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Die zweite Zeitung wurde uns am Nachmittag des folgenden Tages gebracht. Ich laß sie mit Jacob gemeinsam auf dem Hof, auf einer Holzbank zwischen Kuh- und Pferdestall sitzend. Der Farmer nahm einen kräftigen Zug von seiner Zigarre. Ein Geruch, an den ich mich in den letzten Tagen gewöhnt hatte. Er erinnerte mich an das Rauchen meines Vaters in sehr frühen Jahren. Manchmal dachte ich darüber nach, ob es mich traurig machte, dass ich nur so wenige Erinnerungen an meinen Vater hatte. Und das die meisten davon nicht einmal schön waren, wenn auch nicht schlecht, sondern einfach so alltäglich, dass ich sie umso unwichtiger empfand. Wahrscheinlich würde ich in einigen Jahren kaum ein Bild mehr von ihm im Kopf haben. Aber Gerüche waren etwas anderes. Sie kamen plötzlich und man kann sie nicht verdrängen. Man kann nicht plötzlich aufhören zu Atmen. Und so waren es Gerüche, die meinen Vater in meinen Erinnerungen bewahrten. Wenn ich die Augen schloß, konnte ich mir vorstellen, dass nicht Jacob, sondern mein Vater neben mir saß und rauchte. Manchmal mochte ich diesen Gedanken. Manchmal mochte ich ihn nicht.

Die zweite Zeitung war in etwa das Gegenteil zur vorherigen. Der unzensierte Artikel der letzten Ausgabe war der Auslöser für das, was in der neuen Ausgabe stand: Das Königspaar wird ein Fest geben. Um den Bürgern ihre Dankbarkeit zu zeigen! Ich rümpfte die Nase. Nicht nur, weil mich einzelne Haarsträhnen im Gesicht kitzelten. Diese Ausgabe schien nach strenger Überprüfung herausgegeben worden sein. Sie glänzte voll schmeichelhafter Zeilen über die gute Arbeit der Bürger für die Stadt und etwas über Ehre und Gott und... nein, das war alles nur dazu da, um die Unruhen einzudämmen und das skeptische Volk in seine Schranken zu weisen. Es war wie ein Schachspiel. Diesen Zug hätte man vorhersehen können. Es wurde ausdrücklich eine Einladung an das einfache Bürgertum ausgesprochen. Wie würde dieses Reagieren? War es Verrat, wenn man sich darauf einließe?

Mein Herz klopfte schneller. „Wir müssen dahin!", wandte ich mich aufgeregt an Jacob. „Er muss vor die Bevölkerung treten, die ihm glauben wird. Genau diese Leute werden das sein! Nur so kann er seinen rechtmäßigen Platz wieder einnehmen!"
Der Farmer hatte bis jetzt noch nichts gesagt und wartete weitere Sekunden, bis er abwog: „Es ist eine Chance für euch. Aber auch ein Risiko. Vor allem für ihn." Er dachte an Yoongi. Er sah ihn, nicht nur als Prinzen ohne Familie und Erfahrung, sondern auch als Junge mit einem empfindlichem Herzen, der gebrechlich war und der gelitten hatte.

„Er wird es wollen, dass wir hingehen. Und ich will es auch. Ich muss Mama und Mina zurückholen. Mein Herz lässt mir keine andere Wahl."
Jacob nickte bedächtig. „Ich werde euch hinbegleiten, doch ich werde nicht lange bleiben können. Das Fest soll in drei Tagen stattfinden. Bis dahin muss Yoongi sich erholt haben. Er ist ja immer noch schwach."
„Es geht ihm schon besser.", erwiderte ich zögernd. Ich war mir dessen nicht ganz so sicher. Es war so schwer, Yoongis Zustand zu durchschauen. Er kam mir manchmal wie eine Statue vor, die bröckelte. Doch in ihm war nicht nur Stein oder Metal. In ihm war der Wille, sich seinem Schicksal zu stellen. Bald würde es soweit sein.

Seufzend ließ ich die Schultern hängen.
„Ich mag ihn wirklich sehr, Jack.", murmelte ich: „Wäre er kein Prinz, ich glaube ich würde ihn anflehen, für immer bei mir zu bleiben. Aber ich weiß, dass das keine Zukunft hat. Er wird bald heiraten müssen. Sein Leben wird anders sein als das meine. Er wird keine Zeit mehr für mich haben."
Jacob protestierte nicht. Ich wünschte, er hätte mir widersprochen, hätte mir gesagt, dass Yoongi sicher immer für mich da sein würde. Stattdessen sagte er: „Du solltest ihm von den Zeitungen erzählen. Jimin, du bist ein guter Junge. Egal was passiert, Yoongi wird das wissen, so wie ich es auch weiß."




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt