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Ich zog die Kapuze hinunter bis zu meinen Augenbrauen. Tiefe Schatten lagen unter meinen Augen. War es das Licht, welches meine Haut so farblos erscheinen ließ? Alles an diesem Haus war so geisterhaft, dass mich die Blässe, die mein Spiegelbild mir auferlegte, nicht wunderte. Ich trat aus dem Bad und Yoongi erhob sich von dem Bett, um sich gleichermaßen für diesen besonderen Tag fertig zu machen.
Das Frühstück blieb unberührt, bis Jaehyun uns streng ansah und uns wie ein Vater seinem Kind am ersten Schultag die Brote schmierte. Es schmeckte trocken und schal auf meiner Zunge. Ständig musste ich zu Yoongi schauen, der dicht neben mir auf der Bank saß. Ich ermahnte mein Herz, jetzt nicht zu schmelzen. Heute musste ich stark sein. Und konzentriert. Aber der junge Prinz neben mir sah tatsächlich aus wie ein Märchenprinz und ich wollte nichts lieber, als von ihm vor einem Drachen gerettet werden - oder meinetwegen auch etwas nicht ganz so aufregendes. Wenn ich bloß mit ihm auf der Wiese liegen könnte und er mir Blumen ins Haar stecken würde. Ich könnte seine Hand küssen, ohne dass er frustriert seufzen und diesen ernsten Blick haben würde. Ich wäre wunschlos glücklich.
Gleichzeitig zählte ich jede vergehende Sekunde mit, als würde die Zeit stehen bleiben. Als würde ich den Atem anhalten. Noch ein wenig länger. Der Zeiger sprang um. Mein Kopf fühlte sich an wie eine lockere Schraube. Ich drehte mich mit jedem Schritt schwankend im Kreis. Jeder Gedanke kam ein zweites, dann ein drittes Mal. Alles klebte an einem grauen Faden. Und die Spinnen lauerten in den Ecken. Eine Sekunde; ein Schritt; ein Gedanke. Ich suchte Yoongis Schulter für meinen Kopf. Er hielt mich fest. Seine Hände strichen über meinen Rücken.
Ich atmete ein und wollte nie wieder ausatmen, aber Jaehyun wies uns an aufzustehen. Es war soweit.
„Wir dürfen uns niemals trennen, Jimin. Wir müssen immer zusammenbleiben.", trichterte Yoongi mir ein. Er sagte es auf zugeneigte Weise, während er mir eine Strähne hinters Ohr streifte. Ich stellte mir vor, wie Yoongi so zu einem jüngeren Bruder sprechen würde. Und ich stellte mir vor, Yoongi wäre der ältere Bruder, den ich mir phasenweise in meinem Leben sehnlichst gewünscht hatte.
In seinem Blick erkannte ich eine ohnmächtige Angst. Sie regierte hinter seinen Augen. Es war in seinem Kopf. Die Bilder der Visionen, die ihm so grausam und zwanghaft in die Sinne getrieben wurden.
Es war die Ruhe vor dem Sturm. Alpträume und Trugbilder hatten sich in eine Parallelwelt verzogen. Ich fragte ihn noch einmal und glaubte ihm, als er sagte er habe die Nacht ohne den Hauch irgendwelcher Träumereien zugebracht.
„Deine Nähe hat mir wieder geholfen.", flüsterte er. Ich war in Yoongis Armen eingeschlafen und wieder aufgewacht, als Jaehyun am Morgen an unsere Zimmertür geklopft hatte. Dazwischen hatte es nichts gegeben. Ein Blinzeln und der Tag war da gewesen.
Yoongi stieg zuerst in die Kutsche. Seine Schritte waren entschlossen. Das gab mir Mut und ich setzte mich mit wachen Augen neben ihn. Der düstere Raum des Wagens ließ den eigentlich blassen Morgen strahlend wirken. Blätter wirbelten vom Wind getrieben durch die Luft, wie zum Tanz gezwungen. Der Geruch von Regen streifte meine Sinne, aber die Wolkendecke machte keine Anstalten zusammenzubrechen...
Ich sah Yoongi fest in die Augen, während der starke Wind den Wagen angriff, sodass er ein Knacken und Knistern von sich gab. Das Geschirr der Pferde klapperte. Zwei kräftige Rappen, die den Wagen deutlich majestätischer wirken ließen, als er war. Wir zogen die Vorhänge zu. Aus dem Augenwinkel sah ich die Uniformen der Soldaten aufblitzen. Überall waren sie. Überall.
Aber meine Angst vor ihnen war nicht größer als mein Zorn. Meine Mutter, Mina, der Hof, die Tiere. Das Gefühl von Sicherheit. Zu Hause.
Die Soldaten verkörperten ihren Verlust. Meine Brust schmerzte, aber meine Hand drückte die von Yoongi. Noch hatten sie mir nicht alles genommen. Diese Männer waren machtlos. Sie waren nicht einmal Herrscher über ihre eigenen Ängste. Auch mit einem Gewehr in der Hand konnte ich mich nicht vor ihnen fürchten. Es gab Hoffnung und ich war Überzeugt davon, eine Bestätigung dessen an diesem Tag noch zu erleben.
„Entfernt euch nicht von der Kutsche. Aber versucht unabhängig von mir zu agieren. Ich bin nicht nur euretwegen hier.", gab uns Jaehyun zu verstehen. Er war genauso in die Ausrüstung der Soldaten gesteckt. An sich war das eine gute Tarnung, aber es beschwor in mir dennoch Hass herauf und ich konnte ein ständiges skeptisches Naserümpfen nicht unterdrücken.
Die Kutsche fand am Wegesrand einer zentralen Straße halt. Die Häuser und Bäume am Straßenrand boten ein wenig Schutz vor dem Wind. Trotzdem flatterten die Haare und Röcke der vorbeigehenden Menschen wie Geisterwesen zwischen ihnen umher.
Wir stiegen aus. Meine Beine erlebten einen Anfall von Schwäche und ich hielt mich am Wagen fest. Der Kutscher saß stillschweigend da. Auch wenn Jaehyun keine bösen Absichten verfolgte, irgendjemand tat es doch. Wieso hatte der hinkende Mann versucht, unser Vorgehen zu vermeiden, indem er Jaehyun zu unserer geheimen Sitzung geholt hatte.
Ich wollte nicht über seine Motive spekulieren, also würdigte ich ihm keines weiteren Blickes und half Yoongi beim Aussteigen. Jaehyuns Kutsche setzte sich in Bewegung. Die Pferde trabten bedingungslos neben uns her, während wir uns unter die bunte Menge mischten.
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Haunted Prince || Yoonmin
FanfictionJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
