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Das einheitliche Fortschreiten der Menschen löste sein Muster, als wir an eine große Kreuzung kamen. Mittig stand ein Springbrunnen mit silbrig glänzender Statue: Ein Junge. Seine Gesichtszüge glichen noch denen eines Babys, aber er stand fest auf seinen dünnen Beinen. Ein Buch lag auf seinen geöffneten Handflächen. Die Haltung hatte etwas ehrwürdiges an sich. Er hatte den Kopf zur Seite gedreht und angewinkelt, sodass sein Blick sich auf die Hand richtete, die auf seiner Schulter lag. Eine Hand und der Teil eines Arms; keine Gestalt dahinter. Ohne zu wissen, wie die Stadt dieses Kunstwerk interpretierte, fand ich in dem Kind den Prinzen an meiner Seite.

„Vielleicht solltest du dort hinaufklettern und allen dein Gesicht zeigen", schlug ich halbherzig vor. Der Ältere bedachte mich mit einem kläglichen Blick. „Ich muss wohl hinterfragen, ob ich wirklich für so ein Leben gemacht bin.", murmelte er und sein Schritt verlangsamte sich mit jedem Wort. Umso schneller schienen die Menschen um uns herum zu laufen. Es machte mich nervös und ich drängte Yoongi zum weitergehen. An seinem Zögern erkannte ich, wie er seine Entscheidungen anzweifelte. Er brachte mich und sich selbst in Gefahr. Und was würde er damit erreichen? Würde es ihm möglich sein, einen besseren Herrscher abzugeben? War er mit den Prozessen und Herausforderungen eines solchen Lebens ausreichend vertraut?

„Yoongi, ich weiß, dass du deine Erinnerungen an diese Zeit lieber verdrängst, aber es hängt vieles davon ab, wie du jetzt auftreten wirst. Du kennst beide Seiten: aufgewachsen im Adel und überlebt in den Wäldern. Zeig ihnen deine ehrliche Seite. Du bist gutherzig. Du wirst in jedem Fall eine bessere Entscheidung treffen können, als die welche zurzeit auf dem Podest stehen. Vertraue auf deine Stärken!"

Er nickte kurz angebunden und suchte mit seinen Augen ein unbestimmtes Ziel, als könne er so andere Gedanken in seinen Kopf schieben.
„Wir kommen gleich am Gefängnis vorbei.", fiel dem Älteren auf. Mein Herz rumpelte. Ich rieb beruhigend über meine Brust, aber ein unbehagliches Ziehen blieb das Zeichen meiner Sorgen. Gerade verteilte sich die Menschenmasse auf einem kleinen Marktplatz. Hier wurde wild durcheinander gerufen. Der Geruch von Fleischwaren und Fisch wehte zu uns hinüber. Ich rümpfte die Nase.

Weiteres Rufen hallte zwischen den Häusern. Es kam aus der Nebengasse, die zum Gefängnis führte. Was war dort los? Kurz entschlossen ging ich auf einen älteren Herren zu, der aus besagter Seitenstraße gekommen war. Er lehnte sich verschnaufend auf seinen Gehstock und schnäuzte sich mit der anderen Hand seine Nase mit einem zerknittertem Taschentuch. „Entschuldigen Sie, Sir. Können Sie mir sagen, was dort hinten los ist?"

„Ohh, dass müssen Sie sich selbst ansehen. Eine ganze Flotte an Soldaten steht dort und schaut hektisch umher und sie zeigen mit den Gewehren wahllos auf unschuldige Bürger!", erzählte der Mann mit zitternder Stimme. Doch dann drang ein tiefes Lachen aus seiner Kehle, während er hinzufügte: „Aber Schuldige sind sicher auch dabei, ja! Aus dem Gefängnis sind die Leute ausgebrochen. Ausgebrochen! Was es nicht alles gibt..."

Ich tauschte einen erstaunten Blick mit Yoongi aus. Schon wollte sich unser unbekannter Gesprächspartner abwenden, da hielt Yoongi ihn auf: „Was haben Sie gesehen? Wie ist es dazu gekommen?"

„Jetzt werd nicht zu neugierig, Bursche!", grölte der Fremde. Er schwenkte seinen Stock gefährlich nahe an unseren Beinen vorbei und verzog das Gesicht, als hätte er plagende Schmerzen.
„Ist ja gut.", beschwichtigte Yoongi und zog damit nochmal den skeptischen Blick des Mannes auf sich. Er musterte Yoongi kritisch. Er sah aus, als wolle er etwas sagen, aber er konnte die Worte nicht auf seiner Zunge finden.

„Was ist es, was Sie gerade denken?", fragte ich schamlos, denn ich hatte eine Vermutung. Vielleicht war das unsere Chance.

„Ich war vor einigen Jahren in der Politik tätig gewesen. Wenn man es so nennen kann... Ich war jedenfalls mit der Königsfamilie, die so ein tragisches Ende gefunden hat, wohl bekannt." Er nickte mit dem Kopf in Yoongis Richtung. „Sie sehen ihrem Sohn sehr ähnlich."





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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt