⋄⋅⋆⋅⋄⋅⋆⋅⋄
Zwischen den Strohballen schlummerte ich eine Weile, in Gedanken damit beschäftigt, keine Gedanken zu denken, was natürlich überhaupt nicht funktionierte. Meine Lippen prickelten, das Gefühl von dem Kuss ebbte nur langsam ab und die Panik stieg in Wellen immer wieder in mir auf.
Es musste etwas weniger als eine Stunde vergangen sein, bis sich knarrend die große Scheunentür öffnete. Ich vergrub mich noch tiefer im Stroh und hielt den Atem an.
Ich hörte Yoongis sanfte Schritte immer näher kommen und schließlich stehen bleiben.
„Jimin.", hörte ich seine Stimme sagen; leise und rau. Es beruhigte mich sogar ein wenig, doch ich verharrte weiterhin in meiner Position.
Und dann war er plötzlich direkt neben mir und setzte sich auf einen Heuballen.
Er schaute mich nicht an, sondern irgendwo ins Leere. Ich kniff die Augen zusammen und hoffte dadurch komplett zu verschwinden. Doch als mein Kopf anfing zu schmerzen, ließ ich es wieder bleiben und leistete dem Anderen beim in die Leere starren gesellschaft. Ein paar mal hatte ich zum Sprechen angesetzt, doch mehr als ein gebrochenes Ausatmen kam dabei nicht herausbekommen, denn alles was ich sagen wollte, traute sich nicht über meine Lippen.
Ich reimte mir gerade einen neuen Satz zusammen, als der Andere mir diese schwere Arbeit abnahm: „Wir schaffen das nicht ganz alleine."
Mein Herz machte einen Satz bei dem Wort „wir".
Ich sammelte angestrengt meine Konzentration, um über das nachzudenken, was er als nächstes sagte: „Kennst du irgendjemanden, den wir erreichen können. Und dem wir vertrauen können?"
Ich war froh, dass er nicht von dem Kuss redete, sondern von unser allgemein-kritischen Situation.
Ein verzerrtes Bild schob sich vor mein inneres Auge: ein ranziges, aber großes Haus mit einem frisch gestrichenem, zinnoberroten Kasten daneben. Ich war vielleicht sechs Jahre alt gewesen, als wir das letzte Mal da gewesen waren.
Mit schwacher Stimme antwortete ich schließlich: „Ein guter Freund von meiner Mutter, oder zumindest war er das mal, wohnt südlich des Lichtblausees. Soweit ich weiß ist er politisch nicht interessiert. Er hat aber immer sehr zu seinen Freunden gehalten." Letzteres war eher eine Vermutung; eine Hoffnung.
Als es wieder eine Weile still war, fragte ich leise: „Was hast du jetzt vor?"
Sofort hatte ich das Gefühl, dass es eine blöde Frage war. Aber Yoongi beantwortete sie trotzdem: „Wir können hier erstmal nicht bleiben, Jimin. Bald werden wieder Soldaten kommen, die wissen sicher schon längst, dass du dich irgendwo hier rumtreibst. Wir beide werden jetzt verfolgt, Jimin. Aber nicht, wenn wir tatsächlich fliehen. Das ist denen wahrscheinlich ziemlich egal, weil sie die Gefahr die von dir ausgeht, sollten sie über die Flyer Bescheid wissen, dann als zu unbedeutend einstufen werden. Wir sollten ein wenig untertauchen. Und wir brauchen Unterstützung. Spätestens morgen früh sollten wir uns auf dem Weg zu diesem Freund machen."
Mit einem zustimmenden Nicken meinerseits schien das Thema beendet zu sein. Mir wurde ein wenig schlecht bei dem Gedanken, mein zu Hause einfach hinter mir zu lassen. Ich hatte schon meine Mutter und meine Schwester verloren. Wenn ich jetzt auch noch von hier verschwinden würde, bliebe mir nichts außer die blinde Hoffnung, alles wiederzubekommen, sobald die Regierung gestürzt worden war. Sofort kam wieder Wut und Panik in mir auf und ich hielt alles angestrengt zurück, indem ich einzelne Strohhalme mit den Fingern zerdrückte.
„Ich werde heute hier schlafen.", verkündete ich monoton und warf die zerdrückten Halme von mir weg. „Okay.", kam es von Yoongi und es klang ein wenig hilflos, als ob er an diesem „okay" zweifle. „Okay, aber Jimin, wenn das jetzt wegen..."
„Vergiss es einfach, Yoongi. Vergiss es.", viel ich ihm ins Wort, um den Moment hinter mich zu bringen, als er zögerte, weiterzusprechen. Dabei sah ich nur kurz auf, in Yoongis blasses, zartes Gesicht, und dann wieder auf meine Schuhe, die halb im Stroh vergraben waren. Ich wartete, bis Yoongi aufgestanden und aus der Scheune verschwunden war, lauschte seinen gemächlichen Schritten und ließ mich dann seufzend zurück ins Stroh fallen, als würde ich davon verschluckt und in ein anderes Universum katapultiert werden.
⋄⋅⋆⋅⋄⋅⋆⋅⋄
DU LIEST GERADE
Haunted Prince || Yoonmin
Fiksi PenggemarJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
