Da ich nicht im geringsten in der Lage war mich zu bewegen oder zu sprechen ohne in Atemnot zu geraten wartete ich einfach ab, bis Jonas mich wieder freilassen würde. Das würde ja wohl keine Ewigkeiten dauern. Und ich hatte recht. Schließlich ließ er mich los und wuschelte mir grinsend durch die Haare während er zufrieden sagte: "Geht doch."
Verwirrt versuchte ich meine Haare wieder einigermaßen in Position zu bringen und drehte mich zu Tom und Leo, die das ganze Spektakel anscheinend genau beäugt hatten. "Fährt irgendjemand mich kurz zu mir nach Hause? Ich kann auch aufm Gepäckträger mitfahren, ich will nur nicht schon wieder laufen, aber ich brauch noch ein paar Sachen und dann kann ich meiner Mutter gleich Bescheid sagen."
Tom zuckte gespielt bedauernd die Schultern: "Sorry, ich muss noch die Adresse raussuchen."
"Und ich muss ihm leider dabei helfen.", redete Leo sich grinsend ebenfalls aus der Sache heraus.
"Dann wirst du wohl mit mir vorlieb nehmen müssen, Miachen.", lachte Jonas hinter mir. "Dann können wir auch noch kurz zu mir nach Hause."
"Ich will ein eigenes Fahrrad.", bestimmte ich kurzerhand. Als ob ich jetzt nochmal mit Jonas auf einem Fahrrad fahren würde. Danke, aber nein danke.
"Gibt's leider nicht, Mia.", bedauerte Tom mit einem hinterhältigen Grinsen.
"Ihr werdet doch wohl ein einziges Fahrrad in diesem Haushalt haben. Ihr habt einen Fernseher im Wohnzimmer, der größer ist als mein Bett.", sagte ich empört.
"Größer als dein NASSES Bett", lachte Leo, doch ich versuchte seinen Kommentar einfach zu überhören.
"Ja, aber kein Fahrrad.", betonte Tom ausdrücklich.
"Dann halt nicht.", stöhnte ich und wandte mich an Jonas. "Wollen wir los?"
"Sie kanns kaum abwarten, Bruder.", meinte Leo, der sich anscheinend wieder einmal für ganz besonders lustig hielt.
"Halt die Fresse", wies ich ihn bitter an und schenkte ihm einen wütenden Blick. Es gab Tage, an denen ich mich echt fragte, ob Leo überhaupt sowas wie ein Gehirn besaß. Nach ein paar Jahren hatte ich aufgehört daran zu glauben.
"Das wird nichts, Jonas.", stellte ich fest, als er meinte ich solle mich hinter ihn auf seinen Gepäckträger setzen. "Ich fall' da runter, ich sags dir."
"Du fällst nicht runter, ich pass schon auf dich auf. Und jetzt mach zu, wir haben nicht ewig Zeit.", stöhnte Jonas ungeduldig und sah mich abwartend an.
"Wenn du auf mich aufpassen sollst, muss ich doppelt auf mich aufpassen.", sagte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Genervt stieg Jonas von seinem Fahrrad und kam auf mich zu: "Du kannst dich drauf verlassen, meine liebe Mia, bevor ich zulasse, dass dir auch nur ein Fingerchen gekrümmt wird, mache ich bei Let's Dance mit."
Mittlerweile stand er direkt vor mir und ich brauchte ein paar Sekunden, um zu realisieren, was er da gerade eigentlich gesagt hatte, bevor ich ihn geschockt ansah und vielleicht einen Moment zu lange in seine blauen Augen blickte.
Es dauerte eine Weile, bis ich mich wieder gefangen hatte und grinsend antworten konnte: "Wenn das so ist, hoffe ich ja fast, dass ich mir ein Bein breche."
"Dann haben wir am Ende beide ein gebrochenes Bein.", lachte er und ich musste schmunzelnd lachen, bevor ich dann hinter ihm auf dem Gepäckträger Platz nahm.
"War das beim letzten Mal auch so wacklig?", fragte ich, als Jonas auf die Straße abbog.
"Da war es schlimmer. Ich bin schon besser geworden. Sofern das noch möglich war, natürlich.", behauptete er als Antwort.
"Kommt mir irgendwie nicht besser vor.", zweifelte ich, um ihn ein bisschen aufzuziehen."
"Na hör mal, du wirst doch jetzt wohl nicht an meinen Künsten als Fahrradfahrer zweifeln.", rief er geradezu empört.
"Doch genau das.", bestätigte ich.
Da Jonas sich das anscheinend nicht gefallen lassen wollte, trat er kräftig in die Pedalen, sodass wir immer schneller und schneller wurden, was mir garnicht geheuer war.
"Bist du verrückt? Fahr langsamer, du Spast, wir fallen noch hin!"
Doch er dachte nichtmal daran, legte noch einen Gang zu und ich wusste, dass es keinen Sinn machen würde, wenn ich weiter schreien würde. Er würde sich nur noch mehr über mich lustig machen, also entschied ich mich in die Offensive zu gehen und lockerte meinen Griff um ihn, sodass ich schließlich nur noch einarmig auf dem sich viel zu schnell bewegenden Fahrrad saß.
"Mia! Halt dich fest!", schrie Jonas von vorne.
Ich lachte nur: "Warum denn?"
"Du fällst runter, verdammt!", antwortete er panisch.
"Dann fahr doch langsamer.", schlug ich ihm vor.
"Halt dich fest, Mia. Ich will dich gleich nicht von der Straße kratzen wie ein totes Tier.", rief er wütend, doch ich lachte nur ausgiebig.
"Das ist nicht lustig, Mia.", versuchte Jonas verzweifelt gegen mein Verhalten vorzugehen, doch ich dachte nicht im entferntesten daran mich wieder festzuhalten. Dafür war das ganze einfach viel zu lustig.
"Find ich schon.", schrie ich.
Ich erwartete eine Antwort von Jonas, doch die sollte ich nicht bekommen, denn er war gerade damit beschäftigt aufzupassen, dass wir nicht mit höchster Geschwindigkeit in ein Schlagloch fuhren. Hätte ich früher gewusst, was er da zu verhindern versuchte, hätte ich mich sicherlich wieder festgehalten, aber leider hatte ich keine Ahnung. Also kam es wie es kommen musste: wir fuhren mit vollem Karacho in das Schlagloch, ich wurde natürlich prompt vom Gepäckträger geschleudert und landete auf meiner guter alten Freundin, der Straße.
"Nicht schon wieder.", stöhnte Jonas.
"Was ein Scheiß!", entfuhr es mir. Dieses Mal tat es nichtmal so doll weh wie vor ein paar Wochen, als wir campen gewesen wären. Wahrscheinlich war mein Körper mittlerweile schon an Bekanntmachung mit Asphalt gewöhnt.
"Tja, mein Freund. Du darfst dann wohl zu Let's Dance.", stellte ich fest, als ich wieder aufgestanden war und mir den Schmutz von der Hose klopfte.
"Bitte, das war ja wohl deine Schuld.", entgegnete er während er mir gespannt dabei zusah wie ich wie eine Wilde auf meine Beine einprügelte.
"Nichts war meine Schuld, du Idiot. Fahr doch mal langsamer.", wetterte ich.
"Okay, okay. Ich mach was du willst, aber hör auf dich zu schlagen. Das kann sich ja keiner mit ansehen.", sagte er.
"Ja sorry, der scheiß Dreck geht nicht weg.", schimpfte ich mehr zu meiner Hose als zu ihm.
"Ne saubere Hose würde deine Hässlichkeit auch nicht mehr retten, Miachen. Du bist doch eh gleich zuhause.", seufzte Jonas.
"Na hör mal!", rief ich aufgebracht.
"Audio.", lachte er.
"Spiel' jetzt nicht den Lateinlehrer. Den Scheiß hast du seit 3 Jahren abgewählt.", meinte ich.
"Ohhhh, nicht traurig sein, Mia.", er verzog seine Miene und sah mich mitleidend an, sodass ich einfach nicht anders konnte, als ihm einen schönen Schlag auf den Oberarm zu verpassen.
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Der letzte Sommer
Novela Juvenil"Du bist so wunderschön, wenn du glücklich bist.", hatte er gesagt und dabei in die Ferne geguckt. So, als würde er garnicht mit mir reden, sondern mit dem Universum, dem Himmel oder der ganzen restlichen Welt. Für Mia und ihre Freunde steht das le...
