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Ich konnte nicht mehr einschlafen. Auch wenn mein Fieber - nach von Jacob und Jimin ausdrücklich verlangter Ruhe - zurückgegangen war, schwitzte ich. Der Raum spiegelte sich seltsam in den schattenhaften Wänden und brachte mir den Schwindel, den die Visionen in sich hatten. Kurz erschrak ich über den Gedanken von Realität und Traum. Es fühlte sich alles so echt an... so viel intensiver und klarer waren meine Eindrücke von allem.
Ich befreite mich von der Decke. Der atemlose Raum, so ganz ohne familiäre Züge, fühlte sich doch irgendwie wie ein Zuhause an. Jedenfalls mehr als vieles, was ich in den letzten Jahren erlebt hatte. Als magisches Wesen war der Wald und die Herde mein Zuhause gewesen. Doch mein menschliches Herz verlangte hin und wieder nach einem gemütlichen Zimmer, nach Kerzenschein, nach Teppichen und angesehener Musik. Wie lange war es her, dass ich die Elfenbein-Tasten des Flügels in den königlichen Sälen berührt hatte? Ich wendete mich dem schlafendem Jungen neben mir zu. Jimins Haarschopf war wie eine Insel zwischen Decke und Kissen. Ich beugte mich näher zu ihm. Auch er strahlte spürbar Körperwärme aus. Ich arrangierte meine Seite des Bettes neu und hielt inne, als Jimins Hand sich im Schlaf sachte auf mein Knie legte. Behutsam wollte ich des Jüngeren kleine Finger wieder unter die Decke schieben, doch da umgriffen sie mein Handgelenk, wie es Babys im Schlafe tun. Aus einem Impuls heraus hob ich die Hand zu meinen Lippen und Küsste das warme Handgelenk.
„Dass du das auch ja nicht vergisst...", flüsterte ich und wusste selber nicht ganz, was ich damit meinte. Eines wusste ich: der Gedanke an den Kuss, den Jimin mir in seiner Leidenschaft nach der Beschlagnahmung seines Zuhauses durch die Krone gegeben hatte und den ich laut Jimin am besten vergessen sollte, ließ sich nicht aus meinem Kopf verbannen.
Meine aufkommende Gänsehaut riet mir, wieder unter die Decke zu kriechen und ich tat es so vorsichtig wie möglich, um Jimin nicht aus seinen süßen Träumen zu reißen. Wer weiß, wann er das nächste Mal einen friedlichen Schlaf haben würde.

Es war neu für Min Yoongi, dass Visionen plötzlich aus Erinnerungen bestanden. War es, weil alles, was als Warnung in seinen Kopf geschossen war, sich bereits abgespielt hatte? Er erholte sich mit tiefen Atemzügen, bevor er begann, sich mit zitternden Beinen durch das Hier und Jetzt zu kämpfen. Anders als bei vorherigen Visionen, wo er sich danach immer ermüdet und ausgelaugt gefühlt hatte, gab ihm diese Vision dieselbe Kraft wie acht Stunden Schlaf es hätten tun können.

Jaehyun war im Gewimmel verschwunden. Yoongi achtete nicht mehr darauf, ob er sich in seiner Kapuze verstecken konnte oder nicht. Durch sein zielstrebiges Drängeln zog er die Aufmerksamkeit einiger Leute auf sich. Seine Gedanken waren vollkommen auf Jimin gerichtet: Park Jimin, den Jungen, den er nicht verlieren durfte. Niemals! Eine fast kindliche Empörung machte sich in ihm breit: dass man ihm auch noch den Jungen, den er lieben gelernt hatte, wegnehmen wollte, nachdem man schon seine eigene Familie ausgerottet hatte und auf seine Waldfreunde jagt machte.
Er rannte. Die Menschen machten ihm Platz. Er sprang über Bänke, er rempelte Kinder und Frauen an, er duckte sich unter Pferdehälsen hindurch und jagte Hunde in die Flucht. Nur den Soldaten versuchte er im größeren Bogen auszuweichen.

Ein Knall ertönte. Erst durch den Schrecken, der die Menge erfasste, wurde Yoongi klar, dass es ein Schuss gewesen sein musste. Er änderte seine Richtung ein wenig dorthin, wo das Geräusch hergekommen war. Zuvor war er nicht ganz auf der richtigen Spur gewesen. Es war, als würde er blind durch ein eigenwilliges Meer schwimmen, gerade zu einem Punkt, den er unbedingt erreichen müsse. Doch dieser Punkt lag tief Unterwasser und die Wellen schoben ihn zurück und verwirrten ihn mit ihrer Strömung.

„Da ist der echte Prinz!", rief eine schrille Männerstimme. Yoongi ignorierte es. Sein Körper begann zu kribbeln. Sein Atem veränderte sich. Er spürte die Luft in seinen Lungen, spürte die Ausdauer, das Brodeln in seinem Blut und das Pochen in der Stirn.
Ein Glanz umgab ihn, ein Schimmer, der ihn wie einen schwachen Umriss, wie eine Wolke Parfüm benetzte.

Anstatt zu rennen, flog er nun beinahe ohne Erschöpfung durch die sich öffnende Allee von Bürgern, die ihm in großen Teilen mit weiten Augen und offenen Mündern hinterherschauten. Viele stießen jubelnde oder erfreute Schreie aus.

Er spürte es schon, bevor er es hörte. Ein zweiter Knall, lauter. Er hallte durch die Atmosphäre und ebbte ab. Wie eine Welle sich am Strand wieder ins weite Meer zurückzog, kroch der Laut zurück ins unendliche Nichts. Eine Höhle aus Stille. Sie umgab Yoongis rasende und doch nicht vorankommende Gedanken. Eine Höhle. Ja, das bräuchte er jetzt auch. Ein dritter Schuss. Yoongi sah nicht, wie die Königin fiel, denn er war angekommen, endlich, endlich, endlich angekommen und mit heftigem Blinzeln stürzte er sich in den Kreis, unberührt von den geschockten Soldaten.

Während Jaehyun - der kaum glauben konnte, wie armselig seine Angelegenheiten ausgegangen waren - den Fall der Königin verfolgte und zugleich von übereifrigen Bauern festgehalten und weggeschleift wurde, ohne dass einer seiner Soldaten ihm eines Blickes würdigte, erreichte Min Yoongi den Jüngeren, der die Hand, die der Prinz damals im Dunkel der Nacht geküsst hatte, auf das schlafende Herz seines Vaters gelegt hatte.




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Hallöchen🤗
So langsam neigt sich diese Geschichte dem Ende zu... Danke an alle, wenn es auch nicht viele sind (😔), die bis hier und weiter mit dabei geblieben sind, ich wüsste nicht wo ich sonst die Motivation hernehmen sollte, eine so lange Story aufrechtzuerhalten xD
Schaut gerne auch bei meinen anderen Stories vorbei 😌💜💫

Ab jetzt wird es hier so alle 3-5 Tage ein neues Kapitel geben:)

Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt