Als hätten wir uns verabredet, kommen wir alle gleichzeitig bei Lasse und Max an. Ich radele mit Milly, Paul kommt aus der nächsten Seitenstraße, Sebastian fährt mit dem Auto vor. Bei Schnee und glattgefahrenen Straßen ist Radfahren manchmal gar nicht so einfach, aber wir kommen alle heile an und klingeln gleich bei Max Papa, weil da ja auch das Brunch stattfinden wird. Interessanterweise ist es Antoine, der uns die Tür aufmacht, uns andere alle ignoriert und sofort Sebastian in eine feste Umarmung schließt.
Na, ob da was im Busch ist?
Schnell drängen wir alle ins Warme, ziehen unsere ganzen „Isolierschichten" aus und bringen unsere Beiträge zum Brunch-Buffet ins Wohnzimmer. Dort biegt sich bereits der große Tisch unter allen möglichen leckeren Sachen. Von frischen Brötchen bis zu dampfender Suppe, von Rührei bis Obstsalat ist alles dabei. Außerdem sind wir wohl alle auf die Idee gekommen, auf diese Weise unsere Weihnachtsreste loszuwerden. Es findet sich eine beachtliche Ansammlung an verschiedenen Kartoffelsalaten zusammen, die natürlich alle probiert werden müssen. Milly schaut auf den Tisch und fängt an zu lachen.
Ich liebe ihr Lachen.
„Ratet, was ich mitgebracht hab."
Mit diesen Worten stellt sie eine weitere Schüssel Kartoffelsalat dazu.
Tanja kommt aus der Küche, wo sie kannenweise Kaffee und Tee gekocht hat.
„Hallo, Moritz. Schön, dass ich dich auch mal wieder sehe!"
„Hallo, Tanja. Frohe Weihnachten. Und ... darf ich dir Milly vorstellen?"
„Freut mich, ich bin Tanja. Ich habe schon viel über dich gehört, Milly. Max schwärmt so sehr von eurem Stück und von eurer Zusammenarbeit. Hoffentlich lässt mich das Baby zukucken Anfang April."
Als schließlich auch die gesamte Familie Seitz von nebenan dazustößt, sind wir richtig viele. Die Kinder wuseln rum, die Teller füllen sich. Und ein Sektkorken knallt.
Hä? Gibst was zu feiern?
Sebastian füllt einige Gläser.
„Wie viele Erwachsene sind wir denn?"
Wie aus der Pistole geschossen antworten Max und Lasse gemeinsam.
„Jana, Thorsten, Tanja, Max, Moritz, Milly, Paul, Sebastian, Antoine – neun Leute sind wir. Plus Lotta und Ole."
Der nächste Korken knallt.
„Sebastian? Was gibt es denn zu feiern?"
Er kuckt mich schelmisch an.
„Bei uns ist das normal – ein schicker Weihnachtsempfang am 25. mit Sekt und Kaviar. Den Kaviar hab ich zu Hause gelassen, aber gegen den Sekt hab ich nichts. Nur gegen die Leute, die ihn da grade schlürfen."
Dann hebt er sein Glas, prostet uns allen zu – und versenkt seine Augen in denen von Antoine.
Ich fress'n Besen, wenn nicht ... Und das ist ja sowas von süß!
Bald senkt sich gefräßige Stille auf den großen Raum. Nur Lotta kann selbst beim Essen noch ununterbrochen durchquatschen. Nach und nach entstehen auf dem Sofa und in diversen Sitzecken kleine Grüppchen, die sich angeregt unterhalten. Die Kinder spielen mit ihren Geschenken, bis Milly mit ihnen ein bisschen Zirkus spielt. Tanja und Jana haben sich auch viel zu sagen. Ich bin unglaublich froh, denn Tanja hat ja unter dem ganzen Affentanz fast genauso gelitten wie Max.
Ich rutsche neben Max, der alleine am großen Fenster lehnt. Er sieht ausgesprochen abwesend aus – und ziemlich glücklich. Ich spreche ganz leise, damit wir keine Aufmerksamkeit auf uns ziehen.
„Und? Lass mich raten. Du hast Anni was geschenkt, und sie hat dir was geschenkt. Und jetzt schwebst du auf Wolke Sieben. Ich frag mich langsam echt, worauf sie noch wartet."
Na, da kommt aber einer von gaaaaaaaanz weit weg!
„Hm?"
„Max, du strahlst wie ein Honigkuckenpferd. Erzähls mir."
Max greift hinter sich nach einer kleinen Schachtel und hebt nur den Deckel an. Ich entdecke eine in sich gedrehte Glasfigur.
Das sollen wohl zwei Tänzer sein. Das ist wunderschön!
„WOW! Da hat sie aber gut getroffen, oder?"
„Das witzige ist: ich hatte genau diese Figur am Samstag noch bei dem Glasbläser auf dem Flachsmarkt in der Hand. Siehst du da die kleine, eingeschlossene Luftblase? Es ist genau diese. Und ich habe keinen blassen Schimmer, woher sie wusste, dass ich mir die Figur verkneifen musste, weil einfach mein Geld alle war. Sonst hätte ich sie mir nämlich selbst gekauft."
„Das ist doch ganz einfach. Es sind Tänzer. Das ist nicht schwer zu erraten."
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Was sich neckt, das hasst sich
General FictionÄhhh - heißt das nicht eigentlich: "... das liebt sich" ??? Eigentlich ... Aber nicht, wenn ein notorischer Mathemuffel mit Hang zum verbalen Kahlschlag kurz vorm Abitur auf eine Lehrerin trifft, die mit Liebe zur Mathematik und einer ausgesprochen...
