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Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war es nicht die übliche Trägheit, die mich überkam. Kein verschlafenes Strecken, kein langsames Ankommen im Tag. Stattdessen war es ein Kribbeln in meinem Bauch, eine plötzliche Nervosität, die mich sofort hellwach machte.

Julian.

Die Erinnerung an gestern Abend traf mich mit voller Wucht. Der Moment vor meiner Tür, sein Blick, der sanfte Kuss. Es war so lange her, dass ich mich so gefühlt hatte – dass mein Herz schneller schlug, ohne dass Angst oder Zweifel daran beteiligt waren.

Aber jetzt, mit der Morgensonne, kamen die Fragen.

Was bedeutete das?

Wie würde dieser Tag ablaufen?

Und vor allem: Wo genau sollte ich ihn eigentlich treffen?

Wir hatten nicht darüber gesprochen. Ich wusste nur, dass wir uns sehen würden. Aber wo? Holte er mich ab? Sollte ich einfach irgendwo hinfahren?

Ich griff nach meinem Handy, drehte es in meiner Hand. Keine Nachricht von ihm.

Okay. Ruhig bleiben.

Ich setzte mich auf, strich mir durchs Gesicht und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Vielleicht war es gar nicht so kompliziert. Vielleicht schrieb er mir gleich. Vielleicht war das hier alles viel einfacher, als mein Kopf es gerade machte.

Aber trotzdem, die Unsicherheit nagte an mir.

Was, wenn gestern nur der Moment gewesen war? Wenn er es heute früh bereute? Wenn er vielleicht dachte, ich würde ihm nachlaufen?

Ich biss mir auf die Lippe. Ich war nicht gut in sowas. Nicht gut darin, nicht zu viel nachzudenken.

Ein tiefer Atemzug.

Dann zwang ich mich, aufzustehen. Mir nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, was als Nächstes passieren würde.

Und dann Das Klingeln an der Tür. Es ließ mich Wort wörtlich erstarren.

Mein Blick flog zur Uhr auf meinem Nachttisch. Es war noch früh. Zu früh, als dass ich Besuch erwarten würde. Mein Herz setzte für einen Moment aus, dann begann es heftig zu klopfen.

Julian?

Oh nein.

Ein schneller Blick an mir herunter ließ mich fluchen. Mein Schlafshirt war viel zu weit, rutschte mir fast von der Schulter, und meine Shorts, wenn man sie überhaupt so nennen konnte, waren viel zu kurz. Viel. Viel. Zu kurz.

Ich fuhr mir durch die Haare, wusste nicht, was ich zuerst machen sollte. Irgendwas anziehen? Mir wenigstens durchs Gesicht wischen? So tun, als wäre ich nicht da?

Das Klingeln ertönte erneut. Diesmal begleitet von einem leichten Klopfen.

Ich biss die Zähne zusammen, drehte mich einmal panisch im Raum um, fand aber nichts, was ich mir schnell überwerfen konnte.

Okay. Atmen. Einfach atmen.

Langsam, fast zögerlich, lief ich zur Tür, legte eine Hand auf die Klinke und hielt noch einmal kurz inne. Was, wenn es gar nicht Julian war? Was, wenn es jemand anderes war?

Aber wer?

Ich atmete tief durch, dann öffnete ich.

Und da stand er.

Julian.

Seine Augen glitten über mich, seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. „Guten Morgen."

Ich riss die Arme vor meinen Körper, als könnte ich mich irgendwie bedecken, fühlte, wie meine Wangen heiß wurden. „Ähm ... Morgen."

Er lehnte sich gegen den Türrahmen, musterte mich amüsiert. „Ich hoffe, ich habe dich nicht geweckt?"

When we meet againWhere stories live. Discover now