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Mit gesenktem Kopf machte Lea die Suppe warm. Dabei hörte sie folgendes Gespräch mit:

„Wo waren Sie?"
„Sir, ich war in meinem Zimmer."
„Ich habe Ihnen befohlen, hier aufzupassen! Nehmen Sie diesen Job nicht ernst?"
„Sir, es erschien mir alles so friedlich. Ich bin mir meines Fehlers bewusst und werde ab sofort absolut aufmerksam sein. Was immer Sie wünschen."

Eine lange Pause folgte. Dann: „Sie werden sich sogleich unter Beweis stellen. Aufgrund ihrer Nachlässigkeit muss ich ein weiteres Mal fort. Die armen Pferde! Sie werden mit den beiden Jungen alleine essen. Doch wagen Sie es nicht, achtlos in einer Ecke zu kauern. Aufmerksamkeit! Sie werden mich über jedes Verhalten der Jungen in Kenntnis setzten, sobald ich wieder zurück bin!"

Das war ein Machtwort. Lea sah auf und erkannte in Jaehyuns Gesicht den Blick, den er ihr nur gab, wenn tatsächlich etwas ganz furchtbares passiert war.
Und was noch viel grausamer war: Jetzt wendete er sich mit genau diesem Blick zu ihr. Es war zu spät, um wegzuschauen. Welche Strafe würde sie erwarten?

„Ich habe viel Arbeit in deine Erziehung gesteckt.", zischte er, während der Kutscher sich mit einem Schaudern zurückzog. „Damit du nicht so wirst wie deine Eltern. Aber jetzt habe ich keine andere Wahl mehr. Ich scheine den Einfluss auf dich zu verlieren."
Redete er überhaupt noch mit ihr? Seine Augen sahen aus wie eine vernebelte Wand. Mit der Wand also sprach er, nicht mit ihr. Sie hatte keine Eltern. Nie war die Rede von Eltern gewesen.

„In einer Viertelstunde werden wir dieses Haus verlassen. Und erwarte keine allzu schnelle Rückkehr! Ist die Suppe fertig?"

Eine Stunde später stand das junge Mädchen zitternd in einer Runde von acht Gefangenen, die sie in ihrer Zelle mit argwöhnischen oder mitleidigen Blicken begutachteten. Lea war müde. Sie wollte sich hinsetzten und die Augen schließen. Jedesmal, wenn alles dunkel wurde, spürte sie ihre Muskeln erschlaffen. Sie kippte nach vorne, riss erschrocken die Augen auf und ihr Körper wippte vor und zurück wie eine aus dem Gleichgewicht geratene Tasse.

Jemand legte eine Decke über ihre zusammengekauerte Gestalt. Lea sah hoch und blickte in ihr Spiegelbild. Oder? Nein, es waren die großen pechschwarzen Augen eines Mädchens. Ihre langen schwarzen Haare waren mit Staub versehen und Strähnen verhedderten sich wie die Linien eines Spinnennetzes. Sie bildeten wirre Muster über ihrer Stirn und den bleichen Wangen.

„Keine Angst...", flüsterte das Mädchen. Sie verdeckte die Sicht auf die anderen Insassen mit ihrer Gestalt und das gab der Neuen eine Ruhe, die sie unbedingt brauchte. Ich habe Jaehyun verraten, ich habe Jaehyun verraten, ich habe Jaehyun verraten, tobte der Gedanke durch ihren schmerzenden Kopf. Das schlechte Gewissen kochte in ihr und sie dachte an die Suppe, in der sie vorhin noch gerührt hatte. Sie dachte an Salz und an Kräuter. Rühren. Salz. Kräuter. So konnte sie ihre nachlassende Konzentration langsam wieder auf das Mädchen lenken, dass ihr liebenswürdig erschien.

„Wer bist du?", fragte Lea kleinlaut. Seit Jaehyun sie verlassen hatte, verbot ihr ein Knoten im Hals das Sprechen. Gleichzeitig war da dieser Druck in ihrer Brust. Die Frage auszusprechen war wie ein Signal für die Tore hinter ihren Augen, sich zu öffnen und die Tränen rauszulassen. Alle die sie besaß.
„Ich bin Mina...", begann die Andere, doch als sie sah, wie schlecht es dem Mädchen vor ihr ging, verstummte sie wieder und versuchte vergeblich, die Decke weiter über den sich schüttelnden Körper zu legen.




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt