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Ich versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, aber dieser eine Moment verfolgt mich.
Wie Julian mich einfach nur kurz angesehen und dann weitergemacht hat, als wäre nichts.

Es macht mich wahnsinnig.

Es macht mich wahnsinnig, weil ich nicht weiß, was er denkt. Weil ich nicht weiß, ob das jetzt unser neues Normal ist. Ob er beschlossen hat, dass es einfacher ist, mich auf Abstand zu halten, als sich noch weiter mit mir auseinanderzusetzen.

Ich will ihn nicht während der Arbeit abfangen – das wäre unprofessionell, und genau das will ich nicht sein. Ich will, dass mein Job mein Job bleibt, egal was privat zwischen uns passiert. Aber es fühlt sich an, als würde alles ineinander verschwimmen.

Gegen Nachmittag sitze ich an meinem Laptop, als Maximilian hereinkommt – unser Athletiktrainer. Er ist ein paar Jahre älter als ich, jemand, der für jeden einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, aber auch verdammt gut darin ist, zwischen den Zeilen zu lesen.

„Hey, Olivia", sagt er, lehnt sich an den Türrahmen. „Hast du kurz?"

„Klar." Ich schiebe meinen Stuhl zurück. „Was gibt's?"

Er mustert mich kurz, dann nickt er in Richtung der Trainingsplätze. „Hast du heute schon mit Julian gesprochen?"

Mein Herz macht einen kleinen Sprung. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen. „Wieso?"

Maximilian verschränkt die Arme. „Weil er heute nicht ganz bei der Sache war."

Ich blinzele. „Nicht bei der Sache?"

„Ja. Unkonzentriert. Mehr Fehlpässe als sonst. Nicht ganz in den Zweikämpfen drin. Hat sich sogar eine kleine Standpauke von Edin abgeholt."

Ich weiß nicht, was mich mehr trifft – dass Julian nicht bei der Sache war oder dass Tom mich fragt, als wäre ich diejenige, die darauf eine Antwort haben könnte.

„Denkst du, das hat mit mir zu tun?" frage ich leise.

Maximilian zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung. Aber ihr zwei ..." Er macht eine vage Geste mit der Hand. „Sagen wir mal so: Man muss nicht Sherlock Holmes sein, um zu merken, dass da irgendwas im Busch ist."

Ich schließe kurz die Augen. Ich hasse es, dass es so offensichtlich ist. Ich hasse es, dass es unsere Arbeit beeinflusst.

„Ich rede mit ihm", sage ich schließlich.

Maximilian nickt. „Gut. Aber mach's nach dem Training. Sonst kann ich mir den nächsten Einlauf von Edin anhören."

Ich lache leise, aber es hält nicht lange an. Mein Magen zieht sich zusammen, als ich daran denke, Julian wirklich darauf anzusprechen. Ich habe keine Ahnung, was ich sagen soll.

Aber eines weiß ich: So kann es nicht bleiben.

Das Training ist vorbei, und die Jungs kommen nach und nach zurück in die Kabine. Ich warte draußen, lehne mich gegen eine Wand und atme tief durch. Die Luft ist kühl, und ich hoffe, dass sie mir hilft, meine Gedanken zu ordnen.

Nach ein paar Minuten kommt Julian raus. Er sieht mich sofort. Bleibt kurz stehen, als würde er überlegen, einfach weiterzugehen.

Aber dann kommt er doch rüber.

„Hey", sagt er.

„Hey."

Ein paar Sekunden lang passiert nichts. Dann schiebt er sich die Ärmel seines Pullis hoch und sieht mich an. „Was ist los?"

Ich seufze. „Tom hat mit mir geredet."

Seine Kiefermuskeln zucken leicht. „Und?"

„Er meinte, du wärst heute nicht ganz bei der Sache gewesen."

When we meet againWhere stories live. Discover now