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Der nächste Tag fühlte sich anders an. Als ich den Trainingsplatz betrat, war es, als wäre eine unsichtbare Last von meinen Schultern gefallen. Die Atmosphäre schien leichter, und obwohl ich wusste, dass ich nicht alles auf einmal verändern konnte, spürte ich, dass ich wieder mehr in meiner Mitte war. Nicht perfekt, aber besser.

Mats war der Erste, der mich bemerkte. „Morgen, Oli!" rief er mit einem breiten Grinsen, als er sich gerade dehnte. Ich nickte ihm nur zu, ein kleines Lächeln auf den Lippen, als ich an ihm vorbeiging.

Edin war der Nächste, der mir ein aufmerksames Blick zuwarf. Es war ein Blick, der mehr sagte, als Worte es könnten. „Schön, dich wieder so zu sehen", sagte er leise, während er die Trainingsplanung durchging.

„mhhh", murmelte ich, während ich mich daran machte, meinen üblichen Aufgaben nachzugehen. Ich kümmerte mich um die Trinkflaschen, schaute nach der Ausrüstung und kümmerte mich darum, dass alles reibungslos lief.

Im Training selbst war es dasselbe. Ich war da, konzentriert, organisiert, bereit zu helfen. Aber es war auch klar, dass ich mehr war als nur eine Betreuerin. Ich hatte mich wieder integriert, war wieder ein Teil des Teams.

Ich konnte die Veränderung spüren. Nicht nur bei mir, sondern auch bei den anderen. Es war, als hätten sie die Wand, die ich aufgebaut hatte, bemerkt und sich entschieden, darüber hinwegzusehen. Ein kleiner Schritt, aber ein Schritt, der mich in die richtige Richtung führte.

Ich war gerade dabei, einige Trinkflaschen aufzufüllen, als ich ihn aus dem Augenwinkel sah. Julian kam vom Spielfeldrand herüber, das Trikot leicht verschwitzt, die Haare zerzaust. Er wirkte konzentriert, aber als sich unsere Blicke trafen, hellte sich sein Gesicht auf – und ehe ich mich versah, musste ich lächeln.

Ganz automatisch. Ohne nachzudenken.

Er blieb vor mir stehen, verschränkte locker die Arme vor der Brust. „Was?" fragte er mit einem gespielt skeptischen Ausdruck. „Warum grinst du so?"

Ich schüttelte den Kopf, versuchte es mir zu verkneifen, vergeblich. „Keine Ahnung. Vielleicht, weil du aussiehst, als hättest du gerade um dein Leben gekämpft."

Er lachte leise. „So fühlt es sich auch an. Edin lässt uns heute richtig ackern."

„Tja, willkommen im Profifußball." Ich reichte ihm eine Flasche Wasser, die er dankend annahm.

Ein kurzer Moment der Stille. Nicht unangenehm, sondern... vertraut.

„Du siehst anders aus", meinte er dann plötzlich.

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Anders?"

„Ja." Er nahm einen Schluck Wasser, musterte mich dabei. „Wacher. Lebendiger."

Mein Herz machte einen kleinen Sprung. Ich wusste, dass er es ehrlich meinte. Und ich wusste auch, dass er recht hatte.

„Vielleicht, weil ich mich auch so fühle", sagte ich leise.

Sein Blick wurde weicher. „Das freut mich."

Wir sagten eine Weile nichts, standen nur da, während um uns herum das Training weiterging. Die anderen Jungs riefen sich Anweisungen zu, Edin korrigierte Laufwege, doch für einen Moment war es, als gäbe es nur uns beide.

Dann, ganz plötzlich, war der Moment vorbei.

„Also gut, bevor Edin mich für ein Einzelgespräch ins Büro zitiert, sollte ich wohl besser zurück." Er zwinkerte mir zu, bevor er sich umdrehte.

„Tu das", erwiderte ich mit einem Schmunzeln.

Ich sah ihm nach, bis er wieder bei den anderen war.

Und als ich mich wieder meiner Arbeit zuwandte, war das Lächeln immer noch da.

When we meet againWhere stories live. Discover now