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„Das war eine Gelegenheit.", murmelte ich aufgelöst. Ich packte Yoongi am Arm. „Wir sollten ihm nachlaufen. Ihm erklären, dass es wahr ist! Dass du wirklich der Sohn des ehemaligen Königs Min Seokjin bist!"

Yoongi zuckte bei dem Namen seines Vaters zusammen. Unwillkürlich musste ich an meinen eigenen Vater denken. Schaudernd wischte ich den Gedanken weg, dass in eben diesem Moment auch er die laute Musik und das Trommeln hörte und in seiner Soldaten-Uniform schwitzte. Wenn er noch in der Stadt war... wenn er noch lebte...

Uns erfasste eine Welle an umherirrenden Männern und Frauen, sodass der alte Mann erfolgreich aus unserem Blickfeld verschwand, wie ein Regentropfen, sobald er im Meer landete. Dahinter hörten wir ein einheitliches Stampfen, dessen trommelnder Lärm nur die Stiefel der Soldaten bedeuten konnte. Yoongi ergriff meine Hand. In seinem Druck spürte ich die Angst, von mir getrennt zu werden. Wir klammerten uns im Getümmel aneinander. „Wir müssen zum Gefängnis!", signalisierte ich Yoongi so gut es ging inmitten des Trubels. Er nickte und zog mich gegen den Strom. Bald waren wir am Rand der Menschenwoge und hetzten in die entgegengesetzte Richtung. Mit einer abwesenden Bewegung streifte Yoongi sich wieder die Kapuze über, als unzählige Soldaten an uns vorüberzogen. Jetzt konnte man auch die Unstimmigkeit des Stampfens heraushören. Diese Truppe war nicht gut aufeinander abgestimmt. Die Gesichter waren blass und die Augen klein. Sie waren erschöpft. Sie wollten das alles nicht. So las ich es in den vorüberschreitenden Gesichtszügen. Doch ab und zu mischten sich stählerne Blicke und angespannte Unterkiefer unter. Es konnte kein Zufall sein, dass mir in diesem Moment wieder Jaehyun in den Sinn kam, der gerade irgendwo durch die Straßen hetzte, um uns zu suchen.

„Ob das schon Gefangene waren? Hätten wir nicht doch unter ihnen bleiben sollen?", hinterfragte ich unser Vorgehen. Der Ältere schüttelte den Kopf: „Dafür war dieses Getümmel noch zu anständig gekleidet und zurechtgemacht. Und die Soldaten zu harmlos. Die hätten sonst schon längst ihre Waffen auf jemanden gerichtet."

Yoongi rieb sich seine Ellenbogen, mit denen er uns den Weg zum abseits liegenden Park verschafft hatte. Er tastete in seiner Jackentasche herum und sogleich wurde sein Atem ruhiger. Nun wusste ich, um was sich seine Finger schlossen. Der Stein verlieh ihm ein Gefühl von Sicherheit. Ich hatte noch gut die Kälte dieses mysteriösen Gegenstandes in Erinnerung, also griff ich nach seiner Hand, sobald er sie aus der Tasche nahm und fühlte in seiner Handfläche nach der Kühle. Seine Handfläche war eisig. Es musste noch mehr dahinter stecken, denn auf mich wirkte diese Übertragung nicht. Anstatt Sicherheit fiel Rastlosigkeit über mich her.

„Hey! Habt ihr schon davon gehört?"
Eine mittelalte Frau mit kurzen Haaren, die sich in ihrem Nacken kräuselten, streckte die Hände beinahe tastend nach uns aus.
„Habt ihr schon davon gehört?"
Ihr Kopf war nach unten geneigt, doch weil sie kleiner war als Yoongi und ich, hob sie den Blick. Wie benommen zeigte sie uns das weiße ihrer Augen. Ihre Hände machten halt, bevor sie unsere Schultern berührten. Wie in Zeitlupe wichen wir zurück. Der Lärm hatte sich gelegt und wir standen nahe einer rustikalen Holzbank. Eine Baumgruppe mit weitreichenden, im Wind schwankenden Kronen verlieh uns Schatten und ich wollte mich am liebsten darin verstecken. Als Kind hatte ich immer geglaubt, dass im Schatten zu stehen die selbe Wirkung hatte wie Unsichtbar zu sein. Da wo kein Licht ist - war mein naiver Gedanke gewesen - kann ich nicht gesehen werden; nicht gefunden werden.

Die Fremde bemerkte unsere Unsicherheit und da wir wohl ahnungslos waren, wovon sie sprach, senkte sie die Stimme soweit, dass sie wie ein Röcheln klang: „Es geht um die Legende. Hier... hier habe ich einen Zettel. Da steht sie! Es soll ein Junge auftauchen, zusammen mit einem Geschöpf, dass uns alle von dem Unheil befreien wird, dass über diese Stadt gezogen ist!"




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt