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Meine Hände. Ich spürte sie kaum, aber ich sah sie vor meinen Augen wie zwei Messer, getränkt in stillstehender Zeit. Ein unglaublicher Lärm breitete sich um mich herum aus und umgab mich wie eine Seifenblase. Ich fühlte mich seltsam sicher in ihrer Mitte. Oder vielleicht verlor sich das Gefühl von Sicherheit auch in einem tiefen Egalsein, denn mein Körper reagierte bloß auf Schock und Trauer, während mein Kopf in der Zeit stehen geblieben war und keinen Zentimeter mehr voran denken wollte.
Ich hielt mich verkrampft an der Jacke meines Vaters fest. Seine erstarrten Augen hatte ich ohne nachzudenken bereits geschlossen. Heftige Schluchzer, die einen mir ganz unbekannten Ton erzeugten, drangen aus meiner Kehle. Und plötzlich vergaß ich alles und hatte nur noch das Bedürfnis, mich tief in Yoongis Umarmung zu vergraben und nie wieder in die Welt zu blicken. Ich schloss die Augen und hatte das Gefühl zu fallen bis...
Bis ich auf wundersame Weise aufgefangen wurde. Ich atmete tief den mir so bekannt gewordenen Geruch ein. Fast entkam mir ein Seufzen, doch noch wollte mein Körper ein solches Geräusch nicht zulassen. Stattdessen erschlaffte ich, während mein Herz halb versteinert, schmerzend und hart in meiner Brust schlug, als wolle es meinen so empfindlichen Körper komplett auseinander brechen und sich einen gemütlicheren Körper suchen, in dem nicht gerade ein Tornado an Nichts und Allem zu herrschen schien.
„Jiminie, wir müssen hier weg. Ich verstehe, dass du schwach bist, aber wir müssen.", Seine raue Stimme klang eindringlich und so ernst wie noch nie. Ich versuchte aufzuschauen. Ich hob meinen schweren Kopf. Ich hörte meinen eigenen Atem und den von Yoongi. Seine warmen Hände versuchten mich zu stützen. Er war ganz nah bei mir. Ich wollte tun was er sagte, selbst wenn mein Bewusstsein seine Worte rational nicht verstehen konnte. Ich wollte bei meinem Vater bleiben! Warum kam denn nicht Jaehyun, um mich schließlich zu vernichten? Endlich kam ein Gedanke bei mir an, der mich irritierte und klarer sehen ließ. Wo war Jaehyun?
Die Reihe an Soldaten war noch da. Einige sprachen hastig miteinander. Manche machten sich so klein wie möglich und schauten unbeteiligt auf den Boden. Sie hegten weder Sympathie für ihren Anführer, noch trauten sie sich, schwere Folgen für eine fremde, scheinbar verfolgte Person in Kauf zu nehmen. Sie machten dies alles ja bloß, um nicht selbst verfolgt und eingesperrt zu werden! Diesen Satz konnte man einem Jeden von ihnen von den Lippen ablesen. Ich fürchtete mich nicht vor ihnen.
Warum also wollte Yoongi so schnell weg? Ich wollte ihm nicht in die Augen schauen, aus Angst, was ich in ihnen lesen würde.
Stattdessen neigte ich den Kopf zur Seite, wo ich nah bei uns eine Unruhe wahrnahm. Überwältigt von dem Anblick des verletzten Tieres, welches ich vor Schreck fast vergessen hatte, wich ich zurück. Yoongi hatte meine verkrampften Hände von der Kleidung meines Vaters getrennt und versuchte behutsam, mich aufzurichten. Auch das Einhorn stemmte sich wieder auf die Beine.
„Es kann nicht lange dauern und ein anderer Soldat wird sich dazu durchringen auf uns zu schiessen. Sie kommen schon näher, los Jimin, bitte!", flehte Yoongi mich an. Ich stolperte mit ihm dem verletzten Tier hinterher, welches zwar ruhig aber dennoch mit Schwierigkeit einen möglichst sicheren Weg durch die sich verdichtende Menge erarbeitete. Ich war wieder blind und fassungslos.
