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„Park Jimin. Kann ich dich kurz entführen?", waren Jaehyuns Worte, als er spät abends an unsere Tür klopfte und sie schließlich öffnete, während Yoongi und ich uns alarmiert in unserem Bett aufsetzten.
War es sicher? Alleine mit Jaehyun in einem Raum? Doch im Licht der zwei Kerzen musste der Arzt schon erkannt haben, dass das außer Frage stand.
„Sie stören unsere Ruhe. Wenn etwas so wichtig ist, möchte ich es auch hören.", konterte Yoongi und legte sichtbar eine Hand auf meine Schulter. Er würde mich niemals gehen lassen. Jaehyun war zu gefährlich. Und zu zeigen, dass wir diese Gefahr erkannt hatten, war es Yoongi wert um mich beschützen zu können.

„Nun gut, ich verstehe. Es ist wohl besser so.", gab Jaeyhun nach. Etwas in seiner Stimme weichte von seiner sonst so verbissenen Art ab. Wie ein Teilchen aus einem großen Netzwerk, dass sich plötzlich lockerte.

„Zuerst bin ich euch eine Erklärung schuldig. Die abgeschlossene Tür...", er blickte zu eben dieser, die er mit einem Stuhl offen gehalten hatte und die jetzt ein rechteckiges Loch von tiefer Schwärze bildete.

„Es ist besser ihr seid hier eingeschlossen, als dass ihr gefunden und ausgeliefert werdet. Heute Morgen bestanden zwei Herren auf Einlass. Soldaten. Es hat mich einige Nerven und präzises Schauspiel gekostet, sie davon zu überzeugen, dass ich hier rechtmäßiger Eigentümer dieses Grundstücks bin.
Wenn so etwas wieder passiert, kann ich eure Sicherheit nicht mehr garantieren. Die Türen hier sind der größte Schutzschild, den ich euch bieten kann."

Während er diesen Vortrag hielt, lief Jaeyhun in einer geraden Linie vor den Fenstern hin und her. Sein Blick verfehlte uns immer um einen Lichtstrahl.

„Dann diese ganze Diskretion... wenn euch etwas zustößt, ist es besser, wenn ihr so wenig wie möglich wisst. Um nicht mich, das Mädchen, den Kutscher oder sogar Jack in Gefahr zu bringen. Die Folgen möchte ich mir garnicht ausmalen."

Dieses Argument erschütterte mich. Automatisch nickte ich verstehend mit dem Kopf bei dem Gedanken, Jacob hinter Gitterstäben zu wissen. Yoongi hingegen reagierte, indem er aufstand und das Zimmer verließ. Einfach so. Verblüfft schaute ich ihm nach. War das der Beginn eines Arguments seinerseits? Wollte er uns etwas zeigen?

Mit unbehaglicher Nervosität rutschte ich auf dem quietschenden Bett hin und her. Die Seite meines Körpers, die zuvor noch von Yoongis Nähe gewärmt worden war, saugte jetzt die Kälte auf. Ohne den Älteren fühlte ich mich hilflos. Ich war hilflos. Meine Angst stieg, als der Mann auf mich zukam und sich nah an das Bett auf einen Stuhl setzte. Aber dann saß er dort bloß und schaute mich an wie ein abstraktes Gemälde. Wie in Gedanken vertieft und trotzdem bewusst genug, um etwas ganz nichtexistentes herausfinden zu wollen.

Leise sprach er weiter: „Es ist schon einige Jahre her, aber ich habe noch gut vor Augen, wie Jacobs Haus aussah, als kein rotgestrichener kleiner Block daneben stand. Es war einiges zu machen. Und Jackson, sein Sohn, war voller Tatendrang, seinem Vater zu helfen." Jaehyun schaute in die Leere, die zwischen uns waberte.
Ein Anflug von einem Lächeln zog sich um seine streng gezogenen Lippen. Dieser so ungewöhnliche Anblick verwandelte ihn in eine ulkige Maske; eine Grimasse.

„Ich erinnere mich insbesondere an ein Weihnachten. Es hat über Nacht geschneit wie verrückt und Jackson und ich haben fleißig den Weg frei geschaufelt. Ich war stolz, dort Gast sein zu dürfen und nicht bei meinen verzankten Eltern verweilen zu müssen."

„Du warst im selben Alter wie Jackson, richtig?", unterbrach ich ihn. Er hatte mein Interesse geweckt. Seine Geschichte entfachte in mir das Bedürfnis, nach Zusammenhängen zu suchen.
„Ja, ich war mit Jacobs Sohn befreundet..."

Ich hoffte sehr, dass er noch mehr zu erzählen hatte. Das konnte nicht alles sein. Von Jacob wussten wir nur, dass sein Sohn Jackson viel gereist war und irgendwann einfach nicht mehr wiedergekommen war. Kein Lebenszeichen mehr. Keine Briefe. Keine Postkarten.
Mir kam der Gedanke, dass Jaeyhun Jacob so viel bedeutete, weil er so viele Erinnerungen mit sich trug, die seinen Sohn für ihn greifbarer machten; oder zumindest eine solche Illusion erschufen. Er war kein Ersatz. Aber es schien ihm ein Trost gewesen zu sein, einen wissensdurstigen Jungen bei sich zu haben. Meine Hände vergruben sich in den Seitentaschen des Pullovers, der ehemalig Jackson gehört hatte.

Ich wollte nicht weiter nachfragen, was mit der eigenen Familie des Tierarztes passiert war. Stattdessen merkte ich an: „Meine Mutter hat Jacob und seinen Sohn in früheren Jahren einige Male besucht. Vor allem zur Weihnachtszeit."

Jaehyun senkte mit einem rohen Lächeln die Augen. Er schlug ein Bein über das andere, verfehlte aber dabei, es sich auf dem knarzenden Hocker gemütlich zu machen. Sein langes Schweigen bestätigte, dass es genau das war, worauf er hinauswollte.

„Es erschien mir damals nicht wichtig, aber da Jacob nie viel Besuch empfing, habe ich dennoch einige Erinnerungen. Ich möchte dir erzählen, wie ich dich kennengelernt habe. Dich und deine Mutter."

In meinem Kopf drehten sich die Dinge. Vielleicht hatte Yoongi es bloß früher als ich erkannt, dass Jaehyuns Gesprächsbedarf auf etwas sehr persönlichem beruhte. Möglicherweise hoffte er darauf, dass ich auf diese Weise wichtige Inormationen erhalten konnte, die uns noch zugute kommen würden und die uns verwehrt bleiben würden, wenn er sich nicht aus dem Gespräch ausgeschlossen hätte.

Ob Jaehyun nun schlechtes im Sinn hatte oder nicht, im hier und jetzt waren wir bloß zwei Menschen mit einer gemeinsamen Erinnerung, ohne jeglichen Einfluss von Gutem oder Bösen.


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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt