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„Was ist das?"
Yoongi drehte sich von mir weg, als er meinen Blick bemerkte. Doch im Innenraum der Kutsche hatte er kaum eine Möglichkeit, mir auszuweichen. Seine Hände waren um etwas geschlossen, doch er ließ es mich nicht sehen. „Du hast immer noch Geheimnisse vor mir.", stellte ich mit angespanntem Kiefer fest. Ich sah, wie der Ältere die Lippen zusammenpresste und das Ding aus seinen Händen tief in seine Hosentasche schob.
„Ich war schließlich für 15 Jahre der Sohn eines Königs gewesen. Und für zwei weitere Jahre ein Waldbewohner.", wollte Yoongi sich erklären. Mit zurückhaltenderer Stimme als zuvor fragte er: „Denkst du, dass jedes unausgesprochene Wissen ein Geheimnis ist?"
Er drehte sich zu mir, mit aufmerksamen Augen. Augen, denen ich nicht lange böse sein konnte, denn auch wenn Yoongis Charakter hohe Maße an Diskretion aufwies und er nicht viel sprach, hatte er mir von Anfang an vertraut. Und auf eine Weise, die sich mir nicht erschloss, schien er meine Nähe von Anfang an genossen zu haben. Er hatte ohne zu zögern auf dem Hof geholfen und war, wenn auch zurückhaltend aufgrund seiner versteckten Identität, immer respektvoll gegenüber meiner Mutter und kameradschaftlich gegenüber Mina gewesen. Es war an mir, dasselbe zu tun. Es erschien einfacher als vieles was wir noch vorhatten, ihm blind zu folgen. Der Gedanke kratzte an meinem Herzen als mir wieder einmal einfiel, dass nicht nur diese offensichtlichen Dinge Grund dafür waren, sondern ebenso, oder vielleicht sogar noch mehr, meine Gefühle gegenüber ihm, die sich vehement an mir festkrallten, sodass ich langsam aufgegeben hatte, sie loszuwerden.
Da Yoongi mich noch immer beinahe ängstlich anschaute, vermutete ich, er wollte tatsächlich eine Antwort auf seine Frage. War unausgesprochenes Wissen automatisch ein Geheimnis? Wie kam Yoongi auf so eine außergewöhnliche Frage?
„Du bist geheimnisvoll, weil du so schweigsam bist.", formte ich sorgsam und langsam meine Worte: „Aber die Dinge, die du gelernt hast, sind nur ein kleiner Teil von dem, was dich ausmacht. Obwohl dein Körper noch schwach ist, ist dein Geist wach und dein Herz stark. Du siehst und verstehst die Dinge anders als ich. Ich verstehe die Dinge anders als du. Jeder Mensch hat Geheimnisse und das ist gut so. Niemand verlangt von irgendwem, alles Wissen das man von der Welt hat mitzuteilen. Das ist doch sowieso unmöglich! Manchmal weiß man ja auch garnicht, ob eine Information für andere von Wert ist."
Damit wollte ich ihn beruhigen und ihm zu verstehen geben, dass er mir nicht sagen musste, was für ein Gegenstand das war, den er so verborgen mit sich herumschleppte.
„Es kann gefährlich werden, bestimmte Dinge laut auszusprechen.", stimmte Yoongi mir zu.
„Aber wenn es da etwas gibt, was man für sich behält... vielleicht weil man Angst hat, es bloß nicht richtig zu sagen... oder weil man Angst hat, der andere würde einen nicht verstehen... was ist es dann?", sinnierte er weiter.
„Ich verstehe nicht ganz, Yoongi. Wenn du mir etwas sagen möchtest, zögere nicht.", bekräftigte ich ihn: „Ich glaube kaum, dass du etwas Böses im Sinne hast, oder auch nur etwas, was mich verärgern würde."
Sein geheimnisvolles Verhalten machte mich hibbelig, was ich in dem engen Raum nicht zu verstecken wusste.
Wir waren tief im Wald und nur gelegentlich stahl sich ein Sonnenstrahl durch die kleinen Fenster und streifte Yoongis zarte Haut. Ich war so nahe gerückt, dass meine Beine sich an die des Älteren lehnten und ich mich aufgrund der unebenen Straße an Yoongis Arm festkrallte, als ein Ruck durch den Wagen ging.
„Ich verstehe es auch nicht ganz.", fuhr der Prinzenjunge unbeirrt fort: „Ich glaube, es hat nicht ganz etwas mit dem Verstand zutun. Oder ich habe in meinem Waldleben verlernt, was es bedeutet. Ich weiß, dass ich oft nicht ganz so..."
„Nicht ganz so...?"
„Dass ich nicht unbedingt durchscheinen lasse, wie ich mich fühle. Ich bin eher in meiner eigenen Welt gefangen. Ich denke viel nach. Ich hätte dir schon so viel erzählen können, Jimin. Über meine Vergangenheit und so. Aber ich habe vergessen, dass Menschen miteinander reden, um sich näher zu fühlen. Auf diese Weise fühlen sich Menschen wohler. Du hast mir vertraut, obwohl du kaum etwas von mir wusstest. Und noch immer weißt du nicht alles. Du gehst Risiken für mich ein. Ich wusste nicht, was das bedeutet. Du gabst mir Sicherheit, aber ich habe nie darüber nachgedacht, aus welchem Grund ich mich so fühlte. Das hat sich geändert, als..."
Wieder stolperte der Wagen und kämpfte mit dem Gleichgewicht. Man hörte das gedämpfte Schnauben der Pferde und ich krallte mich mit meinen Hände an die Sitzfläche, um Yoongi nicht noch einmal ungewollt festzuhalten.
„Als...?", hakte ich nach, denn bei dem Tumult hatte Yoongi aufgehört zu reden. Seine Lippen standen unsicher offen und ich konnte mich nicht von ihnen abwenden.
„Ich sollte darüber nicht reden. Du meintest, ich sollte es vergessen, deswegen werde ich es nicht sagen. Es tut mir leid, Jimin. Ich gebe mein bestes."
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Haunted Prince || Yoonmin
FanfictionJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
