Ähhh - heißt das nicht eigentlich: "... das liebt sich" ??? Eigentlich ...
Aber nicht, wenn ein notorischer Mathemuffel mit Hang zum verbalen Kahlschlag kurz vorm Abitur auf eine Lehrerin trifft, die mit Liebe zur Mathematik und einer ausgesprochen...
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Ahhhhh – wie ich diese Geheimniskrämerei hasse. Jenny und ich werden uns nächste Woche outen. Wir hoffen einfach, dass wir Kollegen finden, die die Mentorenschaft für sie übernehmen. Ansonsten will sie in den sauren Apfel beißen und die Schule wechseln. Da haben es Toni und Max erheblich schwerer. Noch drei Wochen müssen sie durchhalten, dann ist wenigstens das Altersproblem vom Tisch. Aber bis zum Juni immer weiter so? Das ersparen wir uns lieber.
Ich lenke meinen Combi aus der Tiefgarage, um Jenny und Toni einzusammeln. Wir haben beschlossen, dass eine Fahrt zu dritt unverfänglich ist, weil jeder weiß, dass wir uns gut verstehen. Da das Wetter endlich etwas milder geworden ist und heute sogar die Sonne scheint, fahren wir gemeinsam ins Bergische Land nach Waldbröl zu einem Baumwipfelpfad. Nur der arme Max muss wieder mit dem Zug nach Wuppertal fahren, wo wir ihn einsammeln werden.
Ich fahre bei den Mädels vor, und sie warten unten schon auf mich. Jenny rutscht neben mich auf den Beifahrersitz. Mein Blick fällt auf die Rückbank. Uuups – da liegt ja alles voll. Während Toni in der offenen Autotür darauf wartet, drehe ich mich nach hinten rum und räume schnell die ganzen Sachen beiseite. „Was glaubst du, wie lange wir nach Waldbröl brauchen, Lennart?" Ich schiele irgendwie um die Ecke, damit ich nach oben und Toni richtig anschauen kann. „Anderthalb bis zwei Stunden, da wir ja noch den Schlenker machen."
Toni nickt. „Ich freue mich total auf diesen Baumwipfelpfad." Dann rutscht sie schnell auf die Rückbank. Türen zu und los.
Klick.
Soso. Waldbröl. Na, dann los!
Ich begrüße meine Jenny mit einem schnellen Schmatzer und steuere zurück auf die Straße. Werden. Velbert. Wuppertal. Wir unterhalten uns locker, bis Toni es übernimmt, mich in Wuppertal zum Bahnhof zu lotsen. Auch Max steht schon vor der Tür und steigt ganz schnell ein zu Toni auf die Rückbank. Ab gehts auf die Autobahn, das ist am schnellsten.
Klick.
Dacht ichs mir doch!
„Also, meine lieben Kinderlein, dann lasst uns starten. Habt ihr auch alle an Essen und Trinken gedacht? Seid ihr warm genug angezogen? Habt ihr alle eure Schuhe ordentlich zugebunden? Wo sind eure Impfp..." Mit jeder Frage wird das Gelächter von der Rückbank und neben mir lauter, bis ich selbst nicht mehr weiter kann. Ja, ich bin vier Jahre älter als Jenny, fünf Jahre älter als Toni und elf Jahre älter als Max. Und es macht einfach Spaß, hier den Opa zu spielen. Aber in Wahrheit scheint der doch ziemlich große Unterschied zwischen Max und mir völlig egal zu sein. Er benimmt sich mir gegenüber ganz ungezwungen. Und das ist sehr angenehm.
Gegenüber Toni nehme ich dagegen bei ihm immer noch einen Hauch von Unsicherheit wahr. Ich hoffe, dass Max bald seine Zurückhaltung ablegt, denn spätestens, seit er Toni das Leben gerettet hat, sehen wir alle in ihm nicht mehr den Jugendlichen sondern ein gleichberechtigtes Gegenüber. Wenn ich jetzt in den Rückspiegel schaue, sehe ich die 24-Jährige, die ihren Kopf auf der Schulter vom 17-Jährigen abgelegt hat und so verträumt und zufrieden ausschaut. Als wäre es ganz klischeehaft umgekehrt. Max hat locker seinen Arm um sie gelegt, streicht ihr langsam den Arm hoch und runter und strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus – da muss ich mir das Kopfschütteln verkneifen, weil seine Befürchtungen gradezu absurd erscheinen.