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Min Yoongi lag mit offenen Augen neben Jimin. Wie still es war. So seltsam still; ohne einen Windzug oder jegliches Tiergeräusch. Der Prinz sah zu dem schlafenden Jungen und wollte niemals wieder den Blick abwenden. So friedlich war sein Atem... er lauschte. Es beruhigte den Älteren, doch es brachte ihn noch nicht dazu, die Augen zu schließen.

Eine plötzliche Eingebung verriet ihm, wie er seiner Schlaflosigkeit entgehen konnte. In einer einzigen lautlosen Bewegung erhob er sich, griff nach seiner Kleidung auf dem Hocker und holte den matt-glänzenden Stein hinaus; sein Geheimnis. So erleichtert wie nach einem aufregendem Abenteuer ließ er sich in die Kissen fallen. Er drückte den eisigen Stein fest an seine Brust. Den Kopf neigte er zögerlich zur Seite; bewusst über die Nähe zu dem anderen Jungen. Ja, so konnte er dem Schlaf eine Chance geben.

Viele bunte Schemen trieben sich vor meine Augen. Schreie.., Rufe..., Schüsse?
Hastig drehte ich den Kopf, doch die Geräusche kamen von überall und nirgends, als würden sie wie eine große Wolke über dem Platz hängen.
Ja, ich war wieder hier, auf dem Marktplatz vor dem Königshaus. Wieder in der gehäuften Menschenmasse.
Ich wurde ruckartig geschubst, doch spürte nichts, außer mein starkes Herzklopfen, welches der Schlaf trotz meiner Geistesabwesenheit verinnerlichte und vehement in den Vordergrund rückte, wo alles andere so gedämpft klang.

Langsam klärte sich meine Sicht und ich konnte hinten auf dem Podest die Königin erkennen; eine hochgewachsene Frau mit wachen Augen und breiter Nase. Ein Mann in Uniform der königlichen Soldaten beugte sich gerade zu ihr. Diese Szene kam mir bekannt vor. In meiner letzten Vision war ich kurz darauf über jemandes Füße gestolpert und erst nach einigen Sekunden, die sich jedoch wie Minuten angefühlt hatten, wieder am Rande einer stehengebliebenen Gruppe Menschen aufgetaucht.
Jetzt kämpfte ich mich entschieden durch das Getümmel, meine Kapuze tief ins Gesicht gezogen.

Ich bewegte mich schnell und mit Leichtigkeit. Hatte ich so viel Kontrolle in diesem Traum?
Es fühlte sich an als würde ich fliegen. Ich wusste, wie sich das anfühlte, denn als magischer Vierbeiner hatte ich diese Situation stets erlebt. Eine Herde an galoppierenden Einhörnern konnte ebenso klingen wie ein heraufziehender Wind; ein Sturm! Doch jetzt war nicht die Zeit um darüber nachzudenken. Die Menge floss wie Wasser an mir vorbei und ihr Brüllen war für mich wie Wellenrauschen.

Einige Stimmen näherten sich mir. Obwohl ich die Worte nicht verstand, verriet mir ihre hastige Aneinanderreihung von Worten und der energische Tonfall einen Streit.
Blind vor Schwindel wurde ich langsamer und tastete mich zwischen allerlei Schultern einen Weg durch die Zuschauer. Jetzt war es plötzlich still und ein Gemurmel ergab sich wie ein vorwarnendes Blubbern im ruhigen Meer.
Wieder hörte ich Schüsse. Oder...war es vielleicht doch etwas anderes? Ich wusste, dass ich mich hier nicht auf meine Wahrnehmungen verlassen konnte.

Der Kreis an Bürgern und Soldaten wich weiter zurück und eine höhere Präsenz betrat den Raum. Doch so sehr ich mich auch bemühte, meine Vision wollte mir nicht das Bild einer klaren Gestalt gestatten. Wer immer es war, hielt den Arm ausgestreckt und bald hörte ich das Klicken einer schussbereiten Pistole.

Panik stieg unkontrolliert in mir auf. Ich fühlte mich zurückversetzt. Damals, als meine Eltern wehrlose Opfer solcher Waffen geworden waren, hatte ich die Macht solcher Dinge noch nicht verstanden. Jetzt schien Vergangenheit und womögliche Zukunft zu einem Wirbelsturm in mir heranzuwachsen und sich zu verheddern wie ein langer Faden von Seide im Wind. Dann hörte ich einen unmissverständlichen Knall und der verwirrte Faden in mir riss und meine Sicht wurde klar. Auf dem Boden lag - wie ich schon in einer früheren Vision gesehen hatte - ein geschwächter Mann. Noch war kein Blut zu sehen, doch ich wusste sehr wohl, dass es kommen würde.

Ein Windzug war zu vernehmen und ich war wieder in der brüllenden Masse. Eine Sekunde später sah ich wieder den am Boden liegenden Mann. Wie ein flackerndes Licht änderten sich mein Umfeld und die Zustände um mich herum. Mit jedem Atemzug tauchte eine andere Szene auf, jedesmal schreiende oder fliehende oder geschockt hinaufschauende Menschen. Schwindel erfasste mich und ich schloss die Augen. Meine Lider zuckten und kurz dachte ich, es wäre vorbei, doch dann wurde ich zurückgeworfen.

Dieses Mal schaute ich direkt in das Gesicht des sterbenden Mannes. Die gekrümmten Schultern zitterten und ich sah eine Träne über sein graues Gesicht laufen. Von einer unsichtbaren Macht geleitet wich ich zurück, als eine andere Gestalt einen schwachen Schrei ausstieß und neben dem Mann auf die Knie fiel.

„Jimin...", flüsterte ich heiser und während ich meine Lippen bewegte, wurde alles um mich herum dunkel. Ich spürte wieder die Schwere meines eigenen Körpers und das weiche Bettzeug, das mich zu fesseln schien. Meine Hand bildete eine Faust. Irritiert öffnete ich sie wieder. Irgendetwas war verkehrt...
Ich bemühte mich, meine Augen zu öffnen, doch noch hatte ich keine Kontrolle über mein Handeln. Erst, als die mir vertraute Kälte sich wieder an meine Hand schmiegte, riss ich meine Augen auf und wurde von einem alarmierendem Chaos durchzuckt; wie schwere Luft von einem Blitz.




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt