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Von dem Beschluss getrieben, den Tierarzt ausfindig zu machen, zog ich mir einen flauschigen Pullover über - der aus Jackobs Haushalt stammte und früher sicher seinem Sohn Jackson gehört hatte - , nahm eine Kerze - denn der Morgen war düster und versprach einen grauen Tag - und schlich auf die Tür zu. Ich warf Yoongi noch einen Blick zu, um sicherzustellen, dass er sich genügend zugedeckt hatte und drückte die eisige Klinke hinunter.

Verwirrt musste ich feststellen, dass sich die Tür nicht öffnen ließ. Ich startete einen zweiten Versuch und presste mich vehement und mit all meinem Gewicht
dagegen. Schließlich begann ich an der Klinke zu ziehen, aus der einfältigen Eingebung heraus, ich hätte mich darin geirrt, dass die Tür sich nach außen öffnen ließe. Doch auch jetzt bewegte sie sich keinen Zentimeter. Angespannt spähte ich durchs Schlüsselloch, doch entweder war der Gang noch in allumfassende Dunkelheit gebettet, oder die Sicht wurde durch ein Hindernis versperrt. So oder so war mir der Weg hinaus scheinbar nicht gewehrt.

Trotzig starrte ich auf die graue Wand. 
„Ich habe nicht einmal gemerkt, dass wir eingeschlossen wurden. Und gesagt hat er es uns auch nicht.", flüsterte ich enttäuscht.
Auf wackeligen Beinen kam Yoongi zu mir und musterte den verschlossenen Ausgang, wie er vielleicht auch auf eine zerquetschte Ameise schauen würde.
„Ich vermute, es gibt einfach keine Möglichkeit, die Tür ohne Schlüssel von innen zu öffnen. Wenn das hier mal ein Gefängnis war...", begann Yoongi, doch ich schüttelte energisch den Kopf.
„Aber das hier war ein Gemeinschaftsraum, keine Zelle. Ich denke, er wurde eher als Rückzugsort oder Besprechungsraum für die Mitarbeiter der Irrenanstalt verwendet."

„Egal welcher Mechanismus dahinter steckt, wir werden hier also nicht so einfach hinauskommen. Das war eine bewusste Entscheidung von Jaehyun.", schlussfolgerte der Ältere: „Er ist gefährlich. Wir dürfen ihm nicht trauen. Aber solange er uns noch etwas vormacht, laufen wir eher Gefahr, im Nichtstun zu versinken."

Frustriert streckte ich die Arme in die Luft und mit der Bewegung nahm meine Müdigkeit ab. Ich dehnte meine klammen Glieder, während ich überlegte: „Wenn das alles wahr ist, ist Jaehyun wirklich schlecht darin, seine Missgunst zu vertuschen. Es sieht mir eher danach aus, als sei es einfach seine Art, die Dinge zu Händeln."
Ich ließ mich entmutigt aufs Bett fallen.

„Ich bin mir nicht sicher...", überlegte Yoongi - die Arme eng um seinen Körper geschlungen - „Jaehyun kann schlicht und einfach etwas gegen unsere Pläne haben, oder aber... er handelt für Jemanden, der mehr Macht besitzt."

Entsetzt schüttelte ich den Kopf. Nein, Jacob vertraute dem Tierarzt und er hatte uns auch vorgewarnt, dass es Jaehyuns Art war, ein abweisendes Verhalten an den Tag zu legen.
Mit hoffnungsvollem Herzen stellte ich Yoongi diese Gedanken vor, doch dieser zuckte bloß die Schultern: „Ich würde abwarten."
„Nein!", stieß ich erschrocken hervor, bevor ich mich stoppen konnte. Mit blassen Augen schaute Yoongi mich an, spiegelte meine Verlegenheit wieder und hielt dem Nachgeben stand, indem er sagte: „Wir sind eingesperrt."
Er rutschte entschieden näher zu mir und sogleich wurden meine Knie weich.
„Wir sind hier eingesperrt, aber nicht für immer. Nicht mal mehr für lange. Schließlich haben wir gestern unser Abendessen auch in einem anderen Raum bekommen. Lass uns warten und Jaehyun genau beobachten."
„Du willst also einfach nichts tun?"
„Sind wir denn besser dran, wenn wir versuchen abzuhauen?", seufzte Yoongi und mit großen Augen - die wie in eine Hülle aus Glas gesteckt erschienen - wartete er auf ein Gegenargument.
Ich schlang meine Arme um meine zitternden Knie und sagte nichts mehr. Aber ich konnte spüren, dass Yoongi sich lieber eingeschlossen sah, als zu diesem Fest zu gehen, welches von seinen grausamen Visionen in ein schlechtes Licht geschoben wurde.

Um mich von all diesen quälenden Gedanken abzulenken, schloss ich die Augen und erinnerte mich an den Sommer zurück, bevor meine Mutter krank geworden war. Auch ohne Reichtum waren wir glücklich gewesen. Wir hatten unsere Ruhe gehabt und die Tiere und einander. Jetzt hatte ich Yoongi, aber alles andere... alles andere war wie im Nebel versunken.
Würde ich etwas ergreifen können, wenn ich die Hände ausstreckte? Oder würden mir die Arme des Gegners entgegenkommen? Konnte ich in dieser Trübheit überhaupt ein Licht erfassen? Wo war die Wärme? Wo war der friedliche Morgen und die frohen Gespräche beim Abendessen?

Ich wusste, dass die Quelle von einer besseren Zukunft irgendwo auf unserem Weg lag. Doch ich folgte diesem Weg nicht mehr. Ich war gestolpert und kämpfte mich jetzt durch unsichtbare Hindernisse. Die Distanz wurde durch den Nebel verzerrt. Meine Gedanken wurden verzerrt. Mein Körper fühlte sich verzerrt an. So unwirklich... so schwerelos... und mein Herz schwebte mit einer allmächtigen Schwere in diesem sich auflösenden Raum und schlug vehement auf mich ein, sodass meine Stirn schmerzhaft zu pochen begann.

Ich redete mir zu, jetzt bloß nicht die Nerven zu verlieren. Ob Yoongi auch solche quälenden Gedanken hatte? Dachte er auch jeden Abend bis tief in die Nacht über alle möglichen Szenarien nach? Es war eine stetig anwachsende Schlaflosigkeit.
„Na schön. Abwarten.", summte ich und kroch unter die Decke, um mich warm zu halten, während das erste dämmrige Morgenlicht durch die schmalen Streifen zwischen den Vorhängen vor sich hin schimmerte.




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt