Kapitel 84 (2) - Viggo

88 4 7
                                        

Hallöchen ihr Lieben!

Ich möchte mich für die Verspätung entschuldigen - ich war im Krankenhaus und danach nicht ganz auf der Höhe, daher gab es letzte Woche kein Update. Aber hier bin ich wieder ^^

Viel Spaß mit Kapitel 84, es geht ja langsam auf das Ende zu!

______________________________________________________

Pflichten – das waren Aufgaben, die einem aus vielerlei Gründen auferlegt werden und deren Erfüllung man sich nicht entziehen kann. Sie können von einer Autorität oder gar dem Gesetz gefordert werden, doch beides fand man in dieser Welt selten. Jene Pflichten jedoch, die man sich aus freien Stücken aufbürdete, hatten eine ganz besondere Macht.

Zudem hatten Pflichten eine sehr interessante Angewohnheit; zwischen zwei Menschen, die sich nahestanden, ähnelten sie sich mehr und mehr, bis sie beinahe identisch wurden.

Louvisa und er bildeten dabei keine Ausnahme.

Holz knarrte, als Lova sich neben ihn gegen den Tresen lehnte. Schatten lagen über ihren sturmgrauen Augen, eine tiefe Falte grub sich zwischen ihre Brauen. „Wir müssen reden", sagte sie, nur um dann das Glas aus seinen Händen zu nehmen. Lova verzog das Gesicht, nachdem sie einen Schluck trank, doch sie blieb stumm. Selbst ihr Blick war von ihm abgewandt und stattdessen auf Taran gerichtet. Der Skrill musterte die Beiden mit schief gelegtem Kopf, als könnte er die Spannung zwischen ihnen spüren.

„Ich weiß." Viggo machte Anstalten, wieder nach seinem Glas zu greifen, doch Lova reagierte blitzschnell und blockte ihn mit erhobenem Arm ab. Das Lächeln, das dabei ihre Lippen umspielte, war nur ein matter, trauriger Abglanz ihres einstigen Grinsens.

„Nicht", sagte sie und stellte den Wein zurück auf den Tresen – in sicherem Abstand vor ihm, als traute sie Viggo nicht zu, die Hände bei sich zu behalten. Und wie recht sie damit hatte. „Bitte."

Lova bat selten – und noch seltener ohne Aufforderung. Es verlieh ihren Bitten eine Bedeutung, der man sich nicht entziehen konnte. Die Entschlossenheit in ihren Augen, als sie ihn nun doch endlich ins Gesicht sah, gab dem Wort zusätzlichen Nachdruck.

Bei ihrem Blick, der so unnachgiebig wie wissend auf ihm lag, wurde Viggos Hals trocken. Seine Zunge klebte an seinem Gaumen, und seine Lippen erschienen ihm trocken und rissig. Es wäre so leicht, die Hand nach dem Glas auszustrecken, welches nur halb verborgen hinter Lova stand...

„Denk nicht einmal daran." Ihr Tonfall war schneidend – eine Warnung, nachdem ihre Bitte gescheitert war. „Ich muss mit dir sprechen. Mit dir, bei klarem Verstand, Viggo."

„Du wirst feststellen müssen, dass ich in den letzten Monaten nur äußerst selten bei klarem Verstand war." Viggo benötigte all seine Willenskraft, um den Blick erneut auf Lova zu richten – und das sollte wohl alles aussagen. „Und nach einem Mordanschlag sei es mir nachzusehen."

Lova biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf. „Du redest, als gehörten Mordanschläge nicht schon seit einem Jahrzehnt zu deinem Alltag", gab sie zurück. „Es ist nichts Neues, dass man uns ermorden möchte. Genau genommen ist es Wunder, dass wir noch am Leben sind."

„Ich." Das Wort hinterließ einen bitteren Nachgeschmack in Viggos Kehle. Das war ironisch, denn er hatte es immer geliebt, über sich selbst zu reden. „Sie wollen mich ermorden. Es ist ein Wunder, dass ich noch am Leben bin. Du bist lediglich..." Viggo zögerte, suchte nach einer Beschreibung, die nicht dafür sorgen würde, dass Lova kopflos aus der Taverne stürmte. Doch andererseits... wäre es tatsächlich so schrecklich, wenn sie es täte? Überall wäre sie sicherer als in seiner Nähe.

Forget-me-notsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt