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„Jaehyun wird es nicht mögen, dass ich hier herumschleiche.", lächelte ich in die Dunkelheit. Ich hatte vergessen, eine der Kerzen mitzunehmen. Nur ab und zu wurde ein blasses Licht in die langgezogenen Flure gegeben. Lea lief mit beinahe beschwingtem Schritt neben mir her. Bis jetzt waren ihre Lippen beständig zu einer dünnen Linie verzogen und kein Ton drang aus ihrer Kehle. Immer wieder schaute ich prüfend zu dem jungen Mädchen. Sie begegnete meinem Blick nun vollkommen furchtlos.

Ich tastete mich and den Wänden entlang, die sich mal so makellos wie eine Spiegeloberfläche anfühlten und andere Male vernarbt und von vergangenen Zeiten gezeichnet waren. Vor meinem inneren Auge spielte sich eine verrückte Szene nach der anderen ab. Ich erschauerte.
„Was hier wohl alles schon passiert ist...", flüsterte ich.

„Gar nicht so viel."
Überrascht schaute ich zu Lea. Sie grinste.
„Du musst es wissen. Du bist hier ja schon ziemlich lange.", bedachte ich. „Gefällt es dir hier?"

Darauf antwortete sie nicht. Ich musste mich an ihre wechselhaften Launen erst gewöhnen. Diese Unbeständigkeit gefiel mir dennoch in einem so jungen Mädchen, dass wohl schon seit sie denken kann in einzig allein diesem schaurigen Haus lebte.

Ich probierte eine Tür nach der nächsten, doch viele waren abgesperrt. Ich erkannte auch nicht den Eingang zum Speisesaal. Erst als ich verwundert Luft holte - da sich hier die Tür nur mit leicht kratzigem Widerstand öffnen ließ - und gespannt in den Raum blickte, entdeckte ich den mittig stehenden schweren Tisch. Hier waren die Vorhänge ein wenig weiter geöffnet und graues Morgenlicht machte den Staub sichtbar, dort, wo das dünne Licht über die Oberflächen kroch. 

„Wo ist das Zimmer von Jaehyun?", wollte ich wissen, als ich - enttäuscht durch die kaum vorhandenen neuen Entdeckungen - am Ende des Flures stehen blieb.

„Jaehyun ist nicht da.", wiederholte Lea mit gesenkter Stimme.
„Aber du weißt vielleicht, wann er wieder da ist?"
„Nein."

Mit geschlossenen Augen lehnte ich mich gegen die Wand.
„Im zweiten Stock sind die Zimmer von Jaehyun, dem Kutscher und mir. Dann gibt es noch zwei Zimmer auf dem Dachboden.", erzählte das Mädchen beiläufig, mit einer Stimme, die einem teilnahmslosen Schulterzucken glich. Erstaunt schaute ich sie an.
„Kannst du mich hinführen?"

Die Treppe befand sich direkt neben der kleinen Eingangshalle. Beim ersten hineingehen hatte ich sie komplett übersehen, da sie durch eine unscheinbare Tür von dem Raum getrennt wurde. Der Flur im zweiten Stock glich dem unteren mit den blanken Wänden. Lea bewegte sich hier mit Leichtigkeit, während ich ein wenig angespannt und deutlich vorsichtiger hinterher schlich.

Wir kamen an einer Luke vorbei, in der sich ein winziges Fenster befand. Ich spähte hinaus und war beeindruckt. Die Sicht war auf den Eingang gerichtet. Der perfekte Winkel bot einem die Möglichkeit, einen Besucher schon vor seiner Ankunft zu erkennen und zu beobachten.

„Faszinierend.", sagte ich, doch meine Stimme war schon voll von Erschöpfung. Mein Rundgang durch das Haus schien nicht die Lösung zu sein. Langsam bekam ich ein schlechtes Gewissen, da Yoongi wohl im Zimmer geblieben war und auf mich wartete, ja sich vielleicht sogar Sorgen machte, da ich so lange wegblieb.

„Na schön. Ich werde wohl zurückgehen. Danke übrigens, für das Frühstück."
Ich zwinkerte ihr zu und sie verbeugte sich kurz angebunden. Wir liefen hinab und Lea begleitete mich bis zu unserem Zimmer. Ich winkte ihr noch, bis sie in der Dunkelheit des Flurs verschwand.




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt