147 ** Open Air ** Fr. 22.5.2020

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„Max, hast du an deine Badehose gedacht?"Ach ja, richtig!Für heute hat Anni mir angekündigt, dass ich meine Badehose mitbringen und mich auf was gefasst machen soll

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„Max, hast du an deine Badehose gedacht?"
Ach ja, richtig!
Für heute hat Anni mir angekündigt, dass ich meine Badehose mitbringen und mich auf was gefasst machen soll.
„Na, spucks aus. Was machen wir heute noch?"
„Hoffentlich ganz viel Spaß haben."
Hmpf. Das kriegst du morgen zurück!
Anni fängt an, so eine große knatschegelbe IKEA-Tasche zu füllen. Mit Handtüchern, Wechselklamotten, unseren Badesachen, Getränken und was zu knabbern. Sonnenmilch und Mützen wandern noch dazu. Sie packt für sich eine ganz leichte Bluse ein und einen Hoodie dazu.
„Nimm dir auch was für drüber mit, Max. Nur für alle Fälle."
Was auch immer das bei dieser Affenhitze für Fälle sein sollen ...
Ich packe auch von mir einen Hoodie dazu.
„Und jetzt?"
„Los!"

Ich hänge mir die große Tasche über die Schulter und greife nach ihrer einen Hand. Diesmal lotst uns Anni mit ihrem Handy zu einer größeren Durchgangsstraße. Wir fahren ein ganzes Stück mit einem Bus und landen schließlich etwas außerhalb der Stadt bei einem Freibad direkt an der Moldau. Das Gelände ist riesig, Viele Bäume spenden Schatten und im Wasser tummeln sich bei dem tollen Wetter schon unzähliche andere Menschen.

Aber das eigentlich Spannende ist ein großes Baugerüst am Ende der Wiese, das sich bei näherem Hinsehen als Openair-Bühne entpuppt.
„Boah, Anni, was geht denn hier ab? Ist das die Überraschung?"
„Ganz genau. Hier ist heute Abend ein Rockkonzert irgendeiner lokalen Band. Und wenn das Freibad schließt, dann haben wir Tickets, bleiben gleich drinnen und genießen hoffentlich gute Musik."
„WOW! Coole Idee! Danke, Anni."
Kaum haben wir einen Platz unter einem der Bäume erkämpft, flitzen wir zu den Umkleiden und anschließend ins Wasser.

Ich kriege schnell einen Sonnenbrand und habe darum zu meinen Badeshorts sowieso immer ein T-Shirt an. Bei Annis Anblick muss ich lachen. Sie trägt einen Badeanzug, der aussieht, als wäre sie eine Lady vor hundert Jahren in einem mondänen Kurort – rotweiß geringelt, mit Arm- und Beinansätzen und kleinen Rüschen an allen Ausgängen. Aber gleichzeitig muss ich auch schlucken.
Uff! Maahaaaax, behalt deine Hormone im Griff!
Weil sie so viel Sport macht, hat Anni eine Figur, die mich dezent nervös macht ... Ich kneife einmal fest die Augen zu, Anni fängt an zu kichern, und ich schubse sie im hohen Bogen in die Moldau.

Sehr schnell ist im Umkreis von mehreren Metern kein anderer Badegast mehr zu finden, denn wir beide toben und albern uns richtig ein, was so eine Art lokalen Dauerregen um uns drumrum verursacht. Uns stört das allerdings nicht, denn so können wir ungestört weiter toben. Die genervten Blicke der anderen ignorieren wir gekonnt. Nach einer Weile sind wir schön abgekühlt und ausgetobt und beschließen, den Fluß ein Stück aufwärts um die nächste Kurve zu schwimmen. Dauerhaft gegen die Strömung zu schwimmen, ist ziemlich anstrengend, und so ruhen wir uns hinter der Kurve auf einer Sandbank aus.

Hier ist keine Menschenseele mehr. Kein Haus zu sehen, kein Auto zu hören. Nur das Vogelzwitschern in den nahen Bäumen und die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. Ich schließe die Augen und entspanne mich. Eine Mücke surrt an meiner Nase vorbei. Träge wedele ich mit einer Hand in diese Richtung. Mein Shirt ist schnell getrocknet in der Sonne, aber aus meinen Haaren bildet sich ein kleines Wasserrinnsal, das direkt ins Ohr läuft. Ich drehe mich zur Seite, um das Wasser aus meinem Ohr zu schütteln. Da entdecke ich, dass Anni ganz still in meiner Nähe sitzt und mich betrachtet. Ganz kurz nur sehe ich, wie weich ihr Gesicht ist, wie glücklich ihre Augen leuchten, ich kann erkennen, dass ihr gefällt, was sie sieht. Doch schon verschließt sie ihr Gesicht wieder und lächelt mich neutral an.
Warum auch immer. Ich habe sie heute Morgen ja auch beobachtet.

Was sich neckt, das hasst sichGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt