Ich schließe die Tür hinter mir, drehe den Schlüssel um, lehne mich dagegen.
Stille.
Meine Wohnung fühlt sich fremd an. Staub hängt in der Luft, als wäre die Zeit hier stehen geblieben, während mein Leben draußen weiterging. Wie lange war ich nicht mehr hier gewesen? Wochen? Monate?
Ich lasse die Tasche einfach fallen. Ziehe die Jacke aus, werfe sie achtlos über den Stuhl. Dann gehe ich ins Schlafzimmer.
Das Bett ist gemacht, als hätte ich es für genau diesen Moment vorbereitet. Aber schlafen? Schlafen kann ich nicht.
Ich lege mich hin, starre an die Decke. Mein Kopf pocht, meine Gedanken rasen. Immer wieder höre ich seine Worte.
„Damit du deine scheiß Ängste zur Seite stellst."
So beiläufig gesagt, als wäre es nichts.
Ich drehe mich auf die Seite. Schließe die Augen. Will einfach nur für einen Moment abschalten. Aber es geht nicht.
In zwei Tagen hätten wir geheiratet.
Ich hätte vor ihm gestanden, in meinem Kleid, ihn angesehen und die Worte gesagt, die alles für immer verändern.
Und jetzt?
Jetzt ist da nichts mehr.
Es klopft.
Leise, vorsichtig – aber bestimmt.
Ich liege noch immer auf der Seite, die Knie an die Brust gezogen, die Decke halb über mich gezogen, als könnte sie mich vor all dem schützen. Mein Körper fühlt sich schwer an, müde, ausgelaugt.
„Olivia?" Sophias Stimme ist gedämpft durch die Tür, aber ich höre sie trotzdem deutlich. „Mach auf."
Ich will nicht. Ich will einfach hier liegen bleiben, die Welt aussperren. Aber sie klopft noch einmal, fester.
„Ich weiß, dass du da drin bist. Also mach die verdammte Tür auf, oder ich trete sie ein."
Ich schnaube leise. Typisch Sophia. Ich schiebe mich aus dem Bett, schleppe mich zur Tür und öffne sie einen Spalt.
Sophia mustert mich, die Stirn in Sorgenfalten gelegt. Dann schiebt sie sich an mir vorbei, als hätte ich ihr eine Einladung ausgesprochen, und schließt die Tür hinter sich.
„Du siehst scheiße aus", stellt sie trocken fest.
„Danke." Ich gehe zurück zum Bett und lasse mich darauf sinken. „War genau das, was ich hören wollte."
Sie ignoriert meinen Sarkasmus, zieht sich ihre Jacke aus und setzt sich neben mich. Für einen Moment sagt sie nichts, und ich bin fast dankbar dafür. Dann seufzt sie.
„Julian ist ein verdammter Idiot."
Ich presse die Lippen zusammen. Mir schnürt es immer noch die Kehle zu, wenn ich an sein Gesicht denke, als ich gegangen bin. Kalt, verschlossen, als wäre ich ihm auf einmal egal gewesen.
„Willst du mir erzählen, was genau passiert ist?" Sophia legt eine Hand auf meine. Warm, fest. Ein Anker.
Ich schlucke. Und dann erzähle ich es ihr. Alles. Die Vorwürfe, seine Worte, der Moment, in dem er dachte, ich will alles absagen – und dann das, was er gesagt hat, bevor ich gegangen bin.
Sophia hört zu, ohne mich zu unterbrechen. Aber ich sehe, wie sich ihre Kiefermuskeln anspannen, wie ihre Hände zu Fäusten werden.
„Ich könnte ihn erwürgen."
Ich lache trocken, aber es klingt bitter. „Würde wahrscheinlich nichts bringen."
Sie schüttelt den Kopf. „Doch, vielleicht würde es ihm ein bisschen Verstand einprügeln. Olivia, das ist so ein verdammter Bullshit. Ihr liebt euch! Ich hab's mit eigenen Augen gesehen! Und jetzt schmeißt ihr das alles einfach weg?"
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When we meet again
FanficOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
