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Die Sekunden verstrichen. Vielleicht waren es Minuten. Vielleicht eine Ewigkeit. Ich wusste es nicht.

Ich stand einfach nur da. Stumm. Verzweifelt. Gefangen in meinem eigenen Kopf.

Er hatte gerade gesagt, dass er mich nicht verlieren wollte. Dass er wollte, dass ich bleibe.

Und ich? Ich konnte nicht antworten.

Meine Gedanken überschlugen sich, jagten sich gegenseitig, ohne dass ich einen klaren Gedanken fassen konnte.

Natürlich liebte ich ihn noch. Natürlich konnte ich ihn nicht einfach vergessen. Ich hatte es versucht – Gott, wie sehr ich es versucht hatte. Ich hatte mir monatelang eingeredet, dass es so besser war. Dass es für mich das Beste war, Abstand zu halten. Mich von ihm zu lösen. Zu gehen.

Aber jetzt, in diesem Moment, konnte ich mir selbst nicht mehr in die Augen lügen.

Es war nie besser gewesen.

Es hatte nur wehgetan. Jeden verdammten Tag.

Konnte ich ihm sagen, dass ich ihn noch immer liebte, während meine Zweifel mich gleichzeitig festhielten? Während sie mich daran erinnerten, dass nichts so einfach war, wie ich es mir wünschte?

Dass meine Ängste immer noch da waren.

Dass ich nicht wusste, ob sich überhaupt etwas ändern würde, wenn ich jetzt einfach über meinen Schatten sprang.

Ich hatte Angst.

Angst, dass wir am Ende doch wieder an den gleichen Punkt zurückkehren würden.

Dass Julian irgendwann gegen meine Zweifel nicht mehr ankämpfen könnte. Dass er mich wieder loslassen müsste, weil ich es ihm unmöglich machte, bei mir zu bleiben.

Dass er mich lieben wollte, aber vielleicht nicht lieben konnte.

Was, wenn ich einfach nicht fähig war, ihm das zu geben, was er verdiente?

Was, wenn meine Ängste am Ende immer gewinnen würden?

Was, wenn wir uns damit nur noch mehr wehtaten?

„Livi", flüsterte er. Seine Stimme war leise, vorsichtig. So, als hätte er Angst, mich mit seinen Worten noch weiter von ihm wegzutreiben.

Ich schluckte. Ich wollte etwas sagen. Ich musste etwas sagen.

Doch mein Mund blieb verschlossen.

Ich fühlte mich, als hätte ich die Kontrolle über meinen eigenen Körper verloren.

Julian ließ langsam den Kopf sinken. Sein Blick war voller Schmerz, voller Enttäuschung.

Er dachte, meine Stille wäre die Antwort.

Und vielleicht war sie das auch.

Denn wenn ich es nicht einmal schaffte, ihm zu sagen, dass ich ihn liebte ...

... dann bedeutete das doch, dass meine Zweifel bereits gewonnen hatten, oder?

Oder?

Stopp.

Nein.

Ich konnte das nicht.

Ich konnte meine Zweifel nicht gewinnen lassen.

Nicht jetzt.

Nicht so.

Nicht diesmal.

Mein Atem ging flach, mein Herz pochte wie wild gegen meine Brust. Ich wusste, wenn ich jetzt nichts sagte, würde er gehen. Würde das hier beenden, weil er dachte, dass ich es nicht anders wollte.

When we meet againWhere stories live. Discover now