Die nächste Woche verging ziemlich schnell. Übermorgen ging es schon wieder nach Hause. Dortmund, das ist zwar meine Stadt, aber Wolfsburg ist eigentlich mein Zuhause. Die meisten Tage hatte ich mich in der freien Zeit zurückgezogen. Eine neue Zimmerkarte hatte ich zum Glück noch an dem Abend beim Feiern des Sieges bekommen. Nochmal mit Julian in einem Bett hätte ich es auch nicht ausgehalten. Ich wollte mich von ihm fernhalten. Eigentlich von allen.
Heute hatte ich einen komplett freien Tag. Jamie verbrachte nämlich nur eine Stunde mit der Physiotherapie, da brauchte ich nicht dabei sein. Stattdessen wie ich mir fest vorgenommen hatte, Marbella zu erkunden, habe ich mich kurzfristig unentschieden und bin eine Stunde in den Kraftraum gegangen und wollte anschließend eine Runde Tennis spielen. Der Kraftraum war zu meinem Erleichtern komplett leer, also hatte ich meine Ruhe. Dort hing ich auch die ganze Zeit über nur meinen Gedanken nach, weshalb ich mich schnell dazu entschied, zum Tennis zu wechseln.
Auf dem Tennisplatz hingegen waren Nico, Mats, Marco, und Julian unterwegs. Sie spielten auch erst ein paar Minuten. Sah eigentlich ganz lustig bei denen aus. Ich konzentrierte mir aber mehr auf mein eigenes Spiel im kleinen Käfig daneben.
Irgendwann meinten die Jungs aber, ich könnte ja mit ihnen spielen, damit ich nicht alleine sein muss.
Ich lehnte ab und erklärte, dass man zu fünft ja sowieso nicht spielen kann. Außerdem wollte ich ja alleine Spielen. In Ruhe. Ohne Gesellschaft.
„Komm schon, Olivia! Wir können uns doch abwechseln!", rief Mats und sah mich mit einem anfeuernden Grinsen an.
„Ja, das wird super! Dann haben wir immer einen zum auswechseln", fügte Nico hinzu und machte eine Handbewegung.
„Ihr seid doch viel zu gut für mich!", witzelte ich und rollte mit den Augen. „Ich will nicht, dass ich mich noch blamiere!" lachte ich. Ich wusste ich war nicht schlecht. Aber warum ich das in diesem Ton gesagt habe, keine Ahnung.
„Du hast doch nichts zu verlieren, oder?", konterte Marco. „Es wird sicher lustig."
„Aber ihr müsst aufpassen, ich habe heute nicht vor, euch zu schonen", entgegnete ich herausfordernd.
„Was? Das wird ein Kinderspiel!", rief Mats und trat ein paar Schritte näher.
„Okey, ich halt mich daraus. Ich weiß wie sie spielt. Nur so als kleine Warnung" hob Julian abwehrend seine Hände nach oben. Da musste ich ja schon etwas schmunzeln.
„Ach, du gegen jeden von uns drei. Einzel. Ein Satz!" meint Marco euphorisch.
„Challenge accepted!", sagte ich und trat auf den Platz.
Zuerst spielte ich gegen Nico. Ich wollte ihm ein paar Punkte Vorsprung geben und tat so, als könnte ich nicht spielen. Jedes Mal, wenn ich einen Aufschlag machte, seufzte ich, mit Absicht. Irgendwann wurde es mir aber zu langweilig.
Nico kicherte und nutzte meine Unachtsamkeit, um ein paar Punkte zu gewinnen. Doch dann war es an der Zeit, ihm zu zeigen, was ich wirklich drauf hatte. „Okay, genug der Scherze, jetzt wird es ernst!"
Plötzlich verwandelte ich mich in eine aggressive Spielerin und schlug den nächsten Ball mit voller Wucht über das Netz. „Jetzt passt auf!", rief ich und schickte Nico mit einem gezielten Schlag ins Aus.
„Moment mal, das war nicht fair! Du hast geschummelt!", protestierte er, doch ich ließ mich nicht beirren. „Schummeln? Das nennt man Taktik!" Lachte ich.
Ich spielte weiter, meine Schläge wurden präziser, und schließlich gewann ich das Match. „Wie fühlt sich das an, von einer Frau geschlagen zu werden?", rief ich triumphierend.
„Das wird meine letzte Tennissession für eine Weile sein", murmelte Nico lachend und schüttelte den Kopf. „Ich bleibe lieber beim Fußball."
„Jetzt schau zu wie das richtig geht, Nico" meint Mats lachend und kommt auf den Platz.
„Na, bereit zu verlieren?", fragte ich und grinste herausfordernd.
„Ich weiß nicht, Olivia. Vielleicht bist du heute nicht in Bestform!", konterte Mats.
„Glaub mir, ich bin immer in Bestform!", entgegnete ich und machte mich bereit.
Das Spiel begann, und ich ließ Mats mit einem schnellen Aufschlag in den Rückstand geraten. „Was war das denn? Das macht meine Oma ja besser!", rief ich, als ich einen weiteren Punkt für mich sicherte.
Er sah mich entgeistert an. „Das kann nicht sein! Ich spiele schon so lange!" meckert er.
„Wohl nicht lang genug!", lachte ich und schlug den Ball so, dass er ihn direkt vor die Füße bekam. Zu schnell für Mats.
Ich gewann auch dieses Match und fühlte mich, als würde ich über den Platz tanzen. „Na, Mats, ich glaube, du musst dir echt Gedanken über deine Technik machen!"
Er lachte frustriert, aber ich wusste, dass er den Spaß daran auch genoss.
„Okay, okay, ich bleibe auch beim Fußball!", rief er und ließ seinen Schläger sinken.
Jetzt kam Marco. Ich wusste, dass es etwas schwieriger werden würde, denn er war fitter und beweglicher als die anderen. Aber ich war bereit.
„Das wird jetzt aber eine Herausforderung!", meinte er, während wir auf dem Platz standen.
„Herausforderung? Das ist ein Vergnügen!", konterte ich.
Das Spiel begann, und ich spürte die Spannung. Marco war schnell, er kam mir oft zuvor, doch ich versuchte, ihn mit geschickten Schlägen und cleveren Kommentaren aus dem Konzept zu bringen. „Na, Marco? Bist du sicher, dass du bereit bist?"
Er schnitt mit einem Lächeln durch die Luft und warf den Ball zurück. „Ich werde dir gleich zeigen, was es bedeutet, gegen einen echten Spieler anzutreten!"
Die Punkte wechselten hin und her. Ich warf ihm einige Kommentare zu, die ihn zum Schmunzeln brachten. „Warte mal, war das ein Aufschlag oder ein Tretmine? Ich kann da keinen Unterschied erkennen!"
Doch am Ende schaffte ich es, ihn ebenfalls zu schlagen. „Das war ein spannendes Match! Ich hoffe, du bist nicht allzu enttäuscht!", sagte ich mit einem breiten Grinsen.
Er schüttelte lachend den Kopf. „Das war nicht mein bester Tag, aber ich gebe zu, du bist wirklich nicht schlecht!"
„Ich glaube, wir haben heute alle gelernt, dass wir auf Jule hören sollten.", entgegnete Marco und verdrehte genervt die Augen, aber ich konnte sehen, dass er lächelte.
Julian hatte das Ganze mit einem breiten Grinsen verfolgt. „Tja Jungs, ich hab's euch gesagt", sagte er und lachte.
Ich fühlte mich lebendig, unbeschwert und einfach nur glücklich. „Seid ihr sicher, dass ihr es nicht nochmal probieren wollt?", fragte ich am Ende, während ich meine Schläger ablegte.
Doch die Jungs schüttelten nur den Kopf und verdrehten die Augen.
„Ich glaube, das war eine einmalige Sache", sagte Mats, und ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.
Für einen ganzen Nachmittag konnte ich meine Gedanken an Ängste und Zweifel vergessen. War das heute ich? Ist das die Olivia, die sich hinter all den Gedanke, Ängsten und Zweifeln verbirgt? Die sich versteckt?
Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich hatte verdammt viel Spaß. Wie lange nicht mehr. Doch ich will mich Fernhalten. Ich kann nicht anders. Einfach fernhalten.
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
