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Die scharfen Linien zwischen Sonnenlicht und Schatten verschwammen in den engen Gassen ineinander und wurden zu Staub, als sich eine graue Wolke über dem Himmel ausbreitete. Min Yoongi stolperte im Takt seines klopfenden Herzens hinter einer Gruppe von ebenso taumelnden Menschen her. Sie trugen dürftige Kleidung, die deutlich machte, dass sie sich nicht unbedingt freiwillig unter die feiernde Menge gemischt hatten. Sie suchten wohl eher nach einem Weg hinaus aus dem Trubel und das war dem jungen Prinzen nur recht. Mit umherschweifenden Augen nahm er wahr, dass der Hinterhof des Gefängnisses nicht weit von hier war.

Es war sonderlich still, umso tiefer sie in die schmalen Straßen einbogen. Wie in einem Labyrinth bewegten sie sich fort, sprachen gedämpft und mit hektischen Gesten. Unter einem Torbogen blieben sie stehen und teilten sich als Antwort auf eine Rasche Handbewegung in zwei gleichgroße Gruppen. Die eine lief weiter gerade aus, die andere sammelte sich an einer Pforte. Es wurde an die Tür geklopft und getuschelt. Einen Spalt breit wurde das Portal geöffnet. Erwartend schauten die Menschen auf. Es waren vielleicht sieben an der Zahl. Jemand sprach. Und dann, wie auf Kommando, duckten sich alle und schlichen in ebendieser Haltung durch den Eingang. Yoongi, der sich im nachbarlichen Hauseingang zusammengekauert hatte, sprang auf und hängte sich der Truppe an. Ihr dumpfes Getrappel auf dem zerkratzten Teppich, die riesigen Schatten am Treppengeländer, das heimlich flackernde Licht der Kerzen. Plötzlich fühlte sich Yoongi heimisch und kurze Zeit später erkannte er die Ursache. Es roch nach frischem Brot, einem Brot, dass er früher geliebt und jeden Tag hätte essen können, wären seine Eltern es nicht lästig gewesen, von jenem Bäcker zu bestellen. Die Gründe dafür hatte Yoongi nie erfahren, doch scheinbar hatte sich das Geschäft, im Gegensatz zu anderen, gehalten.

Abgelenkt von aufkommenden Erinnerung merkte er erst nicht, dass jemand hinter ihm stand. Plötzlich wurde es still. Er schaute auf und war umrundet von skeptischen, angstvollen, müden und warnenden Augen.
Um Vertrauen zu gewinnen legte der junge Prinz seine Kapuze ab und kniete sich mit wackeligen Beinen auf den rudimentären Teppich. „Habt keine Angst.", sprach er.

„Min Yoongi!", rief eine helle Stimme aus. Als gerufener aufschaute, blickte er in das vor Hoffnung und Aufregung errötete Gesicht Minas. Sie legte fest ihre Hände auf seine Schultern. Hinter ihr trat eine deutlich erschlaffte Gestalt aus dem Schatten. Yuna war durch ihre Krankheit und den Sorgen danach deutlich geschwächt worden und ihre körperliche Verwarlosung ließ sie älter wirken, als sie eigentlich war.

„Wo ist mein Sohn? Hast du ihn alleine gelassen?", verlangte Jimins Mutter zu wissen. Das Tuscheln der anderen ignorierend, antwortete er: „Das war nie meine Absicht. Er ist in Gefahr. Ob mehr als wir, kann ich nicht genau sagen..."
Ein Knurren verließ Yunas Kehle, doch ihre Tochter griff beschwichtigend ihren Arm.

„Wir wurden getäuscht. Dank meiner... Erinnerungen... konnten wir erkennen, dass der Ort, an welchem wir uns versteckten, ein Gefängnis ist. In doppelter Hinsicht. Aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um alles zu erklären."

„Ganz richtig!", warf ein Mann mit einem zuckendem Augen und einem schmalen Grinsen ein: „denn wenn ich nicht so irre bin wie alle behaupten, steht Min Yoongi vor uns. Der Sohn des Königs Min Seokjin. Der Prinz!"



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Haunted Prince || YoonminGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt