⋆46⋆

66 6 0
                                        

⋄⋅⋆⋅⋄⋅⋆⋅⋄

„Du bist der Prinz?", fasste Jacob stockend in Worte, was Yoongi ihm gerade offenbart hatte.
Yoongi nickte und probierte nun seinerseits den frischen Apfelsaft. Es war wieder eine Weile still. Während in mir die Anspannung wuchs, schien Yoongi nie unbekümmerter gewesen zu sein.
Ich räusperte mich endlich und fügte hinzu: „Yoongi darf nicht gefunden werden. Es ist noch zu früh. Wir sind vor Soldaten geflüchtet, die wahrscheinlich nicht nur nach mir, sondern vor allem nach ihm gesucht haben."

„Ich verstehe.", antwortete Jacob und lehnte sich Ruckartig zurück. Seine Augen fanden die meinen und ich blickte ernst zurück. „Kein Wort zu niemandem, stimmt's? Na gut. Ihr könnt mir ja vertrauen. Auch wenn ich nicht mit einem so großen Geheimnis gerechnet habe." und zu Yoongi gewandt, eine knappe Verbeugung andeutend, sagte er: „Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um zu helfen. Und wenn mein Haus nur als Versteck dienen soll, so ist's mir eine Ehre."
„Ich danke.", erwiderte Yoongi, ebenfalls mit dem Hauch einer Verbeugung, ein leichtes Nicken mit dem Kopf und ein Niederschlagen der Augenlider.

„Jacob, du hast bei unserer Ankunft schon etwas erzählt, über die Regierung. Das mit dem Putsch, dass ist war. Aber woher hast du diese Information? Denkst du, dass es auch in der Stadt ein weit verbreitetes Gerücht ist, was die Krone nicht aufhalten konnte? Gibt es viele Menschen, die so denken wie du?", wollte ich wissen. Jacob runzelte nachdenklich die Stirn.
„Ach, das kann ich nicht sagen. Es ist ja schon ziemlich lange her und seit ich hier lebe, habe ich nicht mehr viel mit anderen Menschen zu tun. Aber vielleicht war es gerade das, was mir erlaubt hat, skeptisch zu werden. Die Menschen in der Stadt sind so beschäftigt mit ihrem eigenen Leben, dass immer mehr von ihnen verlangt, weil die Preise steigen, die Armut wächst und die Depression die Runde macht. Alle werden immer griesgrämiger und wissen nicht mehr, wer Freund und wer Feind ist." Yoongi und ich stimmten ihm zu. Die Stadt bestand aus schwachen Gemütern. Der Adel hatte es sich gemütlich gemacht.

Ich hakte nach, ob Jacob etwas über die politische Einstellung anderer Farmer im Umland wusste. Er gab mir nur ein hilfloses Kopfschütteln.

„Irgendetwas muss die Bürger dazu bewegen, all ihren Zorn auf die Regierung zu lenken. Die Flyer, die wir verbreitet haben, waren schon ein Anfang. Vielleicht braut sich etwas zusammen.", schloss Yoongi und ging zum Fenster. Seine Silhouette zeichnete sich fein vor dem weißen Himmel ab.



⋄⋅⋆⋅⋄⋅⋆⋅⋄

Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt