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Jetzt saß Seojun wie paralysiert auf dem senilen Hocker. Das Holz schien unter ihm zusammenzubrechen wenn er auch nur eine Zehenspitze regte. Er hatte nicht nur das Gespräch am Esstisch gebannt verfolgt. Nein, nachdem sein neuer Arbeitgeber die beiden Jungen in ihr Zimmer gebracht hatte, hatte dieser Seojun damit beauftragt, sich in die Nähe der Tür zu stellen, während er selbst etwas anderes wichtiges erledigen musste.
Dieser Befehl kam Seojun zugute, denn so hatte er - als der Flur in Stille und Dunkelheit versank - sein Ohr an die kalte Tür pressen können. Mehr traute er sich nicht. Vielleicht hätte er hineinstürzen und die Jungen warnen können, doch was, wenn das alles eine Falle war? Nein, er wagte es einfach nicht und dafür verfluchte er sich in Gedanken bitterlich. Erst hatte er den Eindruck, das Krabbeln und Sirren kleiner Tiere in der Fassade hören zu können. Doch nach einer Weile verwandelten sich diese Wahrnehmungen in Stimmen. Bald hatte er sich an die dumpfe Geräuschkulisse so gewöhnt, dass er die Worte beinahe unmissverständlich erfassen konnte.
Als er nach einiger Zeit - in der seine Hände starr vor Kälte geworden waren und sein Rücken zu schmerzen begonnen hatte - das Lauschen aufgab, hatte sich seine Entscheidung bereits tief in ihn hinein genagelt. Er wusste jetzt mehr: sein Sohn und der Junge - welcher doch tatsächlich der totgeglaubte Prinz war - wollten eine Legende unter der Bevölkerung verbreiten, die den Menschen Mut einflößen und an eine Revolution glauben lassen sollte. Auch wenn es Seojun jetzt umso mehr beunruhigte, was der falsche Tierarzt mit den beiden vorhatte, füllte sich sein Herz mit Stolz.
Wenn er bloß irgendwie an das Buch und somit an die Legende herankommen würde, könnte er selbst durch die Stadt fahren und die Legende verbreiten.
In diesem Falle hatte er Glück, denn Jaehyun selbst bot ihm eine Möglichkeit, einen unschuldigen Blick in das Zimmer zu werfen, denn er kam bald zurück und drückte sowohl ihm, als auch den beiden Jungen einige Kerzen in die Hand. „Funktioniert das Licht hier etwa garnicht?", wunderte sich Jimin.
„Wie gesagt, das Gebäude ist aus einer anderen Zeit und niemand hat sich je die Mühe gemacht, es auf den neuesten Stand zu bringen. Dort wo es Lampen gibt, sind diese längst kaputt. Vom Staub ermattet oder von Motten zerfressen. Wer weiß! Kerzen kommen uns deutlich gelegener, denn ihre Helligkeit ist dezenter und wir wollen doch, dass das Haus weiterhin verlassen wirkt..."
In diesem Moment sah Seojun das Buch auf dem Fensterbrett liegen. Adrenalin schoss plötzlich durch seinen Körper. Er wusste, dass er nicht unbemerkt den Raum durchkreuzen konnte, also musste er entweder abwarten, oder eine Gelegenheit schaffen die es ihm erlaubte, an gewünschte Stelle zu treten.
Jaehyun beobachtete streng, wie die Jungen ihre Kerzen anzündeten. Als diese Sache erledigt war, wandte er sich zu den Fenstern und drei Herzen begannen heftig zu schlagen, als sich der Mann dem Buch näherte. Seojun hörte Jimin erleichtert ausatmen, als Jaehyun dem für sie heiligen Gegenstand keinen Blick würdigte und lediglich überprüfte, ob die Fenster vernünftig geschlossen und die Vorhänge bestmöglich drapiert waren.
Doch als auch diese Kontrolle getan war, schaute Jaehyun hinunter und direkt auf den glänzenden Einband.
„Aha. Eine Literatur von höchster Wichtigkeit in diesen Zeiten.", bekannte der Mann und hielt das Buch mit einiger Entfernung hoch, prüfend und nachdenklich. Niemand sagte etwas.
„Ich würde mir das gerne mal ausleihen, wenn es recht ist.", beschloss Jaehyun schließlich und redete weiter, um allen Einwänden aus dem Weg zu gehen: „Morgen werde ich viel unterwegs sein, aber dafür habt ihr hier ausreichend Zeit, um euch auf den nächsten Tag vorzubereiten; einen äußerst wichtigen Tag! Ich bin mir sicher, dass dieses Fest ein gewaltiger Wendepunkt in unserer Geschichte sein wird und sicherlich auch irgendwann Platz in einem solcher Bücher finden wird. Gute Nacht!"
Mit diesen Worten schritt er hinaus und Seojun wich zurück und schaute auf den Boden, um seine auf die Unterhaltung gerichtete Aufmerksamkeit zu vertuschen.
Sobald die Tür verschlossen war, hielt Jaehyun seine Kerze unter Seojuns Kinn. Erschrocken zuckte sein Kopf hoch und er sah in das gehässige Gesicht des Mannes. „Stehen Sie nicht so dumm herum. Gehen Sie auf Ihr Zimmer und ruhen Sie sich aus, damit Sie morgen früh nicht auf Ihrer Kutsche einschlafen. Ich habe da nämlich einen wichtigen Auftrag für Sie.
„Ja, Sir?"
„Ich will keine Fragereien. Ihr Wissen über gewisse Dinge wäre bloße Zeit- und Ressourcenverschwendung. Gehen Sie schon! Ach, und bringen Sie doch dieses Buch in Zimmer 08, Sie erinnern sich doch noch? Niemand soll es in die Finger bekommen, verstanden?"
Angespannt nickte Seojun und nahm das Buch an sich. Der sanfte Stoffbezug fühlte sich vertraut an - als würde er ein geliebtes Buch seiner Kindheit in den Händen halten - und er drückte es an seine Brust, sobald Jaehyun sich umgedreht hatte und eilig in der Dunkelheit des Flurs verschwunden war.
Zimmer 08 war eine Art Stauraum, in dem einige Gegenstände - tatsächlich viele Bücher - aufbewahrt wurden, die den Insassen, Patienten oder Gästen entnommen worden waren und das aus allen möglichen Gründen. Auf gewisse Weise war dieses Zimmer der spannendste Ort im ganzen Gebäude, doch heute würde Seojun nicht einen Schritt hineinwagen. Er konnte sein Glück kaum fassen! Wenn er morgen früh von Jaehyun in die Stadt geschickt werden würde, konnte er dabei ganz sicher seine geheime Aufgabe erfüllen!
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Haunted Prince || Yoonmin
FanfictionJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
