Sie hatte sich selbst befreit.
All die Fäden, die sie an einen anderen Menschen banden, waren gekappt und zerstört, verbrannt und weggeworfen. Sie war frei, sollte das heißen.
Freiheit sollte sie das nennen und jubeln, weil es ihr gelungen war, sie zu erlangen.
Lova hatte nichts mehr, was sie an ihre Vergangenheit band – nur die Ruinen eines Dorfes mitten im Ozean und die Erinnerungen an einen alten Kindheitsfreund, der seinen eigenen Namen verbannt hatte. Ihr Vater war tot, ihre Mutter, ihre Schwestern, ihr Verlobter...
Und Viggo hatte seinen Ring zurück.
Er könnte ihn verkaufen – dann müsste sie nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben, weil sie ihn abgewiesen hatte. Oder er könnte eine neue Partnerin finden, eine weitere Louvisa, die er seine Liebste nennen und die ihn lieben könnte, wie er es verdiente.
Er könnte glücklich sein und Lova könnte lernen, es zu werden.
Sobald sich ihre Wege trennten.
Sobald sie sich von ihm befreite.
Sobald er sie endlich losließ.
Sobald sie ihn erneut vergaß.
Ein einziges Wort, ein süßes, süßes „Sobald", welches ihre Zukunft besiegelte.
Dies war der Weg, den sie gehen würde.
Doch warum fühlte sich alles an diesem Weg so schrecklich falsch an?
Als wären ihr Flügel gewachsen, die sie über die Hälfte des Ozeans getragen hatten, nur damit man sie ihr auf halber Strecke wieder herausriss. Und Lova fiel vom Himmel herab, dem Meer entgegen.
Denn sie hatte sich selbst befreit.
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Forget-me-nots
Fiksi PenggemarEinige Monate sind vergangen, seit Viggo und Lova auf der Insel der Beschützer Zuflucht gefunden haben. Doch nicht nur das Misstrauen von Königin Mala zerren an den Nerven der Beiden, sondern auch alte Feinde und Erinnerungen, die sie lieber begrabe...
