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„Ich würde Ihnen raten, aus dem Weg zu gehen.", deutete Jaehyun an und seine Augenbrauen zuckten irritiert. Mit solch einer starken Auflehnung des verwelkten Kutschers und ehemaligen langweiligen Gefängniswärters hatte er wohl nicht gerechnet. „Was liegt Ihnen so an ihm?"

„Das geht Sie nichts an."
Seufzend entschärfte Jaehyun seine Waffe. Mein Vater rührte sich keines Zentimeters.

Selbst erschrocken über die Entschlossenheit meines Vaters drückte ich den Stein in meiner Hosentasche so fest, dass seine Wärme mir wie Blut durch die Adern schoss. Trotz weit geöffneter Augen wurde alles seltsam verwaschen, als wäre ein Eimer Wasser über eine Glasscheibe gekippt worden, durch die hindurchzuschauen es sich folglich kaum lohnte. Da hörte ich ein sanftes Schnauben hinter mir und etwas stupste mich an der Schulter an. Überraschte Rufe durchdrangen meine gedämpften Sinne und alles wurde in dem Moment wieder ganz klar, als sich der feste Griff um meine Handgelenke löste, ein Soldat flink herantrat und Soejun mit aller Wucht zur Seite schubste und Jaehyun mit der Gleichgültigkeit eines Blitzes abdrückte.

Panisch drehte ich mich, die Situation in mich aufnehmend. Das Einhorn hinter mir, welches den Griff des Soldaten wohl durch Magie oder Geschick von mir gelöst hatte, stieg mit einem schmerzerfüllten Schrei. Ich duckte mich, bevor die Hufe mir etwas anhaben konnten. Ein Streifschuss. Kurz fragte ich mich, ob ich doch mehr als nur den Windzug, der an meiner Wange vorübergeeilt war, abbekommen hatte, doch die Wunde des Tieres war eindeutig erkennbar.

Währenddessen hatte Seojun sich wieder aufgerichtet, ebenso voller Panik, und stürzte sich wieder vor mich, als Jaehyun, mit empörendem Grummeln in der Kehle, ein zweites Mal seine Pistole erhob. Ich erkannte, wie aussichtslos die Lage war. Yoongis Visionen... Yoongi...
Meine Gedanken begannen sich von den brenzlichen Umständen des Körpers zu lösen. Yoongi würde uns retten... Mein hilfloser Zustand begleitete mich zu diesen Hoffnungen und betrogen dadurch meinen Verstand. Anstatt zu reagieren, stand ich wünschend da und blickte verträumt dem Lauf der Waffe entgegen. Hätte ich etwas anderes tun können? War weglaufen eine Option? Nein, ein anderer Soldat hätte mich gleich wieder abgefangen. Nach der überraschenden Ankunft des Einhorns hatten sich alle wieder genügend gefasst und auch wenn aus der Menge empörende und bittende Rufe erklangen, man solle doch das Kind verschonen, war Jaehyun entschlossen. Der dumpfe Klang des Schusses erklang mit gieriger, alles in sich aufsaugender Lautstärke. Ein Treffer konnte sich kaum merklich des Körpers bemächtigen. Der Schmerz würde ganz kriechend die Sinne ergreifen. Doch ich musste nicht nach einer Wunde tasten.

Vor Entsetzen keuchend, kniete ich mich neben meinem Vater nieder, der den Schuss für mich abgefangen hatte. In seinem Blick lag Zufriedenheit, doch etwas verzerrte noch seine Miene und es war nicht der Schmerz, oder die Angst vor dem Tod. Mit zitternder Hand holte Seojun seine eigene Waffe hervor. Aus der Ferne war ein Wiehern zu hören, nein, nicht nur eines. Ein Wind bäumte sich auf. Seojun zog seine Waffe. Jaehyun, der erwartete, dass die Kugel ihm gelten sollte, stellte sich so nonchalant wie möglich hinter die Reihe seiner armen Soldaten. Doch Seojun zielte nicht auf ihn. „Ich war nicht immer nur Kutscher oder Gefängniswärter.", keuchte der sterbende Mann. „Ich war auch Soldat. Ich war Farmer und Tierfreund. Aber vor allem war und bin ich bis zum letzten Herzschlag Vater. Und das kann mir keiner nehmen."
Damit schwenkte er die Pistole in Richtung des Podests, wo die Königin gleichsam aller anderen, die dazu die Möglichkeit hatten, das Geschehen verfolgt hatte. Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit, Angst oder Schreck oder Wut zu zeigen. Die Kugel traf sie und ließ sie zwei Schritte zurück taumeln, bevor sie aus Schwäche und Kontrollverlust zusammensackte.

Die Menge schrie. Gemischte Gefühle stapelten sich und wurden vom Wind umgerührt wie Funken eines Feuers in der Luft. Hände erhoben sich in die Luft, hielten sich Ohren zu oder schützten die Augen der Kinder vor dem bizarrem Anblick. Doch jeder, der den Sturz der Königin mitverfolgte, würde schon bald das große Erlebnis teilen und die Stimme so hoch und glänzend tragen wie eine Medaille im Licht der untergehenden Sonne.


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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt