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Benommen stieg Yoongi mit meiner Hilfe aus der Kutsche. Konzentriert atmend bemühte er sich sichtlich, seinen Zustand unbemerkbar zu machen. Wir standen auf einer schmalen Straße. Nach hinten blickend sah ich ein Meer von Feldern, die honiggelb glitzerten und es summte lebhaft in unserer Nähe. Den Wald hatten wir hinter uns gelassen und vor uns befand sich eine Kreuzung.
„Hier war ich noch nie.", flüsterte ich Yoongi zu. Der Kutscher ließ wortlos unser Gepäck neben uns nieder und hievte sich wieder auf sein Fuhrwerk. Im selben Moment sahen wir einen weiteren Wagen von der breiteren Straße der Kreuzung her auf uns zukommen. Die Kutscher kommunizierten wortlos, mit Handbewegungen und Kopfnicken und während die neue Kutsche vor uns zum stehen kam, setzte sich die alte wieder in Bewegung. Angespannt verharrten wir vor den schnaubenden Tieren, bis ein Mann in grauem Anzug ausstieg.

„Jaehyun!", rief ich erleichtert. Ich zog Yoongi am Arm und wir stiegen mit dem Tierarzt ein.
„Verlief eure Fahrt bisher gut?", fragte dieser und massierte ungeduldig seine Hände. Der dunkel gekleidete Kutscher navigierte uns auf die breite Straße und das dumpfe schlagen der Hufe auf Asphalt war zu hören.

„Es gab keine Zwischenfälle...", sagte Yoongi ausdruckslos. Jaehyuns Miene veränderte sich nach dieser kalten Aussage nicht. Er schien sich nichtmal sonderlich für die Antwort zu interessieren. „Ist alles in Ordnung? Wo werden wir unterkommen?", hakte ich nach und Jaehyun schaute mich an, als würde er jetzt erst bemerken, dass er nicht alleine war. Er schaute zu Yoongi und dann wieder zu mir. Beinahe so abweisend wie Yoongi zuvor, antwortete er: „Es gibt da ein Haus, welches für einige Zeit leer stand. Es ist in einem mickrigem Zustand, aber es kann bewohnt werden. Dort wird euch niemand finden, wenn überhaupt Jemand suchen wollen würde. Jacob hat mir alles erzählt. Es ist mir eine Ehre, Min Yoongi, dem baldigen König, dienen zu dürfen."
Ich atmete erleichtert auf. Das würde einiges einfacher machen. Der angesprochene nickte nur knapp und schaute mit leerem Blick aus dem Fenster. Als Jaehyun dies bemerkte, schloss er jedoch schnell die Vorhänge.
„Niemand darf euch sehen! Noch seid ihr nicht bereit dazu und wir werden an einigen gefährlichen Gegenden vorbeifahren. Aber keine Sorge, es ist nicht weit."

Beruhigend stupste ich Yoongi leicht mit dem Arm an, doch er reagierte nicht. Seine Hände verdeckten die Hosentasche, worin er sein Geheimnis aufbewahrte. Aus seinem Verhalten schloss ich, dass er der Situation nicht ganz traute. Skeptisch blickte ich mich um. Es war dunkel im Innenraum der Kutsche.
Jaehyun schwieg und ich versuchte nachzudenken. Bald wurde das Klappern der Hufe wieder dumpfer und der Lärm der Stadt verstummte. Jaehyun schob den verdunkelten Stoff wieder ein bisschen zur Seite. Erstaunt schaute ich nach draußen. Blasse Wolken überzogen den Himmel wie ein Netz. Die Sonne blinkte ermattet zwischen ihnen auf. Die Landschaft war grün und in manchen Büschen zwitscherten fröhliche Vögel.


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Haunted Prince || YoonminWo Geschichten leben. Entdecke jetzt