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Die Tür war nur angelehnt und kein Geräusch war zu hören. Ich sah das unbeständige Flackern der Kerze. Es warf verschwommene Schatten an die Wände.

Als ich eintrat, schaute Yoongi mit ausdruckslosem Gesicht hoch. Seine Augen trafen nicht direkt auf meine und es war unmöglich zu sagen, ob diese Geste seine Absicht war. Er war blass, seine Haare hatte er zurückgekämmt und sie waren feucht. Ich war froh, dass Yoongi also nicht regungslos auf mich gewartet hatte. Auch ich sollte mich im Bad ein wenig frisch machen, doch mein Magen riet mir, das Frühstück zu priorisieren.

Mit gesenktem Blick nahm ich neben Yoongi auf dem Bett platz. Es knarzte unter meinem Gewicht, was die unangenehme Stille nur umso mehr betonte.
Ich deutete auf den Wagen, auf dem zwei Teller und Schüsseln mit Milch, zwei Tassen, eine Teekanne und einige Scheiben Brot mit Butter zu erkennen waren.

„Möchtest du nicht etwas essen?"
Nervös rieb ich meine Knie. Mir war kalt und ich ging schließlich ohne eine Antwort von Yoongi auf den Wagen zu, um mir Tee einzugießen.
Zögernd ergriff ich auch die zweite Tasse. Das Geräusch des gurgelnden Wassers schien das gesamte Haus auszufüllen.

„Bitte sag doch etwas.", seufzte ich und setzte mich - diesmal mit ein wenig mehr Abstand - neben den Älteren. Endlich blickte er mich an.

„Wir wissen nicht, ob wir diesem Mädchen vertrauen können.", wollte er mich warnen, doch ich unterbrach ihn: „Ich weiß. Du möchtest sagen, dass sie von diesem Haus geprägt ist und Jaehyun sie unter Kontrolle hat. Aber sie ist ein Kind. Sie hat keine politische Meinung oder sonst was, Yoongi. Wir können sie ganz einfach auf unsere Seite ziehen, wenn wir liebevoll mit ihr umgehen. Und ich würde behaupten, dass sie das verdient hat."

„Ja.", tat Yoongi meine Rede mit einem einfachen Nicken ab.
Verärgert stotterte ich: „Ja? Einfach ‚ja'?
„Jimin, du bist ungeduldig. Du forderst mich heraus und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll, um dich zufriedenzustellen."

Staunend hielt ich inne.
„Du sollst dich doch nicht so und so Verhalten, nur um mich zufriedenzustellen!", brach es aus mir heraus.
Ich fühlte mich an frühere Tage erinnert, als Yoongi neben mir im Sonnenlicht auf der Bank gesessen hatte. Ich hatte ihn damals gefragt, was er früher am liebsten getan hatte, als er als Königssohn so viele Möglichkeiten gehabt hatte, alles mögliche spaßige auszuprobieren.
Er wüsste es nicht mehr, war seine Antwort gewesen. Das Reiten habe ihm Spaß gemacht, er habe eine gute Verbindung mit den Tieren gepflegt und er habe auch das Klavierspielen genossen. „Das ist doch schon mal etwas. Warum sagt du dann erst, du weißt es nicht?", hatte ich entgegnet. „Ich wusste es erst wirklich nicht. Aber als mir einfiel, wie gerne du den Geräuschen der Natur lauschst und dabei so schöne Melodien singst und wie du so gut mit den Pferden umgehst, da erschienen mir genau diese Aktivitäten als die einzig richtigen Antworten."
Damals hatte mich seine Erklärung lächeln lassen. Es war eine goldene Erinnerung. So golden wie das Licht, das Zirpen der Grillen, als der Tag sich neigte und Minas Lachen als dumpfe Melodie im Inneren des Hauses. Meines Zuhauses. Meines so wundervollen, perfekten Zuhauses.

„Jimin. Ich möchte nicht mit dir streiten, ich... möchte nur vorsichtig sein. Wenn morgen etwas schief geht..."
„Aber Yoongi! Siehst du nicht, wie erbärmlich unsere Situation ist? Ich möchte zurück zu meiner Familie und du kannst nicht König werden, wenn die Menschen nicht wissen, dass du existierst! Es kann nur besser werden. Gerade bist du ein schwacher Junge mit wenig Kleidung und den paar Münzen, die Jackob uns gab. Du hast nicht einmal ein eigenes Zuhause. Morgen könntest du schon alles haben!"

Yoongi erhob sich unvermittelt und es sah aus, als sei ihm schwindelig. Sein Atem war flach und sein Körper schlaff, als würde er wie ein schwerer Sack am Boden zusammensinken. Eilig ergriff ich seinen Arm und stützte ihn. Er klammerte sich an mich und ich spürte wie die Tränen sich in meinen Augenwinkeln formten. Wenn ich die Augen schloss, konnte ich mir vorstellen, wie es wieder Sommer war und ich diesen kraftlosen Jungen in der Wiese sitzen sah, umgeben von wilden Blumen und Schmetterlingen. Ich hatte ihn ins Haus gebracht und ihn gepflegt, weil er so blass und dünn war und nirgendwo zu Hause zu sein schien. Zu Hause. Wo war jetzt ‚zu Hause'?
Schluchzend ließ ich meinen Kopf auf seine Schulter sinken, als wir gemeinsam auf unserem spärlichen Bettlager landeten.

„Doch, ich habe etwas zu verlieren.", flüsterte Yoongi mir ins Ohr und meine Tränen glühten heiß auf meinen Lippen.
„Nein... Nein...", murmelte ich quälend. Das konnte es nicht sein, was Yoongi in seiner Vision gesehen hatte. Nein, das war nicht der Grund, warum er in diesen Träumen ständig meinen Namen wimmerte und die Schüsse...

„Ich habe dich zu verlieren, Jiminie."






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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt