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Seojun nahm sein Frühstück langsam ein und beobachtete schweigend, wie das junge Mädchen auch die Mahlzeit für die beiden Jungen zusammenstellte.
Er merkte, wie seine Blicke sie unruhig stimmten und er ließ es sein.
Er kannte sie schon einige Jahre, denn sie war schon hier gewesen, als seine Stelle in dem kleinen Gefängnis begonnen hatte. Damals war sie sehr schüchtern durch die grauen Flure gewandert, doch ihre Augen hatten sich nie geschlossen. Sie war ein neugieriges Mädchen und da sie Jaehyuns Schützling war, wusste sie vielleicht mehr, als er ahnen konnte. Doch er wagte es nicht, sie anzusprechen. Und diese Vorsicht beruhte auf Gegenseitigkeit.
Ein laues Schweigen ging durch den Raum. Seojun wollte sich dem Zimmer seines Sohnes nicht nähern, solange Lea in der Nähe war. Andererseits brauchte er sie höchstwahrscheinlich dazu, denn gegen eine verschlossene Tür konnte er ohne Schlüssel nichts ausrichten. Nicht, wenn er keine Aufmerksamkeit erregen und keine Spuren hinterlassen wollte. Er überlegte, ob er etwas gegen die aufkommende Kälte tun könnte. Die beiden Jungen hatten keinen Kamin in ihrem Zimmer.
Wie lange sein Sohn wohl hier bleiben würde? Und entsprach diese Zeit auch jener, die er vorgesehen hatte?
Um nicht so auffällig dumm herumzusitzen, schlurfte er in seine Kammer und wusch sich im Bad. Die Aufregung des frühen Morgens hatte ihn den Schweiß unter die Achseln getrieben. Er ließ sich Zeit und versuchte zu entspannen und nicht auf seine quälend brennende Schulter zu achten, die ihn schon seit einigen Monaten sehr belastete und vor allem beim Kutschieren litt.
Es war kurz nach Neun, als er sich frierend ankleidete und lauschte. Er hatte Schritte gehört. Und Stimmen. Waren die beiden Jungen nicht in ihrem Zimmer eingesperrt? Und Jaehyun konnte unmöglich schon zurück sein.
Regungslos stand er mitten in dem kleinen Raum und horchte. Ein Wind ging durch die nahestehenden Bäume und ließ die Blätter rauschen und die Kronen sich aufbäumen. Der Kutscher hörte nichts anderes mehr.
Noch immer unruhig verließ er das Zimmer und machte sich auf den Weg zurück ins Esszimmer, um Lea zu finden.
Mit stockendem Atem blieb er stehen, als er eine zusammengekauerte Gestalt in dem dunklen Flur ausmachte.
Vorsichtig trat er näher und erkannte das kleine Mädchen. Sie saß genau vor der Tür der zwei Jungen und hatte sich so klein gemacht, dass ihr Kopf - wie von den Schultern gefegt - auf den Knien lag.
„Psst.", machte sie, als sie ihn bemerkte.
Fragend flackerte sein Blick im Licht der Kerze zurück. Sie selbst hatte keine Kerze. Sie kam in diesem Haus auch im Dunkeln zurecht.
„Sie streiten sich."
Ihre Stimme bebte, als sie die Worte flüsternd hervorbrachte. Sie deutete ihm an, sich neben sie zu setzten. Diese Geste war so seltsam und doch so natürlich, dass er sie sofort befolgte.
Ab diesem Moment an spürte er eine unausgesprochene Loyalität und ein erleichterndes Vertrauen gegenüber der Jüngeren. Dieses Mädchen wurde von Erinnerungen in die weiten Wellen der Zukunft getrieben. Erinnerungen, - vielleicht Träume, vielleicht Sehnsüchte -, die Jimin und Yoongi in ihr auslösten und die sie selbst nicht ganz erfassen konnte.
„Worum geht's?", raunte Seojun gebannt, als von drinnen nur ein Schweigen wahrzunehmen war.
Lea hatte sich an die Tür gelehnt, klebte dort wie ein Käfer, unbeweglich und still.
„Ich wusste nicht, dass er ein Prinz ist.", hauchte sie und mit einem traurigen Unterton.
„Nicht viele wissen das.", versuchte der Ältere sie aufzumuntern und beugte sich weiter nach vorn. Er empfand Sympathie und befürchtete, das ihre Enttäuschung zu Zorn werden könnte. Durch ihr zufälliges Lauschen besaß sie jetzt entscheidende Informationen. War es überhaupt ein Zufall gewesen?
„Mir egal. Er vertraut mir nicht. Er sagt, sie können mir nicht vertrauen! Weil sie Jaehyun nicht vertrauen. Ich glaube, sie denken er ist böse..."
Sie verzog das Gesicht; trotzig und starr.
Unentschlossen zog Seojun scharf die Luft ein. Die Erziehung eines kleinen Mädchens gehörte zu den Aufgaben, die er bisher umgangen hatte. Er hatte vieles gesehen in seinem Leben. Gefangene, Menschen die in der Dunkelheit verrückt geworden waren, Leidende, Sterbende. Immer dort zu arbeiten, wo Normalität nicht normal war und wo Hass und Trauer und Depression herrschte, hatte auch ihn in eine ganz andere Welt gebracht. Wie vielen Gesichtern war er begegnet, die ihn ausdruckslos - wie eine hässliche Puppe aus Porzellan - und schweigend beobachtet hatten, während er seine Runde gelaufen war oder ihnen das Essen gebracht oder die Lichter angezündet hatte.
Und jetzt war er hier, saß mit einem Mädchen im selben Alter wie seiner jungen Tochter vor einer Tür, hinter der sein Sohn eingesperrt war und musste ihr erklären, weshalb der Mann, der sie aufgezogen hatte, nicht das reine Vorbild war.
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Haunted Prince || Yoonmin
FanfictionJimin ist ein armer Bauernjunge, der alles für das Wohl seiner Familie tun würde. Als sich plötzlich ein besonderes Tier unter seine Pferdeherde mischt, merkt er immer deutlicher, dass etwas gewaltiges im Land falsch läuft. Und er ist dazu auserwähl...
