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„Wir hielten es für sicherer, Ihnen keine weiteren Soldaten zu schicken. So ein Aufwand wegen zwei kleinen Jungen..., wir wollen nicht mehr Unruhe schaffen als nötig.", waren die ersten Worte der Königin, als Jaehyun vortrat.
Mühsam erhob er sich aus seiner Verbeugung.
„Natürlich, Eure Hoheit. Es ist auch nicht nötig. Ich habe einen Soldaten und der erledigt seinen Dienst ohne Fragen zu stellen."

Mehr wagte Jaehyun nicht zu sprechen. Das brauchte es auch nicht, denn die Königin kam gleich zur Sache: „Mein Mann - das heißt, unser König - liegt im Sterben. Der Arzt ist fest davon überzeugt, dass er nicht mehr am Fest teilnehmen kann."

Jene Angelegenheit ließ Felsen von der Klippe seines Herzens in den Fluss seiner vereisten Emotionen klatschen.
„Oh... oh wie schrecklich...", presste der ehemalige Tierarzt hervor. Sein Unterkiefer fühlte sich taub an, so sehr hatte er ihn angespannt und sobald er es bemerkte, bemühte er sich, es zu unterlassen. Es würde äußerst unfreundlich aufgenommen werden, wenn seine Worte jetzt zu abgehakten Fetzten eines unsichtbaren Sinnes wurden.

Mit den Augen auf einen Punkt über Jaehyuns Kopf fixiert, sodass man nicht sicher sein konnte, ob sie tatsächlich mit ihm oder vielmehr mit sich selbst redete, fuhr sie fort: „Ich werde mich natürlich zeigen. Kein Umstand wird mich dazu bringen, die Vorbereitungen dieser einzigartigen Veranstaltung abzubrechen."

Eingeschüchtert von ihrer Beharrlichkeit und Kälte nickte Jaehyun. Insgeheim hegte er Einwände. War ihr nicht bewusst, wie viel sich ändern würde, wenn der König starb? Abgesehen von... - nein, er wollte nicht daran denken. Es gab keine Nachkommen.

„Sie wissen, wie entscheidend Ihr Auftrag nun ist.", ertönte ihre Stimme über ihm. Er nickte sich in die Realität zurück. „Ja, Eure Hoheit..." Das Wippen seines Kopfes bot einiges an Karikatur-Möglichkeit, sodass sich der Mund der Königin zu einem Lächeln verzog, dass in ihren dunklen Augen verloren ging wie ein Schatten in der Finsternis.
Sie kam wieder zu sich und hob die Hand. Ein Schnippen ihres Fingers reichte, um einen Soldaten näher treten zu lassen. Er überreichte ihr ein Buch. In ihrem Schoß lag es wie eine Katze, die sie mit ihren langen dünnen Fingern streichelte. Gleichzeitig aber kratzten ihre Nägel über den Einband. Was für ein grässliches Geräusch! Jaehyuns Aufmerksamkeit war wieder vollkommen.

„Konnten Sie sich darum kümmern?", fragte die Königin. Jaehyun schlug die Augen nieder. „Die Jungen wissen von der Legende und wollen sie verbreiten. Natürlich habe ich das Buch unverzüglich entwendet."

„Gut...es ist eine mächtige Quelle und darf auf keinen Fall unter die Bauern geraten." Sorgsam legte sie das Buch beiseite. Insgeheim ärgerte sich Jaehyun über diese Aktion, die seiner Meinung nach ebenso kindisch wie unnötig gewesen war. Aber da sich die Umständlichkeiten in Grenzen gehalten hatten, hackte er nicht weiter auf dieser Angelegenheit herum. Daraus entsprang doch erst der ganze Quatsch. Einhörner! Seit wann glaubte selbst die Regierung an Legenden? Er musste sich eingestehen, dass auch dieses Königspaar nicht mehr jenes war, zu welchem er vor einem knappen Jahr noch aufgeschaut hatte.

„Es gibt vieles, was Sie nicht verstehen. Trotzdem vertraue ich darauf, dass Sie ihre Aufgabe einwandfrei erfüllen werden.", waberte ihre erhabene Stimme durch den Saal.
„Ja, Eure Hoheit."

„Wie steht es um das Vertrauen der Jungen? Lassen Sie sich von Ihnen überzeugen? Spielen Sie ein sanftes Spiel?"
Ein Schatten durchzog Jaehyuns Züge und ließ ihn ermattet und ausgelaugt wirken. „Die Jungen sind skeptisch, aber nicht alarmiert. Ich habe sie gut im Griff. Aber die Zeit rennt. Bestimmte Unannehmlichkeiten lassen sich nicht vermeiden. Sie werden vielleicht schon bald Verdacht schöpfen. Es wird den gesamten Plan ins Rudern bringen."
Sein Kopf fügte insgeheim noch hinzu, dass es die Sache deutlich vereinfachen würde, wenn die Königin die beiden Jungen schon heute aufsuchen und für immer außer Gefecht setzten würde. Er würde diesen Auftrag sogar selbst ausführen, wenn es bedeutete, dass die Sache dann endlich erledigt wäre.

Aber die Königin kam nicht darauf zu sprechen. Das Fest sollte ihr die Gelegenheit bieten, ihre Macht vor Allen zu präsentieren. Wenn Schmeicheleien nicht mehr halfen, musste eben die Gewalt übernehmen. Eine Hinrichtung sollte die Warnung sein. Sie war fest davon überzeugt, dass sich das Volk auf diese Weise für geraume Zeit einschüchtern ließ, bis ihr endlich etwas besseres einfiel. Auf einen solchen besseren Einfall wartete sie leider schon allzu lange.

„Einen Hinweis möchte ich Ihnen noch geben.", thematisierte die Königin: „Diese Familie... Sie wissen schon... besaß die Gabe - wie nur noch wenige unter uns - sich zu verwandeln. Leider wissen wir nicht, um welches Tier es sich bei Min Yoongi handelt. Falls Sie etwas herausbekommen, benachrichtigen Sie mich unumgänglich. Es kann wichtig sein."

„Muss ich befürchten, dass er zu einer Mücke wird und durch eine geschlossene Tür entwischen kann? Wenn ja, weiß ich mir nicht zu helfen."
Auf diese etwas patzige Bemerkung reagierte die Herrscherin gefasst.
„Wir vermuten, dass es sich um ein Tier in der Größe eines Hundes handelt. Vielleicht ein Fuchs oder ein Reh. Diese Gabe war schon immer ein Grund für Kritik gewesen. Deshalb hat die Königsfamilie Min dessen Kundgabe auch abgewürgt. Es ist heutzutage nicht mehr gern gesehen. Menschen mit einer solchen Gabe gelten als arrogant und erhaben. Laut dem Volksmund können sie sich mehr leisten und mehr riskieren und schaffen sich einige Vorteile. Die Gesellschaft empfindet das als unfair. Und ich muss der Gesellschaft zustimmen. Es war nur gut, dieses unreine Geschlecht zurückzudrängen."



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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt