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Jaehyun hatte immer ein Auge auf uns. Das gemächliche Klappern der Pferde verfolgte uns mit jedem Schritt. Mir fiel das Laufen plötzlich schwer, als wäre ich schon den ganzen Tag gewandert. Ich wusste, dass es die Anspannung war, die jeden Schatten aufsog wie ein Schwamm und damit triefte ich, als hätte ich nasse Kleider an, die an meinem Körper klebten. Ich konnte mich diesem Gefühl nicht entziehen.

„Wir hätten Jaehyun nochmal nach dem Buch fragen sollen.", bemerkte ich schaudernd. Was wollten wir jetzt hier? Wir waren so unauffällig, dass niemand auch nur den Kopf zu uns drehte. Jeder Blick der uns begegnete, schweifte vorbei wie an einem Kieselstein am Wegesrand. Wir waren Menschen unter Menschen. Man könnte sich fragen, weshalb wir nicht wie alle anderen Jungen in unserem Alter die Uniform der Soldaten trugen. Es bedeutet die größte Ehre, an einem Tag wie diesem zu arbeiten!, hörte man jeden Mann sagen, der sich nicht traute, seine Missgunst darüber kund zu tun, dass er in der unbequemen Montur steckte. Die gequälten Gesichter wurden von strahlenden Uniformen überdeckt. Gewehre und Schwerter wurden skeptisch oder ehrfürchtig aus dem Augenwinkel betrachtet.

Aber die Familien waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie sich um zwei unauffällige Jungen scherten. Kleinkinder mit dreckigen Mündern und Fingern wurden auf den Arm genommen und schrieen und quietschten dennoch weiter. Sie zeigten mit wässrigen Augen auf jene Fahne oder jenen Wimpel oder jenen Soldaten. Zwischen dem Krach versuchten andere nach der entfernten Musik zu horchen. Ein dumpfes Trommeln zog sich im Rhythmus der marschierenden Soldaten durch die Stadt. Ältere Kinder rannten auf den Straßen wild umher, spielten Fangen und versteckten sich zwischen den Kutschen und Bäumen. Ihre Eltern riefen ihnen zu, sie sollen achtsam sein bei dem ganzen Trubel. Die Mienen der Erwachsenen waren ernst und selten blickte man in ein Gesicht, dessen Stirn nicht in graue Falten gezogen war.

Als ich mich an die Atmosphäre gewöhnt hatte, schweifte meine Aufmerksamkeit wieder zu Yoongi. Die Hand, die ich so begehrte zu halten, steckte in der Jackentasche. Ab und zu richtete er seine Kapuze, bevor der Wind sie zum hinunterrutschen brachte. Die meine war schon lange hinabgefallen und ich machte mir nicht viel daraus. Irgendwo musste man anfangen. Die Menschen mussten allerdings vor allem den Prinzen zu Gesicht bekommen. Etwas musste geschehen und scheinbar geschah es nicht von alleine.

„Yoongi, wir müssen die Leute ansprechen.", sagte ich und lief dabei so nah neben ihm, dass sich unsere Arme streiften. Zwar widerstrebend, aber dennoch einsichtig nahm er seine Kapuze ab und führte mich näher an eine Gruppe von bäuerlich aussehenden Familien heran.

„Hey!", zischte jemand hinter uns. Erschrocken stolperten wir über unsere Füße. Es war Jaehyun. Er musste unseren wilden Blick gedeutet haben, der unsere Alarmbereitschaft verriet, denn er hob beschwichtigend beide Arme und kam mit geneigtem Kopf näher. „Entfernt euch nicht von mir. Ich werde euch sonst nicht schützen können."

„Dann musst du uns folgen. Wie sollen wir etwas erreichen, wenn wir an deiner lahmen Kutsche kleben bleiben?", zischte ich zurück, - aufgrund seines Auftretens immer noch mit rasendem Herzen und einem Zittern in den Knochen, das ich nicht zu bändigen wusste. Yoongi legte beschwichtigend eine Hand auf meine Schulter. „Ist gut.", sagte er, so leise, dass Jaehyun kaum eine Ahnung haben konnte, dass er überhaupt etwas gesagt hatte.

Wir drehten uns wieder um. Mit dieser Aktion hatten wir nun doch den Blick einiger Passanten auf uns gezogen. Das war gut. Yoongi straffte die Schultern, sein Schritt war jetzt zielstrebig, sein Blick auf etwas fixiert. Dort war ein Bote, der geduckt und mit kleinen Schritten auf uns zukam. Yoongi folgte ihm mit den Augen, ohne den Kopf zu drehen, als der ausgesprochen winzige Mann auf Jaehyun zutrat und ihm mit glänzender Stirn ein Telegramm hinhielt. Von Jacob?, war mein erster Gedanke. Doch ich sah das Symbol der Krone auf dem Umschlag glänzen und drehte mich enttäuscht wieder nach vorne. In diesem Moment wurde ich an der Hand gepackt und zur Seite gerissen, wo gerade zwei mickrige Kutschen mit einer Unmenge an Menschen im Schlepptau einbogen. Plötzlich erklangen alle Geräusche, die ich zuvor als atmosphärischen Hintergrund akzeptiert hatte, wie eine Welle, die auf mich niederstürmte. Links neben mir schrie ein Baby im Arm seiner Mutter. Ich stolperte fast über ein Kleinkind, dass auf einem Hobby-Horse ritt und laut singend umhersprang. Alle Gedanken setzten aus und wurden durch Panik ersetzt, bis Yoongi mir ins Ohr flüsterte: „Wir müssen untertauchen. Weg von Jaehyun."

Auch wenn meine erste Intuition war, zu protestieren, war ich so erleichtert, dass Yoongi die Kontrolle übernahm, dass ich ihm blindlings folgte. Mit zunehmender Gewissheit weitete sich meine Sicht wieder und ich sah Jaehyuns Uniform zwischen den Kutschtieren aufblinken. Er war noch tief in den Brief vertieft und hatte unser Verschwinden nicht gemerkt. Schon vermischte sich seine Gestalt mit dem reflektiertem Licht der Sonne, dessen Strahlen sich in die Fensterscheiben der Kutschen bohrten. Ich bekam von der Nachwirkung seines Anblickes eine Gänsehaut. Sein Gesicht war eine Maske aus Frust und Verbitterung. Was lief nicht nach Plan?



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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt