrahlung. Oder einfach an ihm und der Tatsache, dass er da war. Auch wenn ich wusste, dass das nicht mehr lange so sein würde.
„Pass auf dich auf.", sagte ich, bevor ich ihn gehen ließ. „Und werd mal n bisschen besser, damit sie dich auch mal spielen lassen.", rief ich ihm hinterher, als er schon die Auffahrt nach unten lief. Ich sah nur noch wie er lachend den Kopf schüttelte, bevor ich die Tür vor mir ins Schloss fallen ließ, damit ich nicht womöglich noch auf die Idee kam, ihm hinterherzulaufen.
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Der letzte Sommer
Dla nastolatków"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