„So geht das nicht weiter.", seufzte Yoongi verzweifelt. Ich konnte seine Gedanken rasen hören. Ich wollte ihm keine Schwierigkeiten bereiten. „Lass mich hier, du musst weg, Yoongi.", brach es gequält aus mir heraus. Ein Zeugnis meines emotionalen Zustands. Würde Yoongi mich loslassen, würde ich auf der Stelle zusammenbrechen.
„Kommt nicht in Frage.", erwiderte er zu meiner unaufhaltbaren Erleichterung.
Er schien entschlossen. „Halt dich an meiner Schulter fest.", ordnete er an und positionierte sich vor mir. Ich versuchte mich zu orientieren. Ganz geleitet von Yoongis Worten als Insel im Chaos, krallte ich mich an seine Schulter. Etwas passierte. Ich konnte es nicht einordnen. Es war, als würde eine starke Sonne auf Yoongis Haut scheinen, sodass sie glänzte und selbst erstrahlte wie eine Wasseroberfläche; ein Weiß, dass so kräftig und warm war, dass es sich in die Netzhaut einbrannte. Ich kniff die Augen zusammen. Unter meinem Griff zerriss Yoongis Kleidung, seine Gestalt bewegte sich, bäumte sich auf. Meine Hände fassten nun Fell und ich wusste, was passierte. Es waren wenige Sekunden, und schon umschlang ich mit den Armen den Hals des Tieres, auf dessen Rücken ich sicher getragen wurde. Sobald Yoongi sich meiner Gefasstheit sicher war, erhöhte er das Tempo. Bald galoppierten wir durch die aufgewirbelte Menge wie ein Wal durch das Meer gleitet.
Mich erfasste die Nebenwirkung dieser Schnelligkeit und des flüchtigen Windes auf meiner Haut und in meinen Haaren: Freiheit.
Die mir so vertraute Bewegung des Reitens beruhigte mich. Tränen lagen in meinen Augen und ich wollte sie ebenso wenig loslassen wie Yoongis weiche Mähne.
Wir ließen die Seitengassen hinter uns. Ein goldenes Feld erstreckte sich vor uns. Yoongi schlug den Weg durch den Wald ein. Nur kurz hielten wir an einem Bach an. Ich wusch mir die Hände und versuchte dabei nicht nachzudenken. Dabei half es mir, den zwei magischen Wesen beim trinken zuzusehen.
Gefärbte Blätter begleiteten uns tanzend auf unserem Weg. Und bald hörte ich weiteres Schnauben und ein drittes Einhorn hängte sich uns an. Dann ein viertes und ein fünftes. Staunend blickte ich um uns. Unser Galopp erweichte in ein zügiges Traben, als die Herde tiefer und tiefer in den Wald drang. Meine Aufmerksamkeit wurde vollkommen durch ihre natürliche Art der Verständigung aufgenommen. Ein Schnauben, ein Wiehern, ein Herumwerfen des Kopfes, das Aufblähen der Nüstern, das Zucken der Ohren. Fasziniert nahm ich den Moment in mich auf. Ich fühlte mich sicher und geborgen. Wären da bloß nicht die Bilder, die sich ungefragt wieder in meinen Kopf drängten. Erschöpft ließ ich mich tragen.
Die Herde verlangsamte ihr Tempo. Es war so dunkel, dass man kaum glauben konnte, dass es gerade Nachmittag wurde. Und es war wohl genau der Plan, sich in dieser Dunkelheit zu verstecken. Mit einem schwachen Lächeln erkannte ich die Stelle wieder, an der ich schon einmal mit Yoongi ausgeharrt hatte. Die Höhle war kühl, doch die Tiere drängten sich wärmend um mich. Langsam ließ ich mich zu Boden fallen. Ich atmete tief ein und aus. Das war es. Das hatte uns der Tag also gebracht. Zwar drohte die Dunkelheit mich zu verschlucken, doch immerhin war sie sicher und ich war nicht allein.
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Haunted Prince || Yoonmin
Hayran KurguJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
