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Seojun Park trottete gerade zur Gefängniszentrale.

Wie jeden anderen Arbeitstag auch, kam er an der graugestrichenen Polizeistation vorbei und an all den langweiligen Geschäften, bei denen es alles für Küche und Haushalt gab; alles, was was man trotz des asketischen Lebensstils dennoch benötigte. Es war eine trostlose Gegend. Das war sie schon, seit er in dieses Viertel gezogen war, nachdem er seine hohe Position als Soldat verloren hatte. Jetzt war er nur noch ein Gefängniswärter und sein Leben erschien ihm die gleiche Farbe zu haben, wie die Wände der Geschäfte und der Polizeistation und dem Gefängnis und sowieso allem in diesem Viertel.

Er stapfte durch den Eingang des hohen Gebäudes in dem er arbeitete. Es begann die Jahreszeit, zu der er sich nicht einmal mehr an die Dunkelheit in den Räumen gewöhnen musste, wenn er eintrat. Er nickte dem ermüdeten Herren am Empfang zu und stapfte weiter durch einen Gang, um eine Ecke und dann zu einer Tür, die er mit einem rostigen Schlüssel öffnete. Auch der Schlüssel schien schon immer rostig gewesen zu sein.

Er legte seinen Mantel sorgfältig über die Stuhllehne und stellte seine Tasche, dessen Inhalt nur aus zwei Ordnern bestand, auf den schmalen Arbeitstisch. Zwei weitere Tische standen in den restlichen Ecken des Raumes, doch sie dienten heute niemanden. Es gab nur selten etwas zu tun, bei dem man an einem Tisch sitzen musste.

Gerade als der Gefängniswärter seinen Hut aufgesetzt hatte und bereit war, aus dem Raum zu treten und seine übliche Runde zu drehen, bekam er einen Anruf. Er ging auf die andere Seite des Raumes zum Telefon und hielt sich den Hörer ans Ohr. Eine dumpfe Männerstimme fragte nach seinem Namen und er bestätigte. Der Anruf kam von der Polizei. Ein Auftrag für ihn. Zwei neue Häftlinge mussten einquartiert werden, er solle sich darum kümmern. Ja, das könne er machen, antwortete er. Wann würden sie ankommen? Etwa in einer Stunde. Er legte auf.

Mit jedem Tag stieg die Anzahl der Insassen. Das Gefängnis sollte einen Anbau bekommen, laut der Regierung. Doch Seojun fragte sich, ob es überhaupt möglich war, dass die Zahl der Sträflinge so rasant anstieg, ohne, dass es einen deutlich Grund dafür geben musste. Und dieser Grund, so vermutete er, lag in der Politik, lag an den schlimmen Verhältnissen, in denen die armen Bürger leben mussten und an der Unfreundlichkeit der Reichen. Doch was hatte das alles schon mit ihm selbst zu tun? Er hatte einen Beruf, der ihm genügend Geld einbrachte, um ohne Sorgen in seiner mickrigen Wohnung in diesem mickrigen Viertel zu wohnen und vor sich hinzuleben. Alleine und ohne Hoffnung. Aber wenigstens ohne Aufruhr und Sorgen.


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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt