Als wir die Tür öffneten und ins Wohnzimmer gingen, sahen wir Julian und Kai entspannt auf der Couch sitzen, jeder mit einem Handy in der Hand. Kai scrollte gerade durch seinen Feed, während Julian konzentriert auf den Bildschirm starrte. Es war, als wäre die ganze Welt in diesem Moment irgendwie still und normal – aber in meinem Kopf war alles nur ein riesiges Durcheinander. Ich konnte einfach nichts sagen.
Ich trat zögerlich einen Schritt vor, aber meine Zunge fühlte sich schwer und wie gelähmt an. Ich wollte etwas sagen, irgendetwas, aber nichts kam heraus. Mein Herz schlug schneller, und die Worte, die ich unbedingt aussprechen wollte, hingen in der Luft, ohne dass sie den Weg nach draußen fanden.
Sophia bemerkte mein Schweigen und drehte sich dann zu Kai. Sie setzte ein leichtes, aber bestimmtes Lächeln auf und sprach ihn an. „Kai, wir gehen mal eben eine Runde spazieren, okay?" Ihre Stimme war freundlich, aber ich konnte in ihrem Tonfall den unmissverständlichen Unterton hören. Sie wollte mich und Julian jetzt alleine lassen.
Kai blickte sie skeptisch an, als wollte er sagen, dass er eigentlich keine Lust hatte, sich zu bewegen. Aber er sah den Blick in Sophias Augen und wusste, dass es keinen Sinn hatte, sich zu widersetzen. „Klar, kein Problem. Du weißt, wo du mich findest", murmelte er und erhob sich langsam von der Couch.
Doch Sophia, die mittlerweile wieder einen ernsten Ausdruck aufgesetzt hatte, warf ihm einen Blick zu, der ihn sofort stoppen ließ. „Nein, du kommst jetzt mit, Kai. Wir gehen jetzt und lassen die beiden hier für sich. Sie müssen reden."
Kai seufzte, offensichtlich genervt, aber ohne ein weiteres Wort stimmte er zu. „Na gut, na gut... Komm, wir gehen, bevor du mir noch 'ne Ansprache hältst", sagte er, obwohl er seine Augen verdrehte, als er sich langsam in Richtung Tür bewegte.
Sophia schickte mir noch ein aufmunterndes Lächeln, bevor sie mit Kai die Wohnung verließ. Ich hörte, wie die Tür ins Schloss fiel, und plötzlich war es still.
Julian hatte uns dabei beobachtet und schaute nun von seinem Handy auf, seine Augen suchten meinen Blick. „Alles okay?" fragte er ruhig, aber mit einer leichten Spur Besorgnis in der Stimme.
Ich öffnete den Mund, doch ich konnte nichts sagen. Ich fühlte mich wie erstarrt. Der Moment, in dem ich es ihm sagen musste, war gekommen, und plötzlich war alles noch viel schwieriger, als ich es mir vorgestellt hatte.
Julian legte das Handy beiseite und rückte etwas näher. „Olivia, was ist los? Du kannst mit mir reden", sagte er, seine Stimme sanft, aber bestimmt. „Du hast mich den ganzen Tag irgendwie gemieden."
Ich atmete tief ein und sah ihm in die Augen. „Julian, ich... ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll. Aber...", ich hielt kurz inne, meine Hände zitterten leicht. „Es gibt da etwas, das sich verändert hat, und ich weiß nicht, was du davon halten wirst. Aber es gibt Dinge, die sich verändert haben, und ich..."
„Du... du willst nicht mehr heiraten, oder?" fragt er, seine Stimme klingt scharf, als würde er sich selbst nicht glauben, was er da gerade gesagt hat. „Du willst alles abblasen. Stimmt's?"
Ich stand stumm da. Konnte nicht ganz folgen, was er da sagte. Wieso glaubte er sowas? Ich wollte Einwände geben. Ich wollte ihm sagen, dass es nicht stimmt. Doch er kam mir zuvor.
„Du willst dich wieder zurückziehen, oder?" Julian's Stimme ist fest, aber ich höre die Wut und die Verletzung darin. „Du hast Angst, nicht genug zu sein. Angst, dich mir wirklich zu öffnen, also baust du Mauern auf und versteckst dich hinter irgendeinem Scheiß. Du bist dir nicht sicher, ob du das mit mir willst. Du wirst jetzt schon panisch und ziehst dich zurück, bevor es zu spät ist."
Seine Worte treffen mich wie ein Schlag, und ich bleibe für einen Moment einfach stumm stehen. Ein stechendes Gefühl in der Brust wächst, und ich kann fast nichts anderes mehr hören außer seinem Vorwurf.
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When we meet again
FanficOlivia hat in ihrem Leben mehr Kämpfe ausgefochten, als sie zählen kann. Aufgewachsen, immer mit dem Gefühl, funktionieren zu müssen, statt wirklich zu leben. Julian, den sie wegstößt, weil sie glaubt, nicht gut genug zu sein. Julian, mit dem sie v...
