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„Weshalb bist du hier?", rang Lea sich schließlich durch das Mädchen zu fragen. Die Bewegungen ihrer Gegenüber wurden lebendiger, als sie ihre Sitzposition änderte.
„Ich bin Mina. Mina Park. Und meine Mutter ist auch hier: Yuna Park." Das Mädchen deutete auf eine ruhende Frau, die auf der Pritsche neben der ihren lag und schniefend atmete.

„Und wir sind hier, weil... ähm... ich weiß nicht so genau. Unser Hof wurde in Beschlag genommen. Und all die lieben Tiere..." Sie erschauerte und strich sich die Haare hinters Ohr, doch die verknoteten Strähnen ließen sich nicht bändigen. Lea war nicht wohl bei dem Anblick ihrer so dünnen Arme. Ihr tat es leid, dass sie bis jetzt jeden Tag reichlich zu essen bekommen hatte, während die Menschen hier drinnen hungerten. Und wie sie es für sich schon in frühen Jahren begriffen hatte, bedachte sie die Menschen im Gefängnis mit einem ebenso vorahnungslosem Respekt wie jeden anderen auch. Und ihre Einstellung war richtig, denn in dieser Zelle war kein einziger von ihnen aufgrund einer rationalen Straftat eingewiesen worden.

Minas Gesicht hellte sich dennoch auf und vertrieb immerhin für ein paar Augenblicke die niedergeschlagene Stille: „Ach, mein Bruder, Park Jimin, hat einen Plan! Er hat Flyer verteilt, einen Aufruf gegen die Regierung gestartet. Das musste etwas mit dem Jungen zu tun haben, der bei ihm ist. Ein seltsamer Junge..."

Mina hielt inne, als die andere sich ruckartig aufrichtete. Offensichtlich hatte Minas Bericht etwas in ihr ausgelöst. Vor Furcht, etwas schlimmes gesagt und es nicht einmal gemerkt zu haben, schaute sie in die Runde. Keiner der Insassen hatte allzu aufmerksam zugehört. Sie kannten die Geschichte schon. Der Zettel mit der Legende war rumgereicht worden und lag jetzt unter dem dürftigen Kopfkissen ihrer Mutter.

„Was ist los?", wagte Mina zu fragen.
In Leas Kopf sammelten sich die Wahrscheinlichkeiten wie an einer Gabelung in einem Labyrinth. War es möglich?
„Ich kenne einen Park Jimin.", offenbarte sie mit großen Augen. Jetzt horchte auch die Mutter des Mädchens auf. Sie stemmte ihren Körper mit sichtlicher Anstrengung ihrer schwachen Arme und hielt sich so in halb liegender - halb sitzender Position.

„Könnte es mein Bruder sein? Erzähl!", drängte das Mädchen und obwohl die anderen Insassen nicht gesprochen hatten, war jetzt der ganze Raum mit Erwartung gefüllt. Alle wollten ihre Geschichte hören. Lea verstand, dass es wichtig war - vielleicht verstand sie es sogar noch besser als die anderen Anwesenden - und begann so weit am Anfang, wie es ihr richtig erschien:

„Okay. Mein Name ist Lea. Ich weiß meinen Nachnahmen nicht, weil ich nicht bei meinen Eltern lebe. Da gibt es nicht viel zu erzählen, weil ich nichts von ihnen weiß und der Mann der mich großgezogen hat nicht gerne von ihnen spricht; und wenn, dann sehr böse. Also ich glaube sie waren geflohene Verbrecher, aber das ist jetzt nicht so wichtig."

Nervös leckte sie sich über die Lippen. Sie hatte Durst und da man es ihrer Stimme anhörte, wurde ihr eine Schale gereicht, aus der sie gierige Schlucke Wasser trank. Das half. Die Schale wurde ihr wieder abgenommen und sie sammelte ihre Gedanken. Ihre Hände kneteten einander zur Beruhigung. Die anderen Insassen ihrer Zelle waren näher gerückt und hörten ihr jetzt wachsam zu. Jaehyun hatte es immer bevorzugt, wenn sie schwieg. Sie war es nicht gewöhnt, unter so vielen Menschen zu sein und die acht Personen waren für sie noch fremd; ungewisse Kreaturen.

„Der Mann heißt Jaehyun und ist Arzt und wir wohnen in dem kleinen Gefängnis, was früher ein Waisenhaus war und wo er schon früher tätig war. Er ist ein sehr wichtiger Arzt und ich glaube, dass es nicht sein einziger Beruf ist. Er ist oft nicht da. Er fährt oft aus der Stadt raus, wo er auf einem Hof wohnt und dort die Tiere untersucht. Von dort hat er auch die zwei Jungen mitgebracht."

„Oh, dann ist das bestimmt mein Bruder und Yoongi!", konnte sich Mina nicht zurückhalten zu bemerken: „Sind sie wohl auf?"

„Ich bin mir nicht sicher. Sie waren bei uns, weil sie an dem Fest teilnehmen und eine Legende verbreiten wollten.
Jaehyun hat ihnen aber verboten, schon vor dem Fest rauszugehen. Der Plan war glaube ich, die Menschen davon zu überzeugen, dass die Legende wahr ist. Ich habe sie ein bisschen belauscht und dadurch auch herausgefunden...", sie stutzte. Durfte sie diesen Menschen vertrauen? Wussten sie es schon? Gab es Vermutungen? Sie atmete tief ein.
„Min Yoongi ist ein Prinz. Und er soll die Regierung übernehmen, weil unsere herrschende Königsfamilie nicht gut ist. Oder vielleicht auch, weil die schon so alt sind? Ach, mir wurde nie erzählt, was sich alles zugetragen hat..."

Yuna Park setzte sich neben Lea und drückte sanftmütig ihren Arm. Es fühlte sich an wie eine mütterliche Umarmung sich anfühlen sollte. Ihre Nähe wärmte das Mädchen und versprach ihr eine Zuneigung, dessen sie sich nicht erinnern konnte jemals gespürt zu haben.




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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt