Die Wochen vergingen schneller, als mir lieb war. Nach dem unglaublichen Sieg und dem Ende der Saison war der Alltag ein bisschen entspannter geworden. Weniger Stress, weniger Druck. Aber trotzdem – ich hatte mich daran gewöhnt, Julian fast täglich zu sehen, sei es auf dem Trainingsgelände oder in meiner Wohnung, wenn er abends einfach vorbeikam.
Es fühlte sich an, als hätten wir eine Routine entwickelt. Eine, die sich verdammt gut anfühlte.
Doch an diesem Abend merkte ich, dass etwas anders war. Wir saßen gemeinsam auf meiner Couch, eine Serie lief im Hintergrund, aber Julian wirkte abwesend. Immer wieder schien er etwas sagen zu wollen, hielt dann aber doch den Mund.
Ich kannte ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass ihn etwas beschäftigte. Und als er sich dann schließlich räusperte und sich zu mir drehte, wusste ich, dass es ernst wurde.
„Olivia... ich muss dir was sagen", begann er vorsichtig.
Mein Herz schlug direkt schneller. Sein Tonfall gefiel mir nicht. Ich setzte mich aufrechter hin und musterte ihn genau. „Okay... dann sag's."
Er atmete tief durch, bevor er fortfuhr. „Ich... ich habe vor einer Weile einen Urlaub gebucht. Mit Kai und seiner Freundin. Wir hatten das geplant, als... na ja, als wir noch nicht wieder zusammen waren."
Ich blinzelte. „Was?"
„Es war damals einfach eine spontane Entscheidung", erklärte er schnell. „Ich hätte es dir früher sagen sollen, aber irgendwie... hab ich's immer aufgeschoben."
Ich spürte, wie sich ein Knoten in meiner Brust bildete. Er hatte also einen Urlaub gebucht, ohne mich. Und ich hatte all die Zeit gedacht, wir würden die Sommerpause gemeinsam verbringen.
Ich presste die Lippen aufeinander und versuchte, meine Enttäuschung herunterzuschlucken. Es ergab ja Sinn. Als er den Urlaub gebucht hatte, waren wir nicht zusammen. Es war nicht so, als hätte er mich absichtlich ausgeschlossen.
Trotzdem tat es weh.
„Okay", sagte ich schließlich leise und zwang mich zu einem kleinen Lächeln. „Ich verstehe das."
Julian musterte mich, als wollte er sicherstellen, dass ich das wirklich meinte. „Bist du sicher? Ich wollte es dir nicht verschweigen, ich hab's nur..."
„Vergessen?", beendete ich seinen Satz für ihn.
Er seufzte. „Ja. Irgendwie schon."
Ich lehnte mich zurück und sah zur Seite. „Ich mein, es ist ja nicht so, als hättest du mich betrogen oder so. Wir waren getrennt, du hattest andere Pläne. Es wäre nur... schön gewesen, das früher zu wissen."
Julian rutschte näher zu mir. „Es tut mir leid, Livi."
Ich drehte den Kopf zu ihm und sah ihm in die Augen. „Wann fliegst du?"
„In einer Woche."
Ich nickte langsam. Noch eine Woche, dann würde er weg sein. Ich wusste nicht genau, warum, aber allein der Gedanke, so lange ohne ihn zu sein, fühlte sich komisch an.
Julian beobachtete mich genau. „Du bist nicht sauer?"
Ich schüttelte den Kopf. „Nein, Julian. Enttäuscht vielleicht, aber nicht sauer."
Er nahm meine Hand und drückte sie sanft. „Ich kann's verstehen. Aber vielleicht können wir davor noch ein paar schöne Tage zusammen verbringen?"
Ich zog eine Augenbraue hoch. „Meinst du, das reicht als Wiedergutmachung?"
Er grinste schief. „Ich kann mir ja extra viel Mühe geben?"
Trotz allem musste ich schmunzeln. „Besser ist es."
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When we meet again
FanfictionOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
